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Marti Min Li · Nationalrat · 2020-09-10

Marti Min Li · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-09-10

Wortprotokoll

Nach dem freudigen Ereignis folgt das unschöne Erwachen - so geht es rund 10 Prozent der Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub. Sie kehren zurück an den Arbeitsplatz und erhalten als Erstes die Kündigung. Diese Fälle sind real, und Gleichstellungsbüros und Beratungsstellen sprechen sogar davon, dass sich diese Fälle häufen. Man kann hier auch davon ausgehen, dass die reale Quote höher sein wird, denn viele Begründungen sind vorgeschoben; es werden wirtschaftliche oder organisatorische Gründe genannt.

Die Frauen werden also gegen ihren Willen aus dem Arbeitsmarkt gedrängt. Aus Studien wissen wir, dass es Mütter und gerade frischgebackene Mütter bei der Stellensuche schwerer haben als andere. Die Gründe sind die gleichen wie die, warum sie den Job verloren haben: Die Arbeitgeber glauben, dass die Mütter weniger flexibel sind, häufiger fehlen werden und ihre Prioritäten nicht bei der Arbeit liegen. Studien zeigen ebenso, dass die Lohnungleichheit zulasten der Frauen ab der Geburt des ersten Kindes zunimmt. Mütter tragen nach einer Geburt also das grössere Risiko und die grösseren Kosten. Bei Vätern hingegen, das zeigen Studien ebenso, sind Kinder karriereförderlich; sie verdienen mehr, und sie steigen auf. Viele Frauen landen ungewollt in der Sackgasse. Dabei sollte klar sein, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Sorge für die Familie eine gemeinsame Aufgabe und Verantwortung von Müttern und Vätern sein muss. [PAGE 1399] Die Vor- und Nachteile einer Familiengründung müssen geteilt und gemeinsam erlebt werden.

Die parlamentarische Initiative Reynard will den Kündigungsschutz nach der Niederkunft auf 32 Wochen verlängern. In den meisten Nachbarländern gibt es längere Fristen, als wir sie heute kennen. Das entspricht auch der Realität, denn viele Mütter kehren nicht nach 14 Wochen an den Arbeitsplatz zurück, sondern nehmen noch eine längere, notabene unbezahlte Pause.

Die Mehrheit der Kommission anerkennt zwar, dass es Schwierigkeiten gibt, will aber real nichts tun. Für die Minderheit ist klar: Der Handlungsbedarf ist gegeben, und er ist dringlich. Wir müssen hier etwas tun.

Ich bitte Sie daher, die parlamentarische Initiative Reynard zu unterstützen.