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Feri Yvonne · Nationalrat · 2019-12-17

Feri Yvonne · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-12-17

Wortprotokoll

Die demografische Entwicklung in unserem Land zeigt, dass wir immer älter werden; dies leider nicht immer bei bester Gesundheit. Der Bedarf an pflegerischen Leistungen steigt deshalb massiv, darin sind sich alle Prognosen einig.

Was Pflegefachpersonen Tag für Tag leisten, ist beeindruckend. Mit einer hohen Fachlichkeit und viel Empathie pflegen sie ihre Patientinnen und Patienten zuhause, in Spitälern, in Psychiatrien sowie in Alters- und Pflegeheimen. Dabei sind sie für den Pflegeprozess verantwortlich, führen pflegerische Handlungen durch und sorgen immer auch für eine gute Koordination mit den anderen Fachpersonen, die sich um die betroffenen Menschen kümmern. Die Anforderungen an die Pflegefachleute steigen: Kürzere Spitalaufenthalte [PAGE 2302] und, damit verbunden, akutere Patientensituationen, Mehrfacherkrankungen bei älteren Menschen, chronische Krankheiten und Demenz sind Gründe für die zunehmende Komplexität in der Pflege.

Es ist die Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass Patientinnen und Patienten auch in Zukunft eine qualitativ gute pflegerische Versorgung erhalten. Dafür benötigt das Gesundheitswesen gut ausgebildetes Pflegepersonal in genügender Zahl. Aber auch die Berufsverweildauer ist tief; gemäss Schweizerischem Gesundheitsobservatorium steigen 46 Prozent der Ausgebildeten aus dem Beruf aus. Um die pflegerische Versorgung zu sichern, braucht es also einerseits möglichst gute Rahmenbedingungen, damit die Ausgebildeten im Beruf bleiben, und andererseits Investitionen in die Ausbildung, damit Interessierte die Pflegefachausbildung absolvieren. Wenn wir jetzt nicht handeln, verschärft sich der Pflegenotstand.

Ein Pflegenotstand trifft vulnerable Gruppen immer besonders. Mit verletzlichen Gruppen meine ich Kinder mit schweren Einschränkungen, chronisch Erkrankte, betagte Menschen, Menschen mit Mehrfacherkrankungen, isoliert lebende Menschen. Sie sind alle auf regelmässige und gute Pflege angewiesen, haben aber teilweise einen eingeschränkten Zugang zu ihren Bedürfnissen entsprechenden Pflegeleistungen, unter anderem aus finanziellen und organisatorischen Gründen. Häufige Wechsel bei den Pflegefachpersonen, die sie betreuen, können für sie besonders zermürbend sein. Menschen mit komplexen Mehrfacherkrankungen sind darauf angewiesen, dass die Absprache zwischen den involvierten Fachpersonen einwandfrei funktioniert. Für diese dringend nötige Koordination brauchen Pflegefachpersonen Zeit - Zeit, die ihnen heute auch aufgrund des Personalmangels fehlt.

In seiner Pflege-Initiative zeigt uns der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner auf, mit welchen Massnahmen die Pflege gestärkt werden kann. Diese wurden hier bereits mehrfach erwähnt. Deshalb kann ich auf ihre Erwähnung verzichten.

Unsere SGK hat einen Gegenvorschlag zur Pflege-Initiative erarbeitet, weil sie mit der Verankerung der Förderung einer bestimmten Berufsgruppe nicht einverstanden ist, der Handlungsbedarf in der Pflege jedoch unbestrittene Tatsache ist. Unsere Kommission will die Pflege vor allem durch Aus- und Weiterbildung von Pflegefachpersonen stärken. Die in der Pflege-Initiative geforderte direkte Abrechnungsberechtigung für bestimmte Leistungen will unsere Kommission nur bedingt aufnehmen. Auch will sie die Verantwortung für anforderungsgerechte Arbeitsbedingungen, eine bedarfsgerechte und sichere Personalausstattung und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten ausschliesslich bei den Betrieben belassen. Ob mit dieser Light-Version der Pflegenotstand behoben werden kann, ist fraglich.

Ich rufe Sie deshalb auf, beide Vorlagen zu unterstützen, mit klarer Priorisierung der Pflege-Initiative, und damit eine wichtige Voraussetzung für eine qualitativ hochstehende, für alle zugängliche Pflege zu schaffen.