Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · 2020-12-10
Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-12-10
Wortprotokoll
Unsere Kommission hat sich mit den jüngsten Vorwürfen gegen den Schweizerischen Turnverband und die Trainingsmethoden in Magglingen befasst. Die WBK hat mit 17 zu 7 Stimmen bei 1 Enthaltung beschlossen, die Motion ihrer Schwesterkommission durch das Einreichen einer gleichlautenden Motion zu unterstützen. Darin wird der Bundesrat beauftragt, eine nationale Anlaufstelle aufzubauen, bei der sich Athletinnen und Athleten unter Wahrung ihres Persönlichkeitsschutzes bei jeglichen Missständen im Bereich Sport melden können, sei dies bei physischer, psychischer oder auch sexueller Gewalt, Mobbing oder Machtmissbrauch.
Weshalb braucht es diese Motion? Verschiedene Medienberichte von jungen ehemaligen Spitzensportlerinnen der rhythmischen Gymnastik und des Kunstturnens erschüttern. Die ethischen Vorwürfe sind schwerwiegend und erfordern professionelles Vorgehen. Sie zeigen ein Bild eines schon seit Jahrzehnten andauernden, systematischen psychischen und [PAGE 2439] physischen Drucks. Athletinnen und Athleten bewegen sich oft in einem Abhängigkeitsverhältnis und sind dadurch spezifischen Risiken für Machtmissbrauch ausgesetzt. Gerade Kinder und Jugendliche begeben sich im Training in die Obhut von Trainerinnen und Trainern und damit in die Verantwortung von Verbänden und Vereinen. Die Vorwürfe sind bekannt. Das BASPO wurde bereits mehrfach aktiv, und auch der Schweizerische Turnverband zog und zieht Konsequenzen. Doch etwas ist klar: Es fehlen ganz offensichtlich Instrumente und Strukturen, welche einen Wandel ermöglichen. Mit der vorliegenden Motion soll ein solches Instrument geschaffen werden.
Wie soll eine solche Meldestelle aufgebaut sein? Gemäss Artikel 18 des Sportförderungsgesetzes steht der Bund für Fairness und Sicherheit im Sport. Dieser Artikel kann als Grundlage für eine Meldestelle betrachtet werden. Auch die Forderung nach einer solchen Stelle ist alles andere als neu. Um den Abhängigkeiten im Spitzensport entgegenzuwirken, kann die Unabhängigkeit einer solchen Anlaufstelle nicht genug betont werden. Zudem sollte sie Vertraulichkeit garantieren, national angesiedelt sein, und es sollte eine genaue Definition der Meldeabläufe geben. Dafür muss die Anlaufstelle über eigene Kompetenzen verfügen. Für Kinder und Jugendliche muss sie niederschwellig erreichbar sein. Sie sollte allen Sportarten, allen Interessengruppen - Athletinnen und Athleten, Betreuungspersonal, Eltern usw. - zur Verfügung stehen.
Der Spitzensport bewegt sich immer auf einer Gratwanderung. Die Errichtung einer solchen Meldestelle ist ein Puzzleteil. Klar ist, dass das Thema der fragwürdigen Trainingsmethoden eine umfassendere Betrachtung braucht. Die Meldestelle soll Teil eines ganzheitlichen Schutzkonzeptes sein. Die neuen Prinzipien der Ethik-Charta für einen gesunden, respektvollen und fairen Sport sind eine unmissverständliche Grundlage gegen jede Form von Missbrauch im Sport. Deshalb muss auch dringend geklärt werden, wie und wer für die Einhaltung der Ethik-Charta von Swiss Olympic verantwortlich ist, denn ganz offensichtlich bestehen Mängel in der Kontrolle dieser Charta und der Rechenschaftspflicht.
Ich komme zum Schluss: Mit Ihrer Zustimmung tragen Sie dazu bei, mit einer besseren Präventionsmassnahme dem Missbrauch im Sport noch stärker entgegenzutreten. Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung.