Widmer Hans · Nationalrat · 2002-11-27
Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-11-27
Wortprotokoll
Es mag vielleicht etwas seltsam anmuten, dass für dieses wichtige kulturelle Institut zuerst der Vizepräsident und jetzt der Präsident der WBK je im gegenteiligen Sinne votieren. Das heisst, dass man die Sache sehr ernst nimmt und dass man in der Regel dem zweiten Redner noch etwas mehr Glauben schenken sollte. Nicht wahr?
Ich spreche zu fünf Punkten:
1. Die Pro Helvetia ist schon heute von ihrem Auftrag her - denken Sie an Artikel 69 BV - am Limit. Sie kann nur noch Minimalaufträge erfüllen.
2. Die Folge im Fall dieser Kürzung von 2 Millionen Franken wären Entlassungen.
3. Projekte sind aufgegleist. Das dürfen Sie bei solchen Förderungsinstitutionen nicht vergessen. Das gilt auch für den Nationalfonds; da wurden Projekte von langer Hand vorbereitet. Die Leute erwarten, dass diese auch realisiert werden. Indirekt würden auch andere Investitionen und andere Löhne damit gefährdet.
4. Der gute Ruf im Ausland, das ist ein wichtiges Element dieser Stiftung; der gute kulturelle Ruf im Ausland muss uns ein Anliegen sein. Er ist bitter nötig. Wir wollen nicht nur als Nation bekannt sein, die immer wegen des Bankgeheimnisses mit Europa feilschen muss. Wir wollen die Nation sein, die auch Kultur nach aussen zeigen kann, eine Nation, die zeigen kann, dass sie ein intensives kreatives Innenleben hat. Den guten Ruf im Ausland wollen wir nicht durch Kürzungen bei wichtigen Förderungsprojekten gefährden. Ich denke namentlich an das grosse Programm der interkulturellen Verständigung.
5. Immer mehr gewinnt die Pro Helvetia in unserer schwierigen gesellschaftspolitischen Lage auch innenpolitisch an Bedeutung. Sie hat nämlich auch zum Ziel, die Verständigung im Inland zu fördern. Das ist weiss Gott nötig! Denken Sie an neueste Umfragen - ich will nicht dramatisieren -, die gezeigt haben, dass es vielen Romands eigentlich gleich wäre, wenn sie nicht mehr dazugehörten, und dass viele Deutschschweizer dies mit Indifferenz zur Kenntnis nehmen. Das zeigt, dass der Graben eben doch gross ist. Die innenpolitische Verständigung nicht nur auf politischer, sondern auf kultureller Ebene wird in der nächsten Zeit ein Kernanliegen von Pro Helvetia sein.
Schliesslich zum Stichwort sechste Schweiz: Das ist jene Schweiz, die wir sehr gerne vergessen, zum Beispiel jene zahlenmässig grössere Menge von Menschen, die in unserem Land wohnen und leben und Serbokroatisch sprechen. Wer kümmert sich um die kulturpolitische Aufarbeitung solcher Probleme, die zu einer gesellschaftspolitischen Zeitbombe werden könnten, wenn wir sie nicht anpacken?
Seien Sie in diesem wichtigen Punkt nicht knausrig und stimmen Sie der Mehrheit zu.