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Z'graggen Heidi · Ständerat · 2020-12-01

Z'graggen Heidi · Ständerat · Uri · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2020-12-01

Wortprotokoll

Der Entscheid zur Änderung des Geschlechtseintrags ist ein lebensbestimmender Entscheid, ein höchst persönlicher, ein sehr intimer Entscheid eines Menschen. Es ist einfach, wenn wir diese Frage in unserem Leben nicht gestellt bekommen. Aber das Schicksal meint es mit einigen Menschen anders und stellt sie vor die Frage, ob sie ihre Identität nur mit einer Änderung des Geschlechtseintrags leben können. Dem Entscheid geht für die betroffenen Jugendlichen und das Umfeld ein jahrelanger, oft belastender und sicher sehr anspruchsvoller Prozess zu einer so wichtigen und lebensbestimmenden Frage voraus. Im Alltag haben sie längst die Rolle gewechselt. Sie leben ganz entsprechend ihrer Geschlechtsidentität.

In der Schweiz, und darüber bin ich sehr glücklich, werden diese Jugendlichen begleitet von den Eltern und vielen Fachpersonen, meist wohlwollend und unterstützend. Genau diese Fachpersonen, die sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen, bitten uns eindringlich, Absatz 4 von Artikel 30b des Entwurfes zu streichen, um diesen höchst persönlichen Entscheid die Betroffenen selber fällen zu lassen. Es sind sehr wenige Jugendliche davon betroffen. In den meisten Fällen begleiten die Eltern diese auch, aber es gibt eben auch Fälle, wo vielleicht ein Elternteil sich dagegen wehrt und der oder dem Betroffenen die Wahrnehmung dieses Rechts auf Änderung des Geschlechtseintrags nicht zugestehen will, aus welchen Gründen auch immer. Wir muten jetzt diesen Jugendlichen, wenn ein Elternteil z. B. nicht einverstanden ist, einen Instanzenzug via Kesb oder sogar via Gericht zu. Wir muten ihnen also ein traumatisierendes Rechtsverfahren[NB]gegen[NB]die[NB]eigenen Eltern, den Vater, die Mutter, die sie lieben, zu, nicht aber die Bestimmung über das eigene Geschlecht.

Das eigene Geschlecht zu kennen, das ist nicht ein Wunsch, es ist ein Teil der Identität. Haben Sie gewusst, dass ein Kind bereits sehr früh weiss, meist schon im Kindergartenalter, dass es ein Mädchen und nicht ein Bub bzw. ein Bub und nicht ein Mädchen ist? Sehr viele warten sehr viele Jahre oder sogar Jahrzehnte darauf, ihre Geschlechtsidentität zu leben, weil sie Angst haben vor Zurückweisung durch andere, durch die Gesellschaft, nicht deshalb, weil sie sich nicht sicher wären, welches ihr Geschlecht ist.

Ich bitte Sie, der Mehrheit zu folgen und Absatz 4 von Artikel 30b zu streichen.