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Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · 2019-12-17

Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-12-17

Wortprotokoll

Eine gute Gesundheitsversorgung hat einen wichtigen Stellenwert für unsere Gesellschaft. Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner hat im Wissen um eine sich zuspitzende Notlage die Initiative "für eine starke Pflege" lanciert. Dass die notwendigen Unterschriften innerhalb von nur acht Monaten zusammengekommen sind, zeigt, dass die Bevölkerung den dringenden Handlungsbedarf erkannt hat. Ebenso hat die SGK den dringenden Handlungsbedarf erkannt. Sie hat einen indirekten Gegenvorschlag erarbeitet. Damit erhalten wir nicht nur die Gelegenheit, dem Pflegeberuf unsere Wertschätzung auszudrücken, sondern vor allem, für eine qualitativ gute und ausreichende Versorgung in unserem Land zu sorgen.

In meinen Ausführungen fokussiere ich auf drei Punkte:

1.[NB]Dem Fachkräftemangel ist auch in Randregionen entgegenzuwirken. Als Bündner Nationalrätin kenne ich die besonderen Herausforderungen eines Bergkantons. In einer weitgehend ländlichen Region ist die Rekrutierung von Fachpersonen generell erschwert. Der Blick in unsere Stelleninserate bestätigt, wie verzweifelt die Betriebe nach Fachkräften im Pflegebereich suchen. Dies gilt sicherlich, das haben wir jetzt bereits mehrfach gehört, auch für andere Regionen unseres Landes. Eine gute und zugängliche Gesundheitsversorgung zählt zu den wesentlichen Aufgaben des Service public. Eine bedarfsorientierte, dezentrale Gesundheitsversorgung nimmt einen hohen Stellenwert ein. Besonders im Langzeitpflegebereich ist es schwierig, genügend qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen. Gleichzeitig - und das ist das Brisante daran - verlassen andere wegen fehlender Anerkennung oder wegen des zunehmenden Leistungsdrucks ihren Beruf sehr schnell wieder. Deshalb braucht es zwingend Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Ich unterstütze die Forderungen der Kommissionsminderheiten, eine "nurse-to-patient ratio" sowie einen verbindlichen Gesamtarbeitsvertrag einzuführen.

2.[NB]Die Aus- und Weiterbildung verbessern: Als Bildungspolitikerin kenne ich die Wichtigkeit der guten Qualität einer Aus- und Weiterbildung. Zurzeit werden nur etwa 43 Prozent des eigentlichen Bedarfs an Pflegefachpersonen ausgebildet. Strukturelle Hindernisse, um eine Aus- oder Weiterbildung in Angriff zu nehmen, sollten beseitigt werden. In Gesprächen mit jungen Leuten mit einem Abschluss als Fachangestellte Gesundheit oder Fachangestellte Betreuung erfahre ich oft, dass finanzielle Gründe sie daran hindern, die Ausbildung zur Pflegefachperson aufzunehmen. Der Ausbildungslohn von 1200 Franken reicht einfach nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Deshalb ist eine Ausbildungsoffensive mit der vorgeschlagenen finanziellen Unterstützung sehr zu begrüssen. Fraglich scheint mir jedoch die Befristung dieser Offensive auf acht Jahre.

3.[NB]Die Gleichstellung eines vorwiegend weiblichen Berufs: Der Pflegeberuf wird zu 90 Prozent von Frauen ausgeübt. Wie die meisten weiblich dominierten Berufe leidet auch er unter fehlender Wertschätzung. Es waren schon früh die Frauen, welche die Aufgaben der Fürsorge und Pflege übernahmen. Der Weg zur Professionalisierung war lang und steinig und ist noch immer nicht abgeschlossen. Denn noch immer üben die Pflegefachpersonen einen Hilfsberuf aus und brauchen den Segen des Arztes, bevor sie handeln können. Um sowohl mehr Frauen als auch Männer für einen Pflegeberuf zu gewinnen, sind neben den vorliegenden Massnahmen auch weitere flankierende Massnahmen nötig.

Ich komme zum Schluss: Ich unterstütze sowohl die Initiative als auch einen griffigen Gegenvorschlag mit den Minderheitsanträgen zu den Artikeln 25, 25a, 39, 39a und 39b, mit Ausnahme der Minderheit II (Moret). Dafür spreche ich mich aus. Denn nur damit schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass unsere Bevölkerung auch in Zukunft überall auf kompetente Pflegefachpersonen in genügender Zahl zählen kann!

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