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Dittli Josef · Ständerat · 2019-12-05

Dittli Josef · Ständerat · Uri · FDP-Liberale Fraktion · 2019-12-05

Wortprotokoll

Die Axenstrasse ist Teil der A4 und liegt deshalb grundsätzlich in der Verantwortung des Bundes. Im [PAGE 1089] Tagesdurchschnitt wird sie von etwa 16[NB]000 Fahrzeugen befahren, in der Ferienzeit sind es bedeutend mehr. Vom 28.[NB]Juli bis zum 13. September 2019 und vom 2. Oktober bis zum 12. Oktober 2019 war die Axenstrasse zwischen Flüelen und Sisikon infolge eines Murganges und wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Die Gefahrenstelle ist dermassen anspruchsvoll, dass auch in Zukunft mit Sperrungen gerechnet werden muss. Diese Sperrungen waren insbesondere für die vielen Pendler, für das Gewerbe, für die Einwohner der Gemeinde Sisikon sowie für die Urner Wirtschaft eine grosse Belastung. Auch der regionale und nationale Personen- und Güterverkehr litt darunter.

Seit Jahrzehnten ist der Bund mit den beiden Kantonen Uri und Schwyz am Projekt "A4 Neue Axenstrasse", welches mit zwei Tunnels zwischen Brunnen und Flüelen die Axenstrasse sicherer machen und die Gemeinde Sisikon umfahren will. Dieses Projekt ist aber zurzeit durch Einsprachen blockiert. Bis der neue Axentunnel eine hoffentlich definitive Lösung bringt, dauert es noch viele Jahre. Aufgrund der noch hängigen Einsprachen ist auch völlig ungewiss, wann endlich mit dem Bau begonnen werden kann. Eine rasche bauliche Notlösung, welche den Durchgangsverkehr trotz der Gefahrenstelle ermöglicht, war und ist nicht möglich.

Vor diesem Hintergrund hatten die beiden Sperrungen einen regelrechten Aufschrei, insbesondere im Kanton Uri, zur Folge. Fünf Vorstösse wurden im Urner Landrat eingereicht, einer davon ist eine Standesinitiative, welche eine vorgezogene bauliche Lösung an der Gefahrenstelle am Axen fordert. Eine Petition mit 4133 Unterschriften - dies entspricht mehr als 10 Prozent der Urner Bevölkerung - kam in kürzester Zeit zustande. Die politischen Parteien forderten den Regierungsrat auf, sich für eine Übergangslösung einzusetzen. Diverse Leserbriefe in den Urner Zeitungen zeugen vom Unmut über die Situation am Axen. Auch aufgrund des politischen Drucks hat sich die Urner Regierung mit einem Brief an den Bund gewendet, mit der Bitte, beim laufenden Bewilligungsverfahren die hängigen Einsprachen rechtskonform, aber speditiv zu erledigen und die Plangenehmigung raschestmöglich zu erteilen. Gleichzeitig wurde der Bund gebeten, bauliche und betriebliche Lösungen für Notmassnahmen zu prüfen. Wie wir gestern den Medien entnehmen konnten, war letzte Woche eine Delegation der Kantone Uri und Schwyz beim ASTRA; ich komme nochmals darauf zurück.

Sie sehen, die Axenstrasse ist eine wichtige Verbindung. Die Ereignisse und die Sperrungen bewegen die Gemüter. Vor diesem Hintergrund habe ich gespannt auf die Antworten des Bundesrates zu meiner Interpellation gewartet. Mit den Antworten des Bundesrates bin ich teilweise zufrieden. Zu dieser Haltung bin ich gelangt, nachdem ich für mein Votum von heute auch noch Inputs der Gemeinde Sisikon und vom Landammann des Kantons Uri zu den Antworten des Bundesrates und zur Situation am Axen erhalten habe.

Beginnen möchte ich mit den Antworten auf die Fragen 1 und[NB]2. Hier kann ich zuerst gleich einmal Lob und Dank aussprechen. Das ASTRA, die beteiligten Instanzen von Bund und Kantonen und insbesondere die Firmen und vor allem die Arbeiter vor Ort haben einen Superjob gemacht: Sie haben bei schwierigsten Bedingungen die Gefahrenstelle gesichert, Alarmsysteme installiert und, so rasch es möglich war, die Befahrung der Gefahrenstelle wieder ermöglicht. Es wurde kein Aufwand gescheut, hier wurde tolle Arbeit geleistet. Das sieht auch der Gemeinderat von Sisikon; er sagt: "Das Engagement vonseiten des ASTRA sowie des Kantons Uri kann als vorbildlich bewertet werden." Vielen herzlichen Dank dafür!

Auch bei den nachfolgend getroffenen Massnahmen, insbesondere beim sich zurzeit im Bau befindenden Schutzwall, wird mit allen möglichen Mitteln dafür gesorgt, dass der Schutzgrad erhöht wird. Einen Kritikpunkt der Gemeinde Sisikon möchte ich aber dennoch festhalten: "Aus der Sicht des Gemeinderates dürfte jedoch ein solches Ereignis auf einer wichtigen Nord-Süd-Route nicht passieren. Hierzu hätte man vonseiten Bund/Kanton die Axenstrasse viel früher bewerten und sanieren sollen."

Bei der Antwort auf Frage 2 hätte ich noch erwartet, dass man aufzeigt, welche baulichen Massnahmen vor Ort man geprüft, aber nicht realisiert hat. So hätte man durchaus erwähnen können, dass man alle denkbaren Varianten geprüft hat, warum beispielsweise ein Nottunnel nicht infrage kommt oder warum eine Pontonbrücke, ähnlich wie am Lopper 2010, unverhältnismässig und nicht zielführend ist. Auch von der Gemeinde Sisikon gab es einen Kritikpunkt: "Das Angebot der Kurzarbeit ist leider nicht zufriedenstellend und reicht bei Weitem nicht aus, den Schaden zu decken oder nur ansatzweise zu minimieren. Selbstständige, welche keine Angestellten haben und den Betrieb selber führen, konnten beziehungsweise können hiervon nicht profitieren. Es sollte für die direkt betroffenen Betriebe eine gesonderte Entschädigung geben."

Bei den Antworten auf die Fragen 3 bis 5 sind wir alle froh zu erfahren, dass das geplante Projekt "A4 Neue Axenstrasse" diesem Naturereignis vom Juli im Bereich Gumpisch standgehalten hätte und dass folglich keine Anpassungen am Projekt notwendig sind. Das ist eine ganz erfreuliche Aussage, die wir gerne so zur Kenntnis nehmen.

Für mich weniger befriedigend sind die Antworten auf die Fragen 6 und 7. Hier geht es um die Baugenehmigung des Bundes für das Projekt "A4 Neue Axenstrasse" unter Berücksichtigung der noch hängigen Einsprachen und der damit verbundenen Verfahren. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Rückmeldung des Gemeinderates von Sisikon: "Die Glaubwürdigkeit des UVEK und dessen langatmiges Vorgehen lassen zu wünschen übrig und geben der Opposition noch mehr Substanz und Motivation. Nach unserem Wissensstand wurden aktuell keine weiteren Gespräche mit der Opposition geführt bezüglich der Einsprachen. Dies erscheint uns als zwingend notwendig und gerade jetzt zum Thema Sperrung auch angebracht."

Es ist auch mir klar, dass die Verfahren an Fristen gebunden sind und dass das allfällige Ausschöpfen aller rechtlichen Möglichkeiten über das Bundesverwaltungsgericht und dann auch noch über das Bundesgericht seine Zeit braucht. Die Antworten des Bundesrates auf die Fragen 6 und 7 sind allerdings nun etwas gar knapp und wenig aussagekräftig ausgefallen. Immerhin konnten wir gestern den Medien entnehmen, dass eine Delegation der Kantone Uri und Schwyz letzte Woche beim ASTRA war und in Erfahrung bringen konnte, dass mit der Plangenehmigungsverfügung des Projektes "A4 Neue Axenstrasse" - das Plangenehmigungsverfahren steht bekanntlich unter der Führung des UVEK - im ersten Quartal 2020 gerechnet werden kann. Doch bleibt ja den Gegnern immer noch der Rechtsweg vor das Bundesverwaltungsgericht offen und, wenn sie wollen, dann auch noch vor das Bundesgericht - und das dauert Jahre.

Für mich stellt sich deshalb nur eine Frage - vielleicht können Sie, Frau Bundesrätin, nachher etwas dazu sagen, vielleicht aber auch nicht -: Warum scheidet man beim vorgesehenen Projekt nicht einfach einen eigenständigen Perimeter Tunneleinfahrt Gumpisch aus, legt diesen raschestmöglich separat auf und baut ihn vorgezogen zum Gesamtprojekt? Wenn man die Begründung der Gegnerschaft des Projekts "A4 Neue Axenstrasse" studiert, kommt man relativ rasch zur Erkenntnis, dass diese kaum gegen die Realisierung eines vorgezogenen Perimeters am Gumpisch Einsprache erheben würde. Damit könnte die Sicherheit am Gumpisch schon viel früher erhöht werden, als wenn man mit der Realisierung des gesamten Projekts zuwartet.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Antwort auf Frage 8: Hier geht es darum, bei ähnlichen Ereignissen bis zur Eröffnung der neuen Axenstrasse besser gewappnet zu sein. Es werden im betroffenen Gebiet zurzeit ja Schutzmassnahmen getroffen: Sprengung von weiteren grossen Felsblöcken, Montage weiterer Steinschlag-Schutznetze usw. Zudem ist man eben am Bau des Ableitdammes. Das ist gut so. Der Gemeinderat von Sisikon streicht aber einen Punkt ganz besonders hervor. Ich zitiere ihn ein letztes Mal: "Die wichtigste Massnahme sollte sein, dass die Axenstrasse mit hoher Priorität auf allen Stufen behandelt wird. Neben den Naturgefahren ist das Verkehrsaufkommen für Sisikon längst nicht mehr tragbar. Kleinste Vorkommnisse auf der Axenstrasse führen zu grossen Staus. Als eine von wenigen Gemeinden oder gar als einzige Gemeinde in der Schweiz, in welcher eine [PAGE 1090] ungeschützte Nationalstrasse mitten durchs Dorf führt, halten wir fest: Es müssen hier schnellstmöglich Massnahmen getroffen werden." So hoffe ich nun, dass mit den getroffenen Massnahmen der Axen am Gumpisch sicherer geworden ist und dass es gelingt, das Projekt "A4 Neue Axenstrasse" baureif zu machen. Gleichzeitig hoffe ich, dass die Idee der vorgezogenen Realisierung eines Perimeters Tunneleinfahrt Gumpisch möglich wird und dass auch Lösungen zur Entlastung der Gemeinde Sisikon gefunden werden können.

Ich danke Ihnen, Frau Bundesrätin, für Ihre Bemühungen und auch für Ihr Statement zum Thema Axen.