Frei Daniel · Nationalrat · 2019-09-11
Frei Daniel · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2019-09-11
Wortprotokoll
Es müsse ein Ruck durch das Land gehen, sagte einst der deutsche Bundespräsident Roman Herzog, um Änderungen zu ermöglichen und Reformen anzustossen. Ja, ein Ruck muss auch durch die Schweiz gehen. Unsere Familienpolitik entspricht in verschiedener Hinsicht nicht den Anforderungen des 21. Jahrhunderts und auch nicht den Lebensrealitäten der heutigen Eltern. Ein besonders krasses Beispiel, Sie wissen es, ist der aktuelle Vaterschaftsurlaub von lediglich einem Tag. Diese Regelung ist schlicht und einfach démodé.
Eltern sind Leistungsträgerinnen und Leistungsträger unserer Gesellschaft. Die berühmte Vereinbarkeit von Beruf und Familie - und in diesem Saal erlaube ich mir zu sagen: die berühmte Vereinbarkeit von Beruf, Familie und eben auch Politik - ist nicht nur einfach ein Modewort oder ein Schlagwort, nein, sie ist eine tagtägliche Herausforderung für Tausende und Abertausende Familien in unserem Land. Die Unterstützung dieser Familien liegt im Interesse der Gesellschaft, der Wirtschaft und des Staates gleichermassen.
Wenn wir die verschiedenen Familienformen, die verschiedenen Arbeitsmodelle, die vielfältigen Lebensstile anschauen, dann zeigt sich, dass eine Elternzeit die sinnvolle und zeitgemässe Lösung ist. Sie ermöglicht es, dass sich Eltern gemäss ihren Bedürfnissen um die Betreuung ihres Nachwuchses kümmern können. Eine Elternzeit von 14 Wochen für beide Elternteile gibt Spielraum und Flexibilität für massgeschneiderte und eigenverantwortliche Betreuungsformen. Sie bildet darüber hinaus auch eine gute Grundlage für die Entstehung einer engen Eltern-Kind-Beziehung. Und wir haben es heute Morgen schon gehört: Sie ist organisierbar, und sie ist auch finanzierbar.
Eigentlich müssten wir daher heute über eine Elternzeit diskutieren. Sie müsste das grosse Thema sein. Es müsste uns allen ein Anliegen sein, dafür eine Mehrheit zu finden - eigentlich, aber wir alle wissen, dass es eben nicht so ist. Wir sind noch nicht so weit, wir backen noch kleinere Brötchen. Doch immerhin reden wir heute über einen längeren Vaterschaftsurlaub.
Für mich ist unabhängig von der Frage nach 4 oder 2 Wochen klar: Ein längerer Vaterschaftsurlaub ist ein überfälliger Schritt und notwendig. Er ist aber auch lediglich ein erster Schritt auf dem Weg zu einer modernen Familienpolitik, an deren Ende die Elternzeit stehen muss.
Geben wir uns, geben Sie sich heute also einen Ruck, machen wir diesen ersten wichtigen Schritt! Die Eltern und Kinder in der Schweiz werden es Ihnen danken.