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Engler Stefan · Ständerat · 2019-09-12

Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · CVP-Fraktion · 2019-09-12

Wortprotokoll

L'intervenziun da cusseglier dals chantuns Raphaël Comte demussa: la dumonda rumantscha è ina dumonda da coesiun naziunala e betg restrenschida sin ina minoritad linguistica lontana a las muntognas grischunas. Cusseglier dals chantuns Raphaël Comte ha il merit da far attent sin ina impurtanta pitga d'identitad svizra: la plurilinguitad.

Ich danke somit meinem Ständeratskollegen Raphaël Comte, dass er als Vertreter einer anderen Minderheitssprache das Thema der Rumantschia aufgenommen hat und mit seiner Interpellation den Bundesrat anfragt, mit welchen Möglichkeiten und Massnahmen der Bundesrat gewillt ist, zur Spracherhaltung, zur Erhaltung der rätoromanischen Sprache, beizutragen. Kollege Comte knüpft an einen Evaluationsbericht "Massnahmen zur Erhaltung und Förderung der rätoromanischen und der italienischen Sprache und Kultur im Kanton Graubünden" vom 31. März 2019 an. Dieser Evaluationsbericht wurde im Kanton, in der Politik, aber auch in der Lia Rumantscha eingehend diskutiert. Wie Sie wissen, feiert die Lia Rumantscha dieses Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Sie hat in ausgezeichneter Art und Weise die Festivität dieses Jubiläums dafür benutzt, nicht nur in die Vergangenheit zu schauen, sondern für die Zukunft prospektiv die Handlungsfelder zu definieren, in denen die verschiedenen Akteure - das ist selbstverständlich der Kanton, das sind die Sprachorganisationen, das ist aber auch der Bund - in Zukunft verstärkt tätig sein müssten.

Da zeichnen sich tatsächlich drei Herausforderungen ab, die Kollege Comte und selbstverständlich auch der Bundesrat in seiner Antwort identifiziert haben:

1.[NB]Viel stärker noch als vor hundert Jahren ist die Rumantschia nicht mehr auf die traditionellen Gebiete beschränkt. Das Bündner Oberland, Mittelbünden, das Engadin, das Münstertal - diese Gebiete haben seit der Gründung der Lia Rumantscha vor hundert Jahren einen deutlichen Rückgang der romanischen Substanz erlebt, allen voran auch das Domleschg und der Heinzenberg, das Oberengadin oder auch die Gegend, wo ich herkomme: die Gegend Albulatal, Mittelbünden. Dafür aber ist der Anteil der romanischen Bevölkerung in den übrigen Gemeinden, allen voran in Chur, stark gewachsen. Nicht anders ist es in den übrigen Kantonen der Schweiz.

Geht es in den traditionell romanischen Dörfern darum, die romanische Schule und das romanische Sozialleben zu erhalten, muss es in der sogenannten Diaspora das Bestreben sein, die Romanischsprechenden untereinander zu vernetzen und Orte für den Austausch zu schaffen. Natürlich mischen sich da die Idiome, und natürlich sind angepasste Lösungen für einen minimalen Unterricht in Lesen und Schreiben zu schaffen. Nur so kann verhindert werden, dass die Sprache zu einem nur noch mündlich gebrauchten Dialekt wird.

2.[NB]Die Gesetze, das eidgenössische und das kantonale Sprachengesetz, schützen die Minderheitssprachen in erster Linie in ihrem traditionellen Verbreitungsgebiet. Mit der obenerwähnten Verschiebung der romanischen Bevölkerung gerät dieses sogenannte Territorialitätsprinzip aber an seine Grenzen. Die romanische Sprache hat überall Schutz und Förderung nötig: in Maienfeld und in Buchs, in Zürich und in Lausanne. Es muss möglich sein, diese Sprache an die Jugend weiterzugeben, wo immer diese aufwächst. Dies soll von Bund und Kantonen in Zukunft noch verstärkt unterstützt werden.

3.[NB]Auch die Medien spielen eine wesentliche Rolle, gedruckte wie elektronische Erzeugnisse. Der Rückgang der traditionellen Zeitungen trifft die Rumantschia doppelt hart. Sie stellt einen zahlenmässig beschränkten Markt dar. Auch die elektronischen Medien wie Radio, Fernsehen und Internet sind auf staatliche Unterstützung angewiesen, wenn sie die gleiche Qualität halten wollen wie ihre deutschsprachigen Pendants. Wie die Zahl der Konsumentinnen und Konsumenten ist auch die der Journalistinnen und Journalisten auf diesem Gebiet begrenzt. Sie auszubilden und im Kanton bzw. in der Sprachgemeinschaft zu halten ist ein Anspruch, ein Problem, das sich in Zukunft noch verschärfen dürfte.

Es ist nicht alles schlecht. Es gibt durchaus auch Lichtblicke und Chancen, die die Lia Rumantscha auch gerade im Verlaufe des 100-Jahr-Jubiläums gut zum Ausdruck bringen konnte. Das Verständnis für unsere Sprache, für die vierte Landessprache, ist in der Schweiz durchaus gross. Das Bewusstsein für die Mehrsprachigkeit und damit auch die privilegierte Stellung der Romanischsprechenden selber, dieses Bewusstsein ist in der jüngeren Generation wieder vermehrt erkennbar, und auch in den Medien erkennen wir durchaus auch Ansatzpunkte und Chancen, die es jetzt aber zu nutzen gilt. Also nochmals besten Dank, Kollege Comte, dass Sie als Vertreter einer anderen Minderheitssprache sich um uns und die Rumantschia Sorgen machen. Wir sind froh um diese Solidarität.

Ganz zum Schluss: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass der Schaden für die Idee Schweiz, wenn das Romanische verlorenginge, viel grösser wäre als ein etwaiger Gewinn, wenn wir uns untereinander nur noch in Englisch verständigen würden.