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Graf-Litscher Edith · Nationalrat · 2020-12-14

Graf-Litscher Edith · Nationalrat · Thurgau · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-12-14

Wortprotokoll

Antibiotikaresistenzen sind ein weltweites Problem. Sie gehen mit einer erhöhten Sterblichkeit und mit immensen Kostenfolgen für das Gesundheitswesen einher. Die Komplementärmedizin bietet Möglichkeiten, den Einsatz von Antibiotika sowohl in der Human- wie auch in der Veterinärmedizin zu reduzieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deshalb in diesem Jahr zum wiederholten Mal zur Antibiotics Awareness Week aufgerufen, welche im November stattfand. Laut dem kürzlich publizierten Swiss Antibiotic Resistance Report 2020 ist der Antibiotikaverbrauch im ambulanten und stationären Bereich stabil. Das Potenzial zur Senkung des Antibiotikaverbrauchs bleibt also hoch.

Erfreulich ist, dass in der Veterinärmedizin weniger Antibiotika eingesetzt werden als früher. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass Ärztinnen und Ärzte mit einer Weiterbildung in Komplementärmedizin deutlich weniger Antibiotika verschreiben als ihre konventionell tätigen Kolleginnen und Kollegen. Dies zeigt zum Beispiel eine Auswertung von Sasis-Daten, der Branchenstatistik von medizinischen Leistungen. Kometian - die komplementäre Tiermedizin - ist ein konkretes Beispiel, wie der Antibiotika-Einsatz in der Tiermedizin mit Komplementärarzneimitteln erfolgreich reduziert werden kann.

Der Bundesrat schreibt in seiner Stellungnahme zu dieser Motion, dass der erste Punkt der Forschung bereits erfüllt sei, was nur teilweise zutrifft. Dies belegen zwei konkrete Beispiele: Weder im Swiss Antibiotic Resistance Report 2020 noch in der Bevölkerungsumfrage zu Antibiotikaresistenzen 2020, welche beide das Bundesamt für Gesundheit in Auftrag gegeben hat, wurde die Nutzung von Komplementär- und Phytoarzneimitteln geprüft. Diese werden wissenschaftlich stiefmütterlich behandelt, obwohl es zahlreiche Belege über ihren Nutzen zur Antibiotikareduktion gibt. Der komplementärmedizinische Ansatz bewährt sich in der Praxis, ist wissenschaftlich aber wenig erforscht. Konkrete Forschungsresultate bilden die Voraussetzung, dass die Erkenntnisse in Informationskampagnen, medizinischen Richtlinien und in der Aus-, Fort- und Weiterbildung berücksichtigt werden, wie dies meine Motion vorsieht. Die Annahme der Motion ermöglicht es, das Potenzial der Komplementärmedizin bei der Antibiotikareduktion besser zu erforschen und die Erkenntnisse in die Praxis der Human- und der Veterinärmedizin zu transferieren. Wissenschaftliche Forschung dürfte die Zahl der Behandlungsoptionen erhöhen. Gleichzeitig kann die Wasserverunreinigung durch Antibiotika reduziert werden.

Vor elf Jahren stimmten 67 Prozent der Schweizer Bevölkerung der Zukunft mit Komplementärmedizin zu. Die seither in der Verfassung verankerte Komplementärmedizin verpflichtet Bund und Kantone, die Forschung und Lehre zur Komplementärmedizin zu fördern. Seither hat sich einiges bewegt. Bei den Forschungsprojekten steht der Bund jedoch auf der Bremse. Zum Wohl der Menschen und der Tiere soll deshalb interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit gestärkt und gefördert werden.

Deshalb bitte ich Sie, meine Motion anzunehmen.