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Germann Hannes · Ständerat · 2020-12-15

Germann Hannes · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-12-15

Wortprotokoll

Letzte Woche sprachen wir über die invasiven Neophyten, heute ist es [PAGE 1376] nun die Marmorierte Baumwanze. Probleme haben wir in diesem Land! So jedenfalls könnte man das Schmunzeln bei der Erwähnung dieses Vorstosses deuten. Nun, die Marmorierte Baumwanze stellt tatsächlich eine grosse Herausforderung dar, vor allem im Obst- und Gemüsebau. Bei Letzterem, das wissen Sie, bin ich auch Präsident des entsprechenden Verbands und damit etwas näher an der Sache.

Der aus Asien eingeschleppte Schadenerreger breitet sich in der Schweiz stark aus. Er kann über zweihundert verschiedene Wirtspflanzen befallen. Insbesondere im Obst- und Gemüsebau führen die Einstiche der Wanzen zu Deformationen und bitteren Stellen im Pflanzengewebe. Befallene Früchte und Gemüse können nicht mehr für den Frischkonsum verkauft werden. Ja, selbst die Verarbeitung der befallenen Früchte oder Gemüse ist oft nicht mehr möglich. Im vergangenen Jahr waren erstmals Betriebe in der ganzen Schweiz betroffen. Die Schäden beliefen sich auf Beträge in Millionenhöhe. Betroffen ist namentlich der Anbau von Kulturen wie Birnen, Gurken oder Peperoni. Bereits gepflanzte Birnenanlagen müssen gerodet werden. Das Problem mit den Marmorierten Baumwanzen betrifft aber auch Privatgärten und alle Wohnungs- und Hausbesitzer. In Kombination mit anderen eingeschleppten Schädlingen wie dem Japankäfer, der Bananenschmierlaus oder dem sich nähernden Feuerbakterium kann dies für unsere Spezialkulturen existenzbedrohend sein.

Ihre Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur hat sich an der Sitzung vom 22. Oktober mit der Motion Kutter, die vom Nationalrat am 19. Juni 2020 angenommen wurde, befasst. Die WBK-S ist der Ansicht, dass ein Ausbau der Forschung und der Beratung in diesem Bereich notwendig ist. Gerade im Wissen um die besonderen Herausforderungen der biologischen Schädlingsbekämpfung begrüsst sie dabei die Zusammenarbeit von Agroscope mit weiteren darauf spezialisierten Forschungseinheiten. Der Bundesrat wird ja mit der Motion konkret beauftragt, den Krankheitserreger zu bekämpfen und nachhaltige Bekämpfungsstrategien zu entwickeln, damit diese in der landwirtschaftlichen Praxis verankert werden können. Der Bundesrat selber geht davon aus, dass für vier Jahre rund 500[NB]000 Franken pro Jahr zusätzlich benötigt werden, um Forschungsarbeiten über die Marmorierte Baumwanze zu finanzieren.

Die Stärkung der landwirtschaftlichen Forschung entspricht nicht nur einem Anliegen unseres Rates, sondern auch einem des Bundesrates. Der Bundesrat hat nämlich bereits Ende 2018 entschieden, für Agroscope ein neues Standortkonzept mit einem zentralen Forschungscampus, zwei regionalen Forschungszentren sowie dezentralen Versuchsstationen zu erarbeiten. Die mit der Umsetzung dieser Standortstrategie mittelfristig erreichte Effizienzsteigerung beim Betriebsaufwand in der Höhe von geschätzt 16 Millionen Franken soll präzis der landwirtschaftlichen Forschung von Agroscope zugutekommen. So beabsichtigt der Bundesrat denn auch, die Motion im Rahmen dieser Mittel umzusetzen. Eine Krediterhöhung ist somit aufgrund der angesprochenen Effizienzgewinne bei einer Annahme des Vorstosses nicht notwendig.

In diesem Sinne danke ich im Namen Ihrer einstimmigen Kommission für die Zustimmung zur Motion, die auch der Bundesrat empfiehlt.