Munz Martina · Nationalrat · 2021-05-05
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-05-05
Wortprotokoll
Meine Motion fordert den Bundesrat auf, dem Freiwilligenprogramm European Solidarity Corps beizutreten.
Eine breite Allianz von Jugendorganisationen hat sich mit einem Schreiben an das Parlament gewendet und bittet Sie, diese Motion anzunehmen. Dazu gehören der Schweizerische Dachverband zur Förderung von Jugendaustausch (Intermundo), die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, der Verband der Schweizer Studierendenschaften und eine Vielzahl weiterer Verbände und Jugendorganisationen, darunter auch das Forum der Eidgenössischen Jugendsession, das schreibt: "Schon 2018 forderten die Jugendlichen im Rahmen der Jugendsession die Assoziierung an das Programm Erasmus plus. Gleich sieht es das Forum auch beim European Solidarity Corps. Austausch und Freiwilligenarbeit sind für Jugendliche unschätzbare Erfahrungen. [PAGE 880] Deshalb fordern wir vom Parlament, alles zu unternehmen, um dem Programm beizutreten."
Ein Freiwilligeneinsatz bedeutet für Jugendliche eine prägende Erfahrung, die sie in ihrer persönlichen, beruflichen und interkulturellen Kompetenz stärkt und weiterentwickelt. Er ist eine Bereicherung auch für Wirtschaft und Kultur. Umgekehrt profitieren aber auch die Schweizer Betriebe und Einrichtungen von der Freiwilligenarbeit und dem interkulturellen Austausch mit jungen Menschen aus Europa.
Warum ist der Beitritt zum Europäischen Solidaritätskorps für junge Erwachsene so wichtig? Das Programm ist das Nachfolgeprogramm des Europäischen Freiwilligendienstes, der bis 2017 Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen ehrenamtlichen Arbeitseinsatz im Ausland ermöglichte. 2017 lief das Programm aus und wurde auf EU-Ebene durch das besagte Europäische Solidaritätskorps ersetzt.
Die Schweiz ist bisher leider nicht Teil davon. Seither führt die Schweiz den Europäischen Freiwilligendienst als Teil der Schweizer Lösung zu Erasmus plus weiter. Diese Lösung ist aber nicht gleichwertig und für die Teilnehmenden mit grossen Hürden verbunden. Die Schweizer Separatlösung beinhaltet ein viel kleineres Programm. Das bedeutet für unsere Jugendlichen eine erhebliche Chancenungerechtigkeit.
Mir liegt das Programm vor allem auch wegen der Berufslernenden am Herzen. Bezüglich Austauschmöglichkeiten sind Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger doppelt benachteiligt. Während der Ausbildung ist für sie aufgrund des dualen Systems ein Austausch kaum möglich. In den Jahren nach der Lehre sind die Möglichkeiten sehr schlecht, weil die Schweiz ein "Extrazügli" fährt. Das Ersatzprogramm ist für sie ein Nachteil. Sie können auch nicht vom Erasmus-plus-Ersatzprogramm und von den entsprechenden Austauschprogrammen profitieren. Mit dem Beitritt zum Europäischen Solidaritätskorps geben wir den Berufslernenden die gleichen Chancen und stärken damit das duale System.
Mit dem Ersatzprogramm ist der Zugang zu Austauschplätzen für Schweizer Jugendliche sehr limitiert. Der organisatorische Aufwand dafür ist gross und auch teuer. Die steigende Nachfrage übersteigt zudem das Budget der aktuellen Schweizer Lösung. Mit den vorgegebenen Ressourcen ist ein Ausbau nicht möglich. Die umfassende Unterstützung und auch der Zugang zu zentralen europäischen Datenbanken, die interessierte Freiwillige und Einsatzorte miteinander in Verbindung bringen, fehlen. Die Jugendlichen müssen auch auf das europaweit anerkannte Zertifikat Youthpass, das die erworbenen Kompetenzen eines solchen Einsatzes belegt, verzichten.
Ich bitte Sie deshalb, diese Motion anzunehmen, damit Schweizer Jugendliche die gleichen Chancen für einen Freiwilligenaustausch haben. Unterstützen Sie die fortschreitende Entwicklung internationaler Freiwilligenarbeit. Die Jugendverbände werden Ihnen die Annahme dieser Motion danken.