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Stöckli Hans · Ständerat · 2019-12-02

Stöckli Hans · Ständerat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-12-02

Wortprotokoll

Ich danke Ihnen für diese Wahl und für das Vertrauen, das Sie mir geschenkt haben. Ich hoffe, dass ich diejenigen Ratsmitglieder, welche mir heute ihre Stimme noch nicht geben konnten - es waren zwei -, mit meiner Arbeit in den nächsten Monaten noch überzeugen kann. Es ist erst fünfzehn Tage her, seit mich der zweite Wahlgang zurück in diesen Rat gebracht hat, und nun sitze ich vor Ihnen auf diesem Sessel.

En m'ayant élu à la présidence du Conseil des Etats, vous faites également honneur au canton que je représente. J'ai le plaisir de saluer la délégation du Conseil-exécutif du canton de Berne, présente aujourd'hui dans les tribunes et menée par son président, M. Christoph Ammann. Dans le cadre de mon mandat, je ferai tout pour mettre le canton de Berne en valeur, un canton bilingue, fort et innovant, qui joue un rôle de trait d'union dans notre beau pays. J'adresse aussi mes plus sincères remerciements à M. Erich Fehr, maire de Bienne, ma ville. Il est également présent aujourd'hui.

J'ai le privilège d'être actif en politique depuis plus de trente ans. J'ai lu une fois quelque part que l'on ne trouvait dans le cours de sa carrière professionnelle qu'une seule tâche pouvant représenter une vocation et à laquelle on pouvait se donner corps et âme. Dans mon cas, ce fut, jusqu'à il y a un an, la présidence de la ville de Bienne, que j'ai exercée durant vingt ans.

Toutefois, la conseillère aux Etats Géraldine Savary ayant renoncé à la présidence de notre conseil, une nouvelle tâche, tout aussi passionnante, s'offre à moi. Merci, Géraldine - und natürlich auch vielen Dank an Sie.

Der Entscheid, zu kandidieren, wurde von meiner Partei und meinem eingespielten Wahlteam zwar begrüsst, war aber für meine Familie, insbesondere für meine liebe Frau Rosmarie, [PAGE 1006] gar nicht selbstverständlich und nicht einfach. Aber sie dachte wahrscheinlich: "Es ist besser, er macht weiter, als dass er unglücklich zuhause ist." Ich danke euch für euer Verständnis und den unermüdlichen Einsatz, gerade in meinem letzten und schwersten Wahlkampf!

Als Jus-Student, der mit grossem Interesse die Vorlesungen zum Staatsrecht bei Richard Bäumlin, dem nachmaligen Nationalrat, besuchte, habe ich zu Beginn der Siebzigerjahre einen - heute zum Glück nicht mehr auffindbaren - Artikel über den Ständerat geschrieben und dabei seine ersatzlose Abschaffung verlangt. (Heiterkeit) Ich war zur Überzeugung gelangt, dass der Ständerat von den bürgerlichen Parteien als Notbremse gegen den Fortschritt eingesetzt werde. Zudem war die Verteilung der Sitze und Stimmen sehr ungerecht, was die bevölkerungsreicheren Kantone stark benachteiligte. Damals, 1971, war die Linke im Ständerat lediglich mit vier Sitzen vertreten. Ich war übrigens nicht allein mit meiner Kritik: Einige Jahre später haben auch die Juso und 1989 die Grünen die Abschaffung des Ständerates verlangt. Ich denke aber, dass nach den letzten Wahlen auch bei den Grünen dieses Thema nicht mehr aktuell sein dürfte.

Schon in der Anfangszeit des Bundesstaates hatte der Ständerat Startschwierigkeiten; er wurde als Fortsetzung der Tagsatzung betrachtet. Der Nationalrat galt wegen der Dominanz des radikal-liberalen Lagers als progressiv, zukunftsweisend und bedeutend, der Ständerat als altbacken, überholt und bedeutungslos. Die Amtsdauer eines Ständerates war zu kurz, um dieses Amt für bedeutende politische Persönlichkeiten attraktiv zu machen. Damals wichtige Männer sassen denn auch vorwiegend im Nationalrat, und sie verliessen den Ständerat, so schnell sie konnten. Wie sich die Zeiten ändern! Im Ständerat herrschte ein Kommen und Gehen; bedeutende Geschäfte wurden häufiger dem Nationalrat zur Erstbehandlung zugewiesen.

