AB 276253
Maurer Ueli · Bundesrat · Zürich · 2021-03-01
Wortprotokoll
Die Mehrsprachigkeit ist ein Thema, das uns immer wieder beschäftigt. Ich habe durchaus Verständnis für die Äusserungen von Herrn Romano. Im Alltag ist die Mehrsprachigkeit manchmal nicht die erste Priorität, das müssen wir ehrlicherweise wohl sagen. Mit den Berichten, die wir in der Antwort erwähnt haben, versuchen wir dem Rechnung zu tragen. Herr Romano fordert einen jährlichen, detaillierten Bericht. Wahrscheinlich geht es jedoch nicht um die Berichte, sondern um die Frage, wie die Sensibilität für die Mehrsprachigkeit in der Verwaltung verbessert werden kann. Das kann dazu führen, dass man sich tatsächlich immer wieder mit dem Thema auseinandersetzt. Bei einem detaillierten Bericht, der alle Jahre kommt, besteht aber die Gefahr, dass er zum Alltag wird und zur Kenntnis genommen wird, ohne dass er etwas auslöst. Darum wollen wir uns in Bezug auf die Sensibilisierung weiter bemühen, dass die Mehrsprachigkeit in den jeweiligen Departementen und Abteilungen auch zum Tragen kommt.
Wir glauben nicht, dass ein zusätzlicher oder detaillierterer Bericht das Problem verbessert. Wir müssen aber auch feststellen - und das ist nicht nur ein Phänomen, sondern tatsächlich so -, dass nicht in allen Abteilungen oder Bereichen genügend Interessenten aus anderen Sprachregionen sind. Wir haben Bereiche, in denen Italienischsprechende einen Anteil von 10 bis 15 Prozent haben. Das sind logischerweise Bereiche mit einem näheren Bezug zum Tessin, z. B. das Centro Sportivo in Tenero, das Grenzwachtkorps oder die Armee. Wir haben Bereiche, in denen wir leider relativ wenige Fremdsprachige haben. In der Informatik ist z. B. der Anteil von Französischsprechenden eher klein. Es hängt sehr viel mit den Abteilungen und den Interessen in den Sprachregionen zusammen. Wir können uns aber durchaus vorstellen, dass wir mit Coworking, also Arbeitsplätzen vor Ort - sei das in der Westschweiz, sei das im romanischsprechenden Teil oder im Tessin -, den Anteil der Italienisch-, Französisch- oder Romanischsprechenden entsprechend verbessern können.
Herr Romano hat durchaus recht mit der Feststellung, dass das Deutsche ein Übergewicht hat. Wenn wir aber im Detail schauen, sind wir in den meisten Abteilungen und Departementen recht nahe bei der Relation der Sprachgemeinschaften. Hier stellt sich die Frage, welchen Weg wir gehen. Ich glaube nicht, dass ein zusätzlicher, detaillierter, jährlicher Bericht das Problem verbessert. Ich stelle fest, dass die [PAGE 31] Sensibilität in der Verwaltung gestiegen ist und dass wir Verbesserungen erzielen. Wir möchten eigentlich auf diesem Weg weiterfahren.
Ich bitte Sie also, die Motion nicht anzunehmen.