Lexipedia

Strahm Rudolf · Nationalrat · 2002-12-03

Strahm Rudolf · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-12-03

Wortprotokoll

Ich habe zu Artikel 14d als Einzelner einen Minderheitsantrag gestellt mit dem Ziel, Herrn Bundesrat Couchepin dazu eine Frage zu stellen.

Wir haben hier ein Rahmengesetz, das sehr viel an den Bundesrat delegiert und wichtige Punkte erst in der Bildungsverordnung regelt, unter anderem die Frage des Lehrlingsturnens und die Frage der zweiten Sprache. Ich möchte jetzt Herrn Bundesrat Couchepin zuhanden der Materialien und der Öffentlichkeit fragen, wie der Bundesrat die beiden Fragen in der Verordnung zu regeln gedenkt.

1. Zum Lehrlingsturnen: Wir sind jetzt auf die Lösung des Ständerates eingeschwenkt. Das Lehrlingsturnen wird im allgemein bildenden Unterricht in diesem Gesetz gestrichen, aber das Lehrlingsturnen ist im Bundesgesetz über Turnen und Sport festgelegt. Bleibt, Herr Bundesrat Couchepin, wenn wir jetzt dem Ständerat zustimmen, das Turnobligatorium in Berufsschulen erhalten, und wird es auch durchgesetzt?

2. Zur Fremdsprache: Hier schliesse ich mich meinem Vorredner an. Wir schwenken jetzt ein auf die Lösung des Ständerates, wonach die Fremdsprache nicht mehr obligatorisch, sondern in der Kann-Formel dem Bundesrat zur Regelung in der Bildungsverordnung überlassen ist. Kann der Bundesrat erklären, was seine Praxis sein wird in der Anwendung der Bildungsverordnung? Können Sie da Ihre "policy" etwas erklären?

Ich sage, wie wir das verstanden haben. Die Kommissionssprecher sollen es auch erklären. Ich habe unsere Position bei der zweiten Lesung hier erklärt: Für mich ist eigentlich jetzt der Zeitpunkt gekommen, dass bei technischen Berufen eine zweite Fremdsprache eingeführt wird. Es muss nicht eine Landessprache sein; für den Polymechaniker und den Mechaniker ist das vielleicht eher das Englische. Bei schulisch Schwächeren oder bei Berufen, bei denen die Fremdsprache nicht zum technischen Rüstzeug gehört, sollte das Obligatorium nicht eingeführt werden, um nicht schulisch Schwächere damit noch zu drangsalieren und mit einer Fremdsprachennote zu belasten, die dann den ganzen Durchschnitt drückt und sogar den Lehrabschluss infrage stellt. Hier wäre ein gewisser Pragmatismus nötig. Aber eine Kann-Formel soll nicht heissen, dass es jetzt so bleibt, wie es heute ist. Ich möchte dazu die "policy" des Bundesrates kennen lernen.