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Munz Martina · Nationalrat · 2021-03-10

Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-03-10

Wortprotokoll

Meine Motion fordert eine Deklarationspflicht für Reptilienleder und dessen Produkte, analog zur Pelzdeklarationsverordnung. Konsumentinnen und Konsumenten von Luxusprodukten würden so Klarheit erhalten über Herkunft und Gewinnungsart ihres Luxusarmbandes, das sie zusammen mit ihrer 20[NB]000 Franken teuren Uhr erstanden haben.

Warum ist die Deklaration von Reptilienleder so wichtig? Die Schweiz ist Drehscheibe für tierquälerisch hergestellte Exotenleder-Luxusprodukte.

Wollen Sie wissen, wie das Leder von Riesenschlangen, von Pythons, gewonnen wird? Wohl lieber nicht, aber ich sage es Ihnen trotzdem: Die Riesenschlangen werden lebend am Kopf aufgehängt, ein Schlauch wird ihnen in den Hals gestopft, und dann werden die Tiere mit Wasser gefüllt, bis ihre Organe platzen. Danach werden sie, immer noch lebend, gehäutet. Bilder des Grauens!

Auch Waranen und Krokodilen ergeht es nicht besser, und das ist nur die allerletzte Station ihrer Qualen. Der Leidensweg dieser Tiere ist lang. Die Fang- und Haltungsbedingungen sind nicht weniger grausam als die Tötungsmethoden, und dies, obwohl sie nicht mehr sind als Rohstoff für unsere Luxusindustrie.

Die Schweiz ist einer der grössten Handelsplätze für Reptilienleder. Deshalb könnten Sie mit Ihrer Gesetzgebung international Einfluss auf das umstrittene Geschäft nehmen. 2016 wurden über eine Million Produkte aus Alligatorenhaut eingeführt, dazu rund 100[NB]000 Krokodil- und fast 50[NB]000 Pythonprodukte. Diese Produkte finden vor allem in der Luxusuhrenindustrie Absatz, die meisten davon werden wieder exportiert. So wird das tierquälerisch erzeugte Schlangenlederarmband mit dem Swissness-Label reingewaschen. Wäre das Bewusstsein über die miesen Praktiken in der Reptilienlederherstellung in der Öffentlichkeit grösser, wäre das für[NB]unsere[NB]Luxusindustrie ganz sicher ein grosser Imageschaden.

Beim Import der Häute wird kontrolliert, ob gegen das Artenschutzgesetz verstossen wird. Reptilienhäute haben deshalb Ein-, Durch- und Ausfuhrpapiere. Eine Deklarationspflicht wäre deshalb nur ein kleiner zusätzlicher Schritt mit grosser Wirkung. Ähnlich wie beim Pelz müssten Tierart, Herkunftsland und Gewinnungsart deklariert werden. Das würde den Konsumentinnen und Konsumenten einen gewissenhaften Kaufentscheid ermöglichen. Heute basiert der grösste Teil der in der Schweiz gehandelten Reptilienleder auf nicht tierfreundlichen Methoden. Mit einer Deklarationspflicht könnte sich das ändern.

Es ist kaum verständlich, dass sich die Luxusindustrie gegen eine Deklaration wehrt. Der Aufpreis der Häute beim Import wäre bei den enorm hohen Verkaufspreisen überhaupt nicht relevant. Dabei könnten die Luxusfirmen einen Reputationsschaden vermeiden. Das Luxuslabel Chanel hat das verstanden und verzichtet inzwischen vollständig auf Reptilienprodukte, genauso wie Navyboot, das seine Schlangenlederoptik aus Rindsleder herstellt. Doch die übrigen Luxusindustrien und Modegiganten stellen sich quer, wie die Kering-Gruppe, Richemont - zu ihr gehört auch unsere Schaffhauser IWC -, Gucci und Cartier. Alle stellen sich quer! Sie verschliessen weiterhin die Augen. Mit einer Deklarationspflicht müsste sich auch die Luxusindustrie an ethische Normen halten.[GZ]

Ich bitte Sie um Zustimmung zur Motion.