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Wicki Hans · Ständerat · 2020-05-06

Wicki Hans · Ständerat · Nidwalden · FDP-Liberale Fraktion · 2020-05-06

Wortprotokoll

Ich entschuldige mich: Selbstverständlich möchte ich Ihnen ja nicht das Wort entziehen, Herr Bundesrat, doch ich möchte noch etwas zu meinen Kolleginnen und Kollegen sagen.

Mein Kollege Beat Rieder hat es Ihnen bereits gesagt, und auch ich muss es Ihnen wirklich unmissverständlich mitteilen: Der Tourismus in der Schweiz ist tot. Ich weiss, wovon ich spreche. Als Präsident der Bergbahnen Titlis und als Präsident von Seilbahnen Schweiz kann ich Ihnen bestätigen, dass zurzeit sämtliche Unternehmen, die touristisch engagiert sind, nicht nur einen Lockdown erfahren, sondern schlicht nichts zu tun haben. Da ist nicht von einem Minderumsatz die Rede, sondern von keinem Umsatz. Ich sage dies einfach, damit Sie die Situation kennen, wenn wir heute darüber sprechen, ob wir jemanden unterstützen sollen.

Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass der Schweizer Tourismus in den letzten Jahren sehr erfolgreich agiert hat, wobei er zu 60 Prozent - zu 60 Prozent! - vom Ausland profitieren konnte. Es kommen also 60 Prozent des Umsatzes von ausländischen Konsumenten und 40 Prozent von den inländischen.

Ich muss Ihnen leider sagen, dass der internationale Tourismus in diesem Jahr nicht stattfinden wird. Damit kommt es also schon zu einem Minus von 60 Prozent. Wir gehen davon aus, dass im nächsten Jahr vielleicht 50 Prozent wieder zurückkommen; doch dann sind wir gut gewesen. Zudem gehen wir davon aus, dass im Jahr 2022 vielleicht 80 Prozent wieder zurückkommen. Somit werden wir vermutlich erst im Jahr 2023 oder im Jahr 2024 wieder auf dem Niveau der Jahre 2018 und 2019 sein.

Jetzt können Sie natürlich sagen, es sei klar, dass die Schweizer das kompensieren könnten. Ich muss Sie leider enttäuschen. So viele Schweizer können wir gar nicht produzieren, die das jetzt kompensieren könnten. Aber es wird sicher helfen, wenn die Schweizer ihre Ferien jetzt vornehmlich in der Schweiz verbringen. Das wird den Unternehmen sehr helfen.

Wie machen wir das? Alle Schweizerinnen und Schweizer sagen sich: "Eigentlich wollte ich nach Italien, aber da kann ich jetzt nicht hin. Wo soll ich jetzt hin?" Jetzt kommt genau das Programm zum Tragen, das Sie oder der Nationalrat jetzt kürzen wollen. Schweiz Tourismus hat mit dem Schweizerischen Tourismusverband ein Recovery-Programm erstellt, das in diesem Jahr bereits Marketingmassnahmen vorsieht, um die Menschen in der Schweiz über mögliche Feriendestinationen zu informieren und dadurch auch die Ströme etwas zu lenken. Ansonsten gehen ja alle Schweizerinnen und Schweizer an jene Orte, die man allgemein kennt. Dort gibt es dann Menschenansammlungen grösseren Ausmasses. Nun besteht also ein Recovery-Programm, das kurzfristig auf die Beine gestellt wurde, kurzfristig mit den jeweiligen Partnern vereinbart wurde, aber selbstverständlich überhaupt nicht finanziert ist. Jetzt kommen wir zum Problem Finanzierung, und aus diesem Grund braucht es eben das Notrecht. Wir müssen heute dieses Recovery-Programm lancieren können, damit bereits im Juni die entsprechenden Marketingmassnahmen zum Laufen kommen, und die müssen bezahlt werden. Aber es ist gar kein Geld da, Sie haben es [PAGE 258] gehört. Ich komme später noch einmal darauf, wie es finanziert ist.

Der zweite Punkt ist: Wenn wir nächstes Jahr diesen Anteil internationaler Gäste am Gesamtvolumen von 50 Prozent wiederhaben möchten, braucht es jetzt, so ist halt das System, die entsprechenden Vereinbarungen mit den internationalen Tour Operators, mit den internationalen Werbeplattformen, die nächstes Jahr Werbung lancieren können. Letztere muss aber in diesem Jahr vereinbart und bezahlt werden. Aber ich habe es gesagt: Ein grosser Teil wird in diesem Jahr eben auch in der Schweiz in die Werbung fliessen und entsprechend auch in die Produkte der Tourismusregionen.

Jetzt sind wir bei diesen Finanzierungsfragen; es geht um 27 Millionen Franken Differenz, Kollege Rieder hat es gesagt. Das sind Gelder, die jetzt aus den Regionen kommen müssten, aber nicht kommen. Wieso nicht? Alle Hotels sind leer, keine Tourismusabgaben usw. Die Regionen haben gar kein Geld, das sie überweisen könnten. Sie entlasten also mit diesen 27 Millionen eigentlich unsere eigenen Tourismusregionen und nicht Red Bull oder wen auch immer. Wenn ich in die Vergangenheit blicke und die Aussage überprüfe, wir würden damit Gelder von Red Bull und UBS und von wem auch immer ersetzen, muss ich feststellen: Ja, in den letzten Jahren gab es das! In den letzten Jahren gab es durchaus Grossanlässe, die dann auch noch von Red Bull, UBS usw. mitfinanziert wurden. Aber wir sprechen jetzt über ein Recovery-Programm, das kurzfristig erstellt wurde und überhaupt nicht finanziert ist. Wer glaubt, dass diese Sponsoren jetzt auch noch diese Programme finanzieren und in Kauf nehmen, dass sie dann ihre eigenen Probleme nicht finanzieren können, der ist irgendwo im falschen Film.

Der zweite Punkt sind die 40 Millionen Franken, die für Schweiz Tourismus vorgesehen sind. Schweiz Tourismus wird damit die Förderung des Tourismus in den drei Jahren zwischen 2020 und 2022 hoffentlich ebenso erfolgreich gestalten wie in den letzten zehn Jahren. Wir haben es gesagt: In diesem Jahr ist ein grosser Teil für Marketingmassnahmen in der Schweiz vorgesehen, damit die Schweizerinnen und Schweizer neue Ferien- und Tourismusdestinationen entdecken und auf diese Weise etwas in der Schweiz verteilt werden. Aber eben, es müssen auch in diesem Jahr bereits schon für 2021 Marketingmassnahmen ausgelöst werden, die dann 2021 zum Tragen kommen.

Wir dürfen uns nicht wundern, wenn 2021 keine internationalen Gäste kommen. Bei diesen müssen wir uns in Erinnerung rufen und ihnen sagen, dass es uns ja auch noch gibt, sonst machen es alle unsere Konkurrenten, worunter am Schluss Schweiz Tourismus leidet.

Mit diesen 67 Millionen Franken unterstützen wir ein wichtiges Standbein unserer Wirtschaft. Wir unterstützen Hotels, Restaurants, den öffentlichen Verkehr, Seilbahnen, Seilparks, Campingplätze usw. Wir unterstützen aber auch die Bergregionen, die nicht von UBS und Red Bull leben, sondern grossmehrheitlich vom Tourismus.

Ich bitte Sie: Zeigen wir Flagge, und zeigen wir, dass es uns mit der Unterstützung des Tourismus ernst ist! Deshalb beantrage ich, an den 67 Millionen Franken festzuhalten.