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Fiala Doris · Nationalrat · 2019-09-11

Fiala Doris · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2019-09-11

Wortprotokoll

Den neuen Zeitgeist und angemessene, fortschrittliche Familienmodelle will sicher niemand infrage stellen. Auch ich stelle sie sicher nicht infrage, wie auch die Konvention der ILO zum Schutz der Mutterschaft nicht. Ich setze mich beherzt und wirklich mit Verve für den Gegenvorschlag von 2 Wochen Vaterschaftsurlaub ein, weil ich überzeugt bin, dass uns auch bei diesem Geschäft, bei dieser Volksinitiative nicht die Maximalforderungen weiterbringen werden, sondern dass eben der bestmögliche Kompromiss tragfähig sein wird.

Für mich unbestritten sind der Vaterschaftsurlaub und - wichtig - die Elternzeit. Die unterschiedlichen Vorstellungen betreffen weniger das Ob als vielmehr das Wie bzw. die Frage, wer wie lange finanziert: Private oder der Staat? Ich gestehe gerne ein, dass ich es in einigen Debatten sehr angenehm fände, ich könnte - wie die SP oder andere linke Kreise - bei Fragen zu fortschrittlichen Gesellschaftserneuerungen einfach die Finanzierung ausklammern, ich könnte das geflügelte Wort denken: "Faire du bien sans regarder à qui."

Es ist positiv, dass Firmen die Zeichen der Zeit erkennen: Privat vor Staat! Bekennende Topfirmen sind beispielsweise Volvo mit 24 Wochen, Novartis mit 18 Wochen, Google mit 12 Wochen und Microsoft mit 6 Wochen. In Deutschland - wenn wir diese Vergleiche bringen wollen - beträgt der Urlaub 14 Wochen bei 100 Prozent, in Österreich zwei Monate und in Frankreich 16 Wochen für die Mutter, wovon 6 Wochen vor und 10 Wochen nach der Geburt bezogen werden; ab dem dritten Kind sind es mehr.

Sicher gehen Sie mit mir aber einig, dass KMU und Familienbetriebe andere Challenges aufweisen als irgendwelche Grossunternehmen und börsenkotierte Unternehmen, die auch ganz anders rechnen können. Die Freisinnigen wünschten sich mehr freie Elternentscheide. Der uns vorschwebende Elternurlaub, wie ihn Kollege Wasserfallen forderte und wie ihn nun die Motion Müller Philipp fordert, beträgt 16 Wochen - 8 und 8, im schlechtesten Falle 14 und 2, also wie der indirekte Gegenentwurf zur Vaterschaftsurlaubs-Initiative.

Wir haben es gehört: Die SP wird nun offenbar nächste Woche 18 Wochen Elternzeit fordern, Kollegin Kälin von den Grünen gar 52 Wochen zu Kosten von rund 3,7 Milliarden Franken. Demgegenüber war die Bevölkerung, waren die Urheber der Volksinitiative geradezu unglaublich vernünftig. In diesem Sinne denke ich, auch der Gegenvorschlag - diese sehr ausgeklügelte Überlegung mit 2 Wochen Vaterschaftsurlaub - könnte hier eine Lösung bringen. Aber diese Lösung scheint der linken Ratshälfte eben weder zu genügen noch zu passen. Man nimmt nun diese Volksinitiative zum Anlass für übertriebene Forderungen, was ich bedaure. Ich bitte Sie deshalb, sich daran zu erinnern, dass es heute um die Volksinitiative geht, dass wir heute gemeinsam einen Schritt weiterkommen können - ganz sicher mit dem Gegenvorschlag, vielleicht sogar mit der Volksinitiative. Aber mit Ihrem Wunschdenken, glaube ich, wird das wirklich nicht möglich sein.