Lexipedia

Meyer Mattea · Nationalrat · 2020-09-15

Meyer Mattea · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-09-15

Wortprotokoll

Als meine kleine Tochter auf die Welt kam, lag da ein Baby auf der Neonatologie, das in der 28.[NB]Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen war, viel zu früh, inmitten all dieser Schläuche und nur überlebensfähig, weil es diese gute Spitalversorgung gibt. Die Mutter hat dieses kleine Kind jeden Tag besucht und war für das Kind da. Glauben Sie mir: In diesem Moment hat eine Mutter, haben Eltern ganz andere Sorgen, als sich darum zu kümmern, wie das Leben weitergeht, wenn man das Kind dann endlich nachhause nehmen kann.

Frühgeborene werden in der Regel erst dann nachhause gehen können, wenn der errechnete Geburtstermin kommt. In einem Fall wie dem geschilderten, in welchem das Kind in der 28. Woche auf die Welt kommt, würde das bedeuten, dass die Mutter, nachdem sie das Kind hat nachhause nehmen können, zuhause lediglich noch drei bis vier Wochen mit dem Kind zur Verfügung hätte, um sich an das Leben als Familie gewöhnen zu können. In dieser schwierigen Situation sollten wir nicht sagen: Tant pis, ihr müsst halt selber mit euren Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern schauen. Das ist nicht die Antwort, die wir diesen Eltern geben sollten. Ja, heute kann man einen Aufschub beantragen. Nur bedeutet das, dass man dann mindestens acht Wochen lang keine [PAGE 1512] Einkünfte hat. Das können sich ganz viele Eltern schlichtweg nicht leisten.

Wir reden hier von rund 1300 Kindern pro Jahr, die zu früh oder aber krank auf die Welt kommen und in den ersten Wochen in Spitalpflege bleiben müssen. Wir reden hier von einem Betrag von 6 Millionen Franken pro Jahr. Geschätzte Kollegin Schläpfer, hier können wir nicht von Sparen reden, sondern die Frage ist: Wollen wir es diesen Müttern, wollen wir es diesen Eltern ermöglichen, dass sie die erste Zeit mit ihrem Kind, das einen wirklich schwierigen Start ins Leben hatte, zuhause verbringen können, wie alle anderen Eltern auch?

In diesem Sinne bitte ich Sie, dieser Vorlage zuzustimmen. Die SP-Fraktion wird zum Minderheitsantrag Porchet gespalten stimmen. Wichtig ist, dass diese Regelung von zwei Wochen durchkommt, dass den Müttern aller Kinder, die länger als zwei Wochen in Spitalpflege bleiben müssen, ein längerer Mutterschaftsurlaub gewährt wird.