Arslan Sibel · Nationalrat · 2019-09-11
Arslan Sibel · Nationalrat · Basel-Stadt · Grüne Fraktion · 2019-09-11
Wortprotokoll
Verglichen mit benachbarten und anderen europäischen Ländern fristet der Vaterschaftsurlaub in der Schweiz ein Mauerblümchendasein. Ein solcher Urlaub ist heute einzig vom Wohlwollen des Arbeitgebers und seiner Unternehmung abhängig. Zwar gibt es heute grosszügige Vorzeigemodelle wie jenes von Novartis und Ikea, aber das ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme.
Die Vaterschaftsurlaubs-Initiative hat endlich Bewegung in die starre Situation gebracht. Wir können heute sogar über zwei Modelle beraten und abstimmen: einerseits über das Modell der Initianten mit 4 Wochen Vaterschaftsurlaub und über den indirekten Gegenentwurf mit 2 Wochen Vaterschaftsurlaub und andererseits über verschiedene Modelle von Elternzeit. Und da favorisieren wir Grünen klar das Modell der Elternzeit, denn es bringt die Gleichstellung voran und ist familienpolitisch wichtig.
Beim Modell Vaterschaftsurlaub favorisieren wir klar die Initiative, sollte unsere grüne Minderheit mit ihrem Antrag auf 8 Wochen keine Chance haben. Sollte die Initiative zurückgezogen werden, weil der indirekte Gegenvorschlag gesichert ist, betrachten wir diese 2 Wochen als ersten Baustein für eine grosszügigere Lösung, welche in den kommenden Jahren anzustreben ist.
Weil gerade von Arbeitgeberseite sogar die 2 Wochen des Gegenentwurfes abgelehnt werden, ist es wichtig, an dieser Stelle die Vorteile eines Vaterschaftsurlaubes für die Arbeitgeber aufzuzeigen. Sie sind mannigfach:
1.[NB]Heute haben Grossunternehmen, die sich die Gewährung eines Vaterschaftsurlaubes leisten können, Marktvorteile. Kleine Unternehmen sind benachteiligt, weil ein Vaterschaftsurlaub für sie viel schwieriger zu organisieren und zu finanzieren ist. Mit den beiden vorliegenden Modellen ist dies anders. Dank der Finanzierung des Urlaubes durch die EO können auch KMU den Urlaub anbieten und werden dadurch nicht finanziell belastet.
2.[NB]Heute bezahlen ausschliesslich die Unternehmen Vaterschaftsurlaube. Mit den vorliegenden Modellen würde sich dies ändern, weil Arbeitgeber und Arbeitnehmer EO-Beiträge bezahlen - also eine faire und paritätische Lösung.
3.[NB]Kleine Unternehmungen haben bei ausfallenden Mitarbeitenden oft Mühe, die Lücken zu schliessen. Beide Modelle tragen diesem Umstand Rechnung, indem der Urlaub gesplittet bezogen werden kann, also wochenweise oder tageweise. Dieses Splitting entspricht oft auch den Wünschen der Arbeitnehmer, weil sie damit mehr Flexibilität erhalten.
4.[NB]Die Einführung eines 4- oder 2-wöchigen Vaterschaftsurlaubes verbessert die familiären Lebensbedingungen, was zu einer höheren Zufriedenheit der Arbeitnehmenden und damit letztlich zu einer besseren Leistungsfähigkeit und zu einem guten Betriebsklima führt.
5.[NB]Mit einem Vaterschaftsurlaub wird auch die Gleichstellung gefördert, was vielen Unternehmungen heute wichtig ist. Gleichstellung bedeutet aber auch einen erhöhten Einbezug weiblicher Fachkräfte in die Arbeitswelt. Der Fachkräftemangel wird aufgrund der Demografie immer grösser, es kommt zum Kampf um die Talente. Ein Vaterschaftsurlaub wirkt diesem Umstand zumindest teilweise entgegen. Das Potenzial der Mütter kann vermehrt genutzt werden.
6.[NB]Ein umfassender Vergleich der verschiedenen existierenden Vaterschafts- und Elternzeitmodelle zeigt, dass ein Vaterschaftsurlaub sowie andere familienpolitische Massnahmen nicht nur die Familien entlastet, sondern auch der Gesellschaft und der Wirtschaft nützt.
Aus all diesen Gründen sind die Grünen auch aus wirtschaftlicher Perspektive für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub und für alle Modelle von Elternzeit, die darüber hinausgehen.