Völlig unangefochten ist unser Ständerat auch in jüngerer Zeit nicht. Die Kontroverse dreht sich immer um den gleichen Punkt: Man stört sich an der Übermacht der bevölkerungsarmen, ländlichen und zumeist auch konservativen Kantone. Reformvorschläge vermochten sich ja bis heute nicht durchzusetzen. Dennoch - davon bin ich überzeugt - denkt heute niemand mehr ernsthaft daran, den Ständerat abzuschaffen.

Als ich dann übrigens ein paar Jahre später, 1978/79, Hilfsassistent bei Professor - und Ständerat - Jean-François Aubert war, habe ich meine Ansicht geändert und verstanden, wie wichtig der Ständerat ist. Dass ich diesen Rat aber einmal präsidieren würde, dachte ich in dieser Zeit selbstverständlich noch nicht.

Unser Ständerat hat an Renommee gewonnen. Die Volkswahl im Majorzverfahren und die längere Amtsdauer haben dazu geführt, dass der Ständerat ein höheres Ansehen geniesst, und wegen seiner grösseren Homogenität besitzt er auch einen grösseren Einfluss - insbesondere im Differenzbereinigungsverfahren. Ganz viele unter uns, so auch ich, setzen die politische Karriere in der kleinen Kammer fort.

Suite aux dernières élections, le visage de notre conseil a une nouvelle fois changé: il est plus vert, plus féminin et, surtout, plus jeune. Cette nouvelle composition aura inévitablement une influence sur le positionnement de la Chambre des cantons, et c'est une bonne chose! Je me réjouis de voir ce vent nouveau souffler dans notre conseil - mais bien sûr un vent, pas une tempête! Nous ne voulons pas jeter par-dessus bord les qualités propres du Conseil des Etats. Nous voulons rester la "chambre de réflexion"; nous voulons maintenir et soigner cette culture du dialogue et de l'écoute qui prévaut au sein de la Chambre haute afin de trouver des solutions et des compromis. Je n'ai aucun doute sur le fait que ces valeurs typiquement suisses seront également portées et cultivées par nos nouveaux membres.

En passant du Conseil national au Conseil des Etats, j'ai appris à apprécier cette atmosphère de réflexion toute de pondération et de sobriété et je me suis rendu compte que je devais faire attention à ce que je disais, au nombre et à la durée de mes interventions, car j'avais en face de moi des collègues qui m'écoutaient attentivement. (Hilarité) Un bon conseil à tous les nouveaux!

Ich werde mein Präsidialjahr nutzen, um drei Schwerpunkte zu setzen: Förderung der Mehrsprachigkeit, politische Bildung und Stärkung der Identität des Ständerates.

Ina da las basas da la cultura Svizra è il respect da las minoritads. Mai n'ha noss pajais tolerà ch'ils pli ferms mettian a chantun ils pli flaivels. Anzi, la Svizra ha adina mussà sia attaschadadad a tut sias minoritads cun dar ad ellas dretgs e las proteger a moda particulara.

(Der Redner wendet sich in Richtung der Bündner Standesvertreter) Man scheint es zu verstehen. (Heiterkeit)

En spezial vala quai en il sectur da las linguas, era sch'ins è mintgatant tentà d'emblidar l'impurtanza da las autras linguas naziunalas e nossas differentas cuminanzas linguisticas renconuschidas sin plaun federal. Er ils chantuns garanteschan la coesiun naziunala cun instruir las linguas. Las linguas n'èn betg simpels vecturs da communicaziun. Ellas èn ina part da nossa identitad, da nossa cultura, da nossa moda da pensar. Lur mantegniment e perquai essenzial.

La Svizzera è unica al mondo e questo non soltanto perché la più bella lingua del mondo, l'italiano, è una lingua nazionale, ma soprattutto perché riunisce in maniera pacifica varie culture, varie lingue e varie religioni. La diversità culturale del nostro paese è eccezionale. Ogni cantone, ogni regione ha tradizioni differenti, eppure sentiamo di appartenere pienamente ad una comunità con un medesimo destino. La Svizzera è una "Willensnation" ma è più ancora una nazione che nei secoli ha saputo sviluppare una coesione nazionale senza per questo denegare l'identità delle sue singole regioni. Noi al Consiglio degli Stati dobbiamo continuare a sviluppare questa nostra Svizzera.

En tant que fondateur de l'intergroupe parlementaire Plurilinguisme CH et ancien maire de Bienne, la plus grande ville bilingue de Suisse, où de nombreuses autres langues que le français et l'allemand sont également parlées, ainsi qu'en tant que représentant du canton charnière qu'est le canton de Berne, je mettrai tout en oeuvre pour promouvoir le multilinguisme dans notre pays. La connaissance des langues est la clé de l'intégration sociale, économique et politique. Et il reste encore beaucoup à faire en la matière dans notre pays.

Aber der Hauptfokus in meinem Präsidialjahr ist auf die Jugend gerichtet. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, bin ich doch hier im Saal tatsächlich der älteste weisse Mann. Auf der Strasse politisieren Jugendliche, von der Strasse aus fordern sie lautstark die Regierung und uns heraus. Mit den Klimastreiks beweisen junge Menschen weltweit, dass sie sich unkompliziert organisieren und Druck erzeugen können. Sie tun dies bewusst ausserhalb politischer Institutionen. Das ist auf der einen Seite gut so; sie sollen politisieren. Aber auf der anderen Seite müssen wir unsere Jugend auch dazu bringen, dass sie sich nebst dem Demonstrieren auch engagiert. Wer etwas verändern, neu gestalten will in unserem Land, ist eingeladen, in unseren Institutionen mitzumachen. Was müssen wir, die etablierten Politiker, tun, damit unsere Botschaften für Jugendliche attraktiver werden? Oder müssen sie das gar nicht sein? Doch! Wir müssen besser zuhören, was uns junge Menschen zu sagen haben. Aber Demokratie fällt nicht vom Himmel: Sie muss jeden Tag neu erarbeitet, erkämpft werden.

Ich werde mein Präsidialjahr dazu nutzen, Jugendparlamente, Aktivitäten und Veranstaltungen zu besuchen und zu unterstützen, welche sich für die politische Bildung in unserem Land einsetzen. Ich will so viele junge Menschen wie möglich für unser Land, unsere Institutionen und unsere Demokratie begeistern. Das ist mein Wille.

Nun kommen wir zur Ratsarbeit - ich bin ja da, um den Rat zu präsidieren. Wir alle stehen mit der neuen Zusammensetzung des Ständerates vor einer grossen und wunderbaren, in der Geschichte einmaligen Aufgabe. Ich verspreche Ihnen, dass ich mein Bestes geben werde, damit wir unsere gemeinsame Identität und Stärke finden. Das Volk erwartet von uns, dass wir lösungs- und nicht problemorientiert handeln. Das wird meine Leitlinie sein.

Je m'en tiendrai aux habitudes en vigueur dans notre conseil, car ce sont elles qui font l'atmosphère unique qui lui est propre. Mais je comprends aussi qu'il n'est pas possible qu'un [PAGE 1007] groupe composé uniquement de nouveaux élus n'ait pas droit à la parole pendant toute une session.

Ich werde versuchen, ein Präsident zu sein, der nur hör- und sichtbar ist, wenn es nötig ist, der aber gleichzeitig dafür besorgt ist, dass die Geschäfte innert vernünftiger Zeit korrekt und fair beraten und entschieden werden, und der in angespannten Momenten mit einer Zwischenbemerkung für Entspannung oder Schmunzeln sorgt - dabei bitte ich Sie heute schon um Verzeihung, falls ich den richtigen Ton nicht gerade sofort finden sollte. Ich freue mich, mit Ihnen zusammen diese neue Zeit im Ständerat zu gestalten! (Beifall)

Wir hören nun das zweite Stück der Band Pegasus. Diese war - als Präsident darf ich mir jetzt erlauben, das zu sagen - unsere Schülerband in Biel. Wenn wir ab und zu Personalabende organisierten, konnten wir sie für wenig Geld engagieren. Heute ist das anders. Heute gehört sie zu den erfolgreichsten Bands unseres Landes. Ich freue mich, dass sie den Hit "Rise up" spielt. (Noah Veraguth, der Sänger von Pegasus, beglückwünscht den Präsidenten)

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