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Stark Jakob · Ständerat · 2021-06-03

Stark Jakob · Ständerat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-06-03

Wortprotokoll

Wenn Sie mit dem Schnellzug oder auf der A7 von Westen her in den Kanton Thurgau reisen, den ich ja hier als Standesvertreter vertreten darf, und Frauenfeld, die Thurgauer Hauptstadt, besuchen, sehen Sie zuerst [PAGE 453] die Zuckerfabrik Frauenfeld. Es handelt sich um ein eindrückliches, gut gestaltetes Industrieareal mit grossen Gebäuden, Silos und weiten Flächen für die Aufbereitung und Wiederverwertung der Reststoffe der Zuckerrübenverarbeitung.

Die Zuckerfabrik Frauenfeld hat seit ihrem Bestehen die Marktchancen im Kontext der Zuckerverarbeitung genutzt, um sich als Unternehmen zu behaupten. So ist vor vielen Jahren die Firma Ricoter Erdaufbereitung AG entstanden. Gegenwärtig wird mit einem Partnerunternehmen ein Holzheizkraftwerk gebaut, das Strom für 8000 Haushalte, natürlich inklusive Zuckerfabrik, sowie Wärme für die Zuckerfabrik und den Fernwärmering Frauenfeld West produzieren wird. Aber auch im Kerngeschäft werden Marktchancen wahrgenommen. So konnte die Produktion von Biozucker im letzten Jahr auf rund 10[NB]000 Tonnen gesteigert werden.

Was will ich mit diesen Ausführungen sagen? Die Schweizer Zucker AG, bestehend aus den Werken in Aarberg und Frauenfeld, nutzt die Chancen, die ihr der Markt bietet. Sie nutzt diese Chancen gut, breit und eindrücklich. Was aber auch die Schweizer Zucker AG nicht kann: Sie kann sich bei ungünstigen Rahmenbedingungen nicht dauerhaft behaupten. Denken Sie an ein Haus an einem Fluss. Bei einem kurzen Hochwasser können Sie improvisieren. Gegen ein Dauerhochwasser müssen Sie aber einen Damm bauen.

Mit anderen Worten: Wenn das Parlament die Rahmenbedingungen für den Schweizer Zucker nicht dauerhaft anpasst, dann wird unsere schweizerische Zuckerwirtschaft unter einem wogenden ausländischen Zuckerstrom begraben. Sie wird von dem billigen und wenig ökologischen ausländischen Zucker einfach weggeschwemmt.

Ich empfehle Ihnen deshalb, auf den vorliegenden Entwurf zur parlamentarischen Initiative einzutreten und den Damm gegen das ruinöse Preisdumping beim Zucker jetzt massvoll und befristet zu bauen. Sie sichern damit wichtige Arbeitsplätze in den Zuckerfabriken und in der Landwirtschaft. Sie setzen ein ganz wichtiges Zeichen für die Landwirte, indem Sie zeigen, dass demjenigen geholfen wird, der gegenüber seinem Konkurrenten in der EU Nachteile beim Pflanzenschutz in Kauf nimmt und keine Vorteile daraus zieht. Vor allem schaffen Sie Klarheit und Vertrauen. Daran mangelt es zurzeit am meisten.