Schneider Schüttel Ursula · Nationalrat · 2020-09-10
Schneider Schüttel Ursula · Nationalrat · Freiburg · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-09-10
Wortprotokoll
Seit geraumer Zeit verfolge ich das Thema von Plastik, das in der Umwelt landet. Bilder von Plastikansammlungen in unseren Weltmeeren, so gross wie Inseln, lösen Entsetzen aus - ich hoffe, nicht nur bei mir. Sicher kennen auch Sie die Bilder von qualvoll verendenden Tieren mit Plastik im Magen oder verheddert in Plastikabfall. Das ist der sichtbare Teil. Es gibt aber auch das unsichtbare Mikroplastik, das namentlich durch die Zersetzung von Plastikabfällen in der Umwelt entsteht. Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind.
Mikroplastik in Böden und Gewässern aufgrund von Littering und daraufhin verwitternden Plastikgegenständen, Plastikfolien usw. ist die eine Seite der Problematik, die bereits gut bekannt ist und wogegen Massnahmen diskutiert werden. Wenig bekannt ist hingegen, dass der grösste Anteil von Mikroplastik in der Umwelt vom Abrieb von Autoreifen stammt. Aufgrund seiner Eigenschaften, es ist ein synthetisches organisches Material mit sehr schlechter Abbaubarkeit, wird Pneuabrieb ebenfalls zum Mikroplastik gezählt; man spricht aber auch von Mikrogummi.
Eine Studie der Empa, die im November 2019, also nach Einreichen meines Postulates, erschienen ist, legt dar, dass sich in der Schweiz über die letzten 30 Jahre rund 200[NB]000 Tonnen Mikrogummi in unserer Umwelt angesammelt haben. Hauptquelle sind gemäss Empa Auto- und Lastwagenreifen. Wohlverstanden, ich will hier nicht die Autoreifen oder die Autofahrenden verteufeln; es geht mir vielmehr darum, dass wir uns heute mit der Frage auseinandersetzen, wie wir diesen schädlichen Eintrag in die Umwelt durch Reifenabrieb verhindern oder vermindern können. Das könnte einerseits an der Quelle, bei den Reifen, passieren, oder es kann verhindert werden, dass es sich in Böden und Wasser verteilt.
Auf den Schweizer Nationalstrassen wird ein Teil des Mikroplastiks in den Strassenabwasserbehandlungsanlagen, den sogenannten Saba, eliminiert. Auf den vielen Kantons- und Gemeindestrassen entstehen jedoch ebenfalls Massen an Mikroteilchen, die über Strassenbankette abfliessen oder über die Luft in die Umwelt verteilt werden. Ich möchte daher mit meinem Postulat einen Bericht in Auftrag geben, in welchem der Bundesrat aufzeigen kann, welche Massnahmen und Mittel nötig und möglich wären, um diese Umweltbeeinträchtigung so gut wie möglich zu vermindern.
Ich bitte Sie um Zustimmung zu diesem Postulat, das der Bundesrat ebenfalls zur Annahme empfohlen hat.