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Villiger Kaspar · Bundesrat · 2000-03-16

Villiger Kaspar · Bundesrat · Luzern · 2000-03-16

Wortprotokoll

Nachdem Herr Baumann doch starke Kritik übt, möchte ich kurz dazu Stellung nehmen. Zunächst muss ich Sie in einer Aussage bestätigen: Im Nachhinein ist es leichter, Prophet zu spielen. Es trifft auch zu, dass es ein sehr schwieriger Moment war. Die Interpellation Baumann J. Alexander ist nachvollziehbar und berechtigt. Auch ich verstehe die Kritik, die er übt.

Sie müssen sich aber in die Lage zurückversetzen; Sie wissen ja nicht, wie die Börse sich im Moment entwickelt. Wollen Sie verschieben - nicht verschieben? Damals gab es für die Preisfestsetzung ziemlich turbulente Marktbedingungen - die Börse hatte ja einen schweren Krisenanfall erlitten. Eine Zeit lang erwogen wir, ob wir verschieben sollten. Wir kamen dann aber zum Schluss, dass gerade in diesem unsicheren Umfeld eine Verschiebung ein sehr schlechtes Signal gewesen wäre. Wir haben es uns nicht leicht gemacht; denn ob Sie an die Börse gehen oder nicht, ist immer auch ein Signal, das wieder andere beeinflusst. Niemand wusste, wie es ein Jahr später gewesen wäre. Man kann das nicht einfach kurzfristig verschieben, das ist ein Riesenaufwand. Sie müssen wieder Reisen machen, Investoren gewinnen, die Auftragsbücher füllen, alle diese Dinge. Ein solcher Entscheid ist sehr schwerwiegend.

Was haben wir getan? Wir haben das Volumen reduziert. Wir haben nicht das Ganze ausgeführt, ausgeschöpft, sondern nur dieses Drittel. Dies im Wissen, dass man die 15 Prozent, die wir jetzt noch haben, dann unter Umständen in einem günstigeren Moment verkaufen sollte. Das ist gelegentlich auch einmal vorgesehen. Es ist selbstverständlich, dass wir in einer solchen Unsicherheit nicht das ganze Familiensilber - wenn Sie so wollen - auf den Markt bringen wollten.

An sich war der Emissionspreis - 340 Franken - nicht so schlecht. Wir hatten eine Preisspanne von zwischen 330 und 410 Franken festgelegt. Wir haben lange darum gerungen, in welchem Segment dies geschehen sollte. Wenn Sie jetzt sehen, dass die Telekom-Aktienkurse seit Fixierung der Emissionspreisspanne an sich um 11 Prozent zurückgegangen sind, dann sehen Sie, dass wir im Vergleich dazu eher besser liegen, als es auf den ersten Blick aussah. So gesehen kann man nicht sagen, es sei falsch gewesen.

Natürlich hätten wir gerne mehr gelöst. Von den Zielen her, die wir uns gesetzt haben, sind wir aber an sich zufrieden. Denn erstens haben die Finanzmärkte gut reagiert, und zweitens ist es, auch für spätere Verkäufe, positiv, wenn die Anleger etwas verdient haben. Es kann nichts Schlimmeres passieren, als wenn es umgekehrt ist.

Wir haben die finanziellen Ziele erreicht; wir konnten die Eigenkapitalausstattung der Swisscom wie gewünscht erhöhen; wir konnten einen, glaube ich, guten Teilprivatisierungsprozess gut ablösen und haben auch die minimalen Bundesziele gut erreicht. Mehr will ich dazu im Moment nicht sagen: Wir werden bei weiteren Tranchen diese Fragen selbstverständlich wiederum sehr sorgfältig erwägen. Wir hoffen, dass wir dann einiges mehr dafür lösen können.