Graf Maya · Nationalrat · 2019-09-25
Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2019-09-25
Wortprotokoll
Was will ich mit meiner parlamentarischen Initiative? Ich möchte, dass das Tierschutzgesetz ergänzt wird und schwere Belastungen für Tiere zu Versuchszwecken verboten werden. Der Bund soll zudem die Beurteilungskriterien für die Schweregrade regelmässig aktualisieren, und vor allem soll er sie gegenüber heute besser definieren.
Warum fordere ich dies, und warum tue ich dies nicht zum ersten Mal? An den Tierverbrauchszahlen für Tierversuche hat sich in den letzten Jahren leider nicht viel geändert. Es geht um 620[NB]000 bis 680[NB]000 Tiere, die wir in Tierversuchen jedes Jahr verbrauchen, und das insbesondere mit steigenden Zahlen und Investitionen in der Grundlagenforschung an unseren Hochschulen und Universitäten. Hinzu kommt die zunehmende Produktion von gentechnisch veränderten Versuchstieren.
Jährlich werden also rund 150[NB]000 Tiere in mittel- bis schwerbelastenden und rund 15[NB]000 bis 17[NB]000 Tiere in schwerstbelastenden Versuchen mit Schweregrad 3 grossem Leid und schrecklichen Ängsten ausgesetzt. Wir sprechen jetzt über diese jährlich 15[NB]000 bis 17[NB]000 Tiere.
Wir haben in den letzten 25 Jahren immer wieder versucht, hier Verbesserungen herbeizuführen, Ersatzmethoden zu fördern. Leider müssen wir, wenn wir zurückblicken, feststellen, dass in dieser Zeit zwar im Tierschutzgesetz das 3R-Prinzip - Replace, Reduce, Refine - verankert wurde, dass aber die Zahlen bei den mittel- und schwerbelastenden Tierversuchen immer gleich hoch geblieben sind. Wir haben also hier ein Problem.
Wir haben auch ein Qualitätsproblem. Vielen Schweizer Tierversuchen wurde nämlich eine ungenügende Qualität und [PAGE 1873] Aussagekraft attestiert, und Studien in anderen Ländern kamen zum gleichen Resultat.
Vor diesem Hintergrund lassen sich schwer- und schwerstbelastende Tierversuche ethisch und wissenschaftlich noch weniger vertreten. Dazu kommt, dass es auch eine fehlende Effizienz von Tierversuchen gibt. Es gibt eine amerikanische Studie, die besagt, dass die Effizienz von Tierversuchen, aus denen letztlich neue Medikamente und Therapien entwickelt werden, bei maximal 10 Prozent liegt. Hier müssen wir uns also fragen, ob diese schwersten Belastungen, dieser fehlende Nutzen für den Menschen in der Güterabwägung stimmen. Stimmt also diese gesetzlich vorgeschriebene Güterabwägung noch? Lassen sich schwerbelastende Tierversuche ethisch und wissenschaftlich überhaupt noch rechtfertigen, zumal diverse repräsentative Umfragen bestätigen, dass eine Mehrheit unserer Bevölkerung sehr belastende Tierversuche deutlich ablehnt?
Was ist denn nun die Zukunft? Die Zukunft ist, dass wir wie auch andere Länder den Mut haben, schwerbelastende Tierversuche nicht mehr zuzulassen: weniger Tierleid und Belastungen, auch weniger Tierverbrauch, dafür mehr Qualität und Aussagekraft für die Menschen und ihre Gesundheit. Weg vom Tierversuch heisst hin zu Alternativ- und Ersatzmethoden. Dort brauchen wir mehr Investitionen und vor allem mehr Innovation. Wir sind der Innovationsstandort, im Forschungsbereich auf der ganzen Welt ist die Schweiz vorne dabei, doch punkto Ersatz- und Alternativmethoden für Tierversuche sind wir nicht an der Spitze. Stellen Sie sich vor: Heute werden von den gesamten öffentlichen Fördermitteln, die wir ausgeben, Tierversuche im Sinne des 3R-Prinzips im Verhältnis von 3 zu 97 gefördert!
Aus all diesen Gründen bitte ich Sie, der Initiative Folge zu geben, damit wir miteinander hier eine gute Lösung finden können und in die Zukunft des Forschungsplatzes Schweiz in diesem Bereich auch investieren können. Vielen Dank!