Feri Yvonne · Nationalrat · 2020-10-29
Feri Yvonne · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-10-29
Wortprotokoll
Verschiedene Studien der letzten zwei Jahre - Pisa, EU Kids Online, James - zeigen alle das gleiche Bild: Mobbing und Cybermobbing unter Kindern und Jugendlichen nehmen in der Schweiz weiter zu. Gemäss der letzten Pisa-Studie belegt die Schweiz im europäischen Umfeld dabei einen unrühmlichen Spitzenplatz. Der Bund muss deshalb handeln. Gemäss der letztjährigen EU-Kids-Online-Studie sind in der Schweiz über 30[NB]000 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 16 Jahren wiederholt von Cybermobbing betroffen und 42[NB]000 von Mobbing von Angesicht zu Angesicht.
Mobbing - egal in welcher Form - hat dabei sowohl für die Opfer als auch für die Täterinnen und Täter negative Folgen. So haben Täterinnen und Täter oft Probleme in der Bildungslaufbahn und ein erhöhtes Risiko für Suchtmittelmissbrauch; die Opfer leiden unter psychischen und psychosomatischen Beschwerden. In schweren Fällen besteht für die Opfer eine erhöhte Suizidgefahr, und die Nachwirkungen können bis ins Erwachsenenalter hineinreichen.
Geschieht Mobbing auf Social Media, gibt es für die betroffenen Kinder und Jugendlichen keinen sicheren Rückzugsort mehr, sie sind den Angriffen auch zuhause im eigenen Zimmer Tag und Nacht ausgesetzt. Diese Realität ist für jene Generationen, die nicht mit sozialen Medien aufgewachsen sind, schwer zu erfassen, aber sie ist eine Tatsache. Es gilt, die Kinder mit diesem gravierenden Problem nicht alleine zu lassen!
Der Bundesrat hat in seinem Bericht "Zukünftige Ausgestaltung des Kinder- und Jugendmedienschutzes der Schweiz" von 2015 als mögliche Massnahme "regelmässige und öffentlichkeitswirksame Aufklärungs- und Präventionskampagnen für Kinder, Jugendliche und Erziehende zu spezifischen Risiken im Umgang mit digitalen Medien, z. B. Cybermobbing" vorgeschlagen. Da immer mehr Kinder und Jugendliche von Mobbing betroffen sind und der Bundesrat noch nicht gehandelt hat, braucht es diese Massnahmen nun dringend - deshalb nimmt der Bundesrat diese Motion auch entgegen. Eine nationale Kampagne kann viel dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche für die negativen Folgen von Mobbing und Cybermobbing sensibilisiert und dass ihnen mögliche strafrechtliche Konsequenzen aufgezeigt werden. Im Sinne einer Täterinnen- und Täterprävention soll die Kampagne [PAGE 2025] insbesondere auf die Täterinnen und Täter sowie die Zuschauenden fokussieren.
Wichtig ist dabei, die Jugendlichen eben genau dort zu erreichen, wo sie täglich zu Opfern werden: auf den sozialen Medien. Natürlich ist diese Kampagne nur eine von vielen weiteren Massnahmen. Insbesondere braucht es endlich einen eigenen Straftatbestand zu Cybermobbing sowie die feste Verankerung von Anti-Mobbing-Programmen an den Schulen. Das dauert aber alles einige Zeit.[GZ]
Ich bitte Sie daher, meine Motion anzunehmen.