Lohr Christian · Nationalrat · 2019-12-16
Lohr Christian · Nationalrat · Thurgau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2019-12-16
Wortprotokoll
Wir sprechen heute über ein Thema, das an oder eben dann sehr oft unter die Haut geht: Wir sprechen heute über das Thema Pflege. Die Pflege ist kein Mittel zum Zweck und dient dazu, Menschen zu unterstützen, die das Bedürfnis, die Notwendigkeit haben, unterstützt zu werden.
Ich werde an dieser Stelle meine Interessen offenlegen, wie es in unserem Rat üblich ist: Ich bin Dozent an mehreren Fachschulen für Pflegeberufe, habe regelmässig mit Studierenden Kontakt und weiss, was ihre Anliegen und ihre Perspektiven sind und auf was sie sich verlassen wollen.
Die Pflege-Initiative hat einige Punkte aufgenommen, die absolut berechtigt sind. Ich stehe aus mehreren Gründen dahinter, dies insbesondere, weil ich selber unser Pflegesystem in Anspruch nehme. Ich bin froh, dass es ein solches Pflegesystem gibt. Ich will dazu beitragen, dass dieses Pflegesystem in Zukunft noch besser und gerechter wird.
Die Pflege-Initiative, und da möchte ich jetzt sechs Punkte aufnehmen, hat berechtigte, sehr berechtigte Anliegen. Es geht darum, die Pflegequalität und die Patientensicherheit zu garantieren. Was heisst Pflegequalität? Das ist nicht nur ein dahergesagtes Wort. Das heisst ganz konkret, dass man als Patient, als Kunde oder als Klient - je nachdem, wie man das heute formuliert haben will - eine sichere, eine gute, eine fachkompetente Pflege mit Empathie erhält, eine Pflege, die zuverlässig ist und die immer wieder auf das eine zielt: die Lebensqualität eines Menschen zu erhalten und zu verbessern.
Die Ausbildung und auch die Weiterbildung müssen gefördert werden, damit wir mehr Berufseinsteigerinnen und -einsteiger haben. Es kann doch nicht sein, dass wir einem solch wichtigen Thema nicht die notwendige Gewichtung geben. Wir wollen in Zukunft nicht mit zu wenig Pflegepersonal dastehen. Wir haben das Thema ja heute schon ansatzweise, aber es wird noch schlimmer, wenn wir jetzt nicht reagieren, nicht handeln.
Es geht auch um die Anerkennung eigenverantwortlicher Pflegeleistungen. Wie oft wird in diesem Saal davon gesprochen, man solle eigenverantwortlicher sein? Immer wieder wird das postuliert, und hier, genau hier will man ansetzen und das eigenverantwortliche Handeln im Pflegeleistungsbereich aufnehmen.
Pflegeleistungen sollen auch angemessen abgegolten werden. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Der Pflegeberuf ist anspruchsvoll und herausfordernd. Man wird immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert, die einiges, nein, sehr viel abverlangen.
Es geht aber auch darum, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die bereits ausgebildeten Personen im Beruf zu behalten. Eine Quote von 46 Prozent von Berufsaustritten während der Zeit des Erwerbslebens ist meines Erachtens eine erschreckende Zahl, das macht mir Angst. Da muss man Gegensteuer geben.
Bei einem weiteren spezifischen Punkt möchte man Verbesserungen erzielen: die Schaffung eines Schutzes der Berufsbezeichnung. Es geht nämlich darum, dass die Qualitäten, die gezeigt werden, auch so qualifiziert und nach aussen auch so bezeichnet werden.
Ich möchte Ihnen daher beantragen, diese Initiative zur Annahme zu empfehlen. Ich beantrage dies auch aus einem ganz persönlichen Grund. Meine Grossmutter hat die Ausbildung zur Psychiatrieschwester gemacht und sich jahrelang hier im Kanton Bern dafür eingesetzt, dass die Menschen fair, gerecht und qualitativ gut behandelt werden. Eine meiner Grosstanten - ich höre gleich mit der Familiengeschichte auf - wirkte viele, viele Jahrzehnte als Diakonieschwester.
Ich weiss, dass sich die Zeiten geändert haben. Aber genau darum geht es hier. Wir müssen bei den Entwicklungen der Zeit mitgehen; wir müssen alles unternehmen, damit die Pflegeleistenden, damit die Pflegeberufe gestärkt werden.
In diesem Sinne bitte ich Sie, die Initiative zur Annahme zu empfehlen oder, sollten Sie sich nicht dazu durchringen können, uns zumindest dabei zu unterstützen, einen starken indirekten Gegenvorschlag durchzubringen.