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Rieder Beat · Ständerat · 2021-06-03

Rieder Beat · Ständerat · Wallis · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2021-06-03

Wortprotokoll

Herr Bundespräsident, ich danke Ihnen jetzt schon für die zustimmende Stellungnahme zu meiner Motion. Ich habe heute Morgen mit wachsendem Interesse der Zuckerrübendiskussion zugehört. Sollten Sie dann keine Verwendung für die Zuckerrüben haben, dann verweise ich darauf, dass die liebenswürdigen Tierchen, die ich heute Morgen vertreten darf, alle sehr gerne und regelmässig Zuckerrüben geniessen. (Heiterkeit)

Wie der Bundesrat in seiner Antwort ja darlegt, steht einer Förderung erhaltenswerter einheimischer Nutztierrassen nichts entgegen. Es besteht eine gesetzliche Grundlage im Landwirtschaftsgesetz. Auf dem Verordnungsweg könnte nachher eine solche Förderung im Rahmen der Erhaltung der tiergenetischen Ressourcen umgesetzt werden. Ich habe mir erklären lassen, dass an der EPFL ein Projekt unterwegs ist. Es heisst Genmon und ist ein äusserst interessantes Projekt. Ich empfehle Ihnen, das einmal anzuschauen. Im Rahmen des Global plan of action for Farm Animal Genetic Resources zeigt dieses Projekt die Wichtigkeit des Erhaltes der tiergenetischen Ressourcen auf.

Die einheimischen Rassen prägen in fast allen Kantonen der Schweiz die Landwirtschaft und sind fast auf jedem Bild einer Tourismusorganisation vertreten. Ich glaube, sogar Albert Welti, der das Landsgemeindebild hier im Saal gemalt hat, hatte Interesse für die seltenen Rassen. Er hat nämlich ganz links aussen auf dem Bild ein Pferd einer seltenen Rasse festgehalten. Wir haben im 20. Jahrhundert in der Schweiz sämtliche Pferderassen ausser eine einzige verloren, nämlich die Freibergerpferde im Kanton Jura. Wir sind alle sehr froh, dass diese Rasse erhalten geblieben ist. In meinem Kanton kennen wir die Schwarznasenschafe - in diesem Saal gibt es sogar eine Spezialistin für Schwarