Germann Hannes · Ständerat · 2020-12-08
Germann Hannes · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-12-08
Wortprotokoll
Ich danke für die offene Debatte. Sie ist so, wie wir sie eigentlich auch in der Kommission geführt haben. Es gibt natürlich tatsächlich alles, Für und Wider. Wir sind in einem ganz schwierigen Umfeld, in einem Spannungsfeld.
Ich ergreife das Wort, weil die Eltern angesprochen worden sind. Ja, es ist der Kommission selbstverständlich auch klar, dass die Eltern eine wichtige Rolle spielen. Eigentlich hat es aber auch Herr Müller erwähnt, obwohl er sich dagegen ausgesprochen hat: Die Eltern sind natürlich ein wichtiger Part, sie können aber auch das Problem sein. Vielleicht sind sie es auch hie und da, weil sie zu oft wegschauen oder weil sie zu grossen Druck aufbauen und gar nicht wissen wollen, was läuft. Sie müssen wissen, dass die Athletinnen dann, wenn sie im Intensivtraining sind, nicht täglich zuhause sind. Das Feedback hat man halt nicht immer. Dieses Spannungsfeld zwischen Eltern und Kindern bleibt natürlich.
Wir reden aber nicht nur von Kindern. Wir reden primär von Athletinnen und Athleten. Die Athletinnen können junge Mädchen sein, es können aber auch junge Frauen oder Frauen sein, wie es bei den Männern jugendliche oder erwachsene Spitzensportler sein können.
Diesen Widerspruch bzw. dieses gesamte Spannungsfeld können wir natürlich nicht ändern, das ist natürlich so.
Noch eine Randbemerkung auf die Hinweise zu den Hundekursen: Ich weiss nicht, ob es letztlich eine gute Idee gewesen ist, das so schnell wieder abzuschaffen, wo doch die Zahl der Bissunfälle dramatisch zunimmt. Ich wäre da etwas vorsichtig. Zum Pferdesport, den auch ich liebe und mag - bei uns zuhause reiten alle -, noch dies: Ich bin manchmal froh, dass die Pferde an diesen Anlässen nicht sprechen können. Wir würden wahrscheinlich ob dem erschrecken, was das eine oder andere Pferd zu erzählen hätte. Das nur eine kleine Randbemerkung. Auch dort hat der Spitzensport eben seinen Preis.
Es ist jetzt noch die Frage aufgeworfen worden, wer zahle oder wer zuständig sei. So explizit hat die Kommission die Diskussion nicht geführt. Wir haben aber bewusst Offenheit signalisiert, auch mit Swiss Olympic zusammenzukommen und Lösungen zu entwickeln, wie sich eine solche Ombudsstelle sinnvollerweise aufbauen liesse. Hier sollte man sich, denke ich, wirklich finden können. Es ist nämlich ganz richtig, was Frau Graf gesagt hat: Wir von der Eidgenossenschaft stehen sehr wohl auch in der Verantwortung. Wir geben Geld aus, viel Geld, und sind stolz, dass wir Magglingen haben. Wir sind dann aber nicht stolz, wenn sich dort Dinge ereignen, die weder Magglingen noch sonst jemand von uns will. Darum haben wir diese Möglichkeit geschaffen.
Sehen Sie, noch etwas: Wenn man sich bei der Spitze des Verbands oder bei der Meldestelle beschwert, wird das zurückgespielt, sodass als Nächstes der Athlet oder die Athletin dann nicht mehr Mitglied des Kaders ist oder er oder sie zwar beim Training anwesend sein darf, aber keines Blickes mehr gewürdigt wird usw. Solches kann sich eben auch abspielen. Daher ist, meine ich, eine gewisse Unabhängigkeit nicht nur wünschbar, sondern geradezu notwendig.
Weil wir in der Kommission diesen Handlungsbedarf sehen und wir anerkennen, dass unsererseits auch Verantwortung zu tragen ist, und weil wir gegenüber der Einrichtung dieser Institution offen eingestellt sind, wäre es richtig, diese Motion jetzt anzunehmen. Denken Sie einfach daran, welches Signal wir senden würden, wenn wir das ablehnen würden.