Lexipedia

von Siebenthal Erich · Nationalrat · 2021-06-01

von Siebenthal Erich · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-06-01

Wortprotokoll

Was will diese Motion? Sie will für das Berggebiet eine Weidezeit vom 1. Juni bis zum 30. September festlegen. Warum? Heute ist es so: Egal ob mein Landwirtschaftsbetrieb in Basel oder in Wengen im Berner Oberland auf 1400 Metern über Meer ist, es gelten die gleichen Vorschriften. Das Vieh muss vom 1. Mai bis zum 31.[NB]Oktober auf die Weide. Wenn das nicht möglich ist, gilt alle Tage Laufhof.

In den Bergzonen kommt es im Mai und Oktober immer wieder dazu, dass über längere Zeit kein oder kaum ein Weidegang möglich ist. Dieses Jahr gab es viele Betriebe, die bis vor vier, fünf Tagen nicht weiden lassen konnten. Im letzten Herbst fing es Ende September mit viel Schnee an und endete im Oktober, mit Unterbrüchen, teils mit Weide und dazwischen mit Winterfütterung. Ob wir wollen oder nicht, wir sind abhängig von der Natur. Diese bestimmt die Zeit der Weide und der Winterfütterung. Dass heute für Mai und Oktober für das Vieh im Anbindestall alle Tage Laufhof vorgeschrieben ist, ist gegenüber den Bauern mit Anbindestall im Berggebiet eine Schikane.

Wir haben noch sehr viele Anbindeställe im Berggebiet, über 50 Prozent. Mit solchen Auflagen wird der Anbindestall unattraktiv, was vermutlich auch die Absicht von Bundesbern ist. Es sollte auch in Bundesbern bekannt sein, dass der Laufstall bedeutend mehr Fläche braucht und in Hanglagen nur mit sehr grossen Erdverschiebungen und Betonbauten möglich ist. Wollen wir die Bauern mit solchen Auflagen wirklich zwingen, noch mehr Grünfläche zuzubetonieren, noch mehr Gülle zu produzieren, weil der Anteil Regenwasser höher wird?

Herr Bundespräsident, ich habe schon im Jahre 2009 eine ähnliche Motion eingereicht. Diese wurde von beiden Räten angenommen. Aber diese Schikane - alle Tage Laufhof - wurde nicht ausgeräumt. Es fand also keine Umsetzung nach dem Willen beider Räte statt.

Wenn wir weiden lassen können, lassen wir weiden. Wenn es aber kein Gras gibt oder noch Neuschnee hat, geht das eben nicht. Herr Bundespräsident, Sie waren auch Bauer. Sie waren zwar nicht im Berggebiet, aber ich gehe davon aus, dass Sie die Arbeit und die Herausforderungen der Bergbauern angesichts der Erschwernisse und Strukturen auch etwas kennen. Es kann ja nicht sein, dass wir mit solchen Auflagen abgestraft werden, weil wir im Berggebiet unsere Höfe haben, wo der Frühling später und der Winter früher kommt. Die Realität, in der die Bauern und jetzt hier die Bergbauern leben, wird in Bundesbern kaum oder nicht mehr wahrgenommen. Die Verwaltung entfremdet sich immer mehr, sonst würden nicht immer mehr solcher Produkte zum Vorschein kommen. Man ist dann über die zunehmende Anzahl der Bauern verwundert, die es gesundheitlich nicht mehr schaffen. Herr Bundespräsident, ich bitte Sie, schauen Sie genau hin, was hier abgeht, übernehmen Sie nicht einfach so die Argumentation der Verwaltung.

Mein Vorschlag ist, dass bei Winterfütterung im Mai und Oktober wie im Winter anteilmässig dreizehnmal Laufhof die Bedingung sein soll.

Diese Art von Auflagen bringt keinen Nutzen. Dazu kommt, dass die Anpassungen auch keine zusätzlichen Kosten verursachen. Die Bergbauern sind mit der Natur und dem Klima, aber auch mit der Bewirtschaftung der Weiden und [PAGE 930] Offenhaltung der Flächen sehr stark gefordert. Da ist sehr viel Handarbeit angesagt. Daher kann es doch nicht sein, dass wir mit nicht nachvollziehbaren Auflagen wie dieser die Belastung noch unnötig verstärken.

Viele Bergbauern sind Ihnen dankbar, wenn Sie dieser Motion zustimmen, damit eine verhältnismässige Lösung gefunden werden kann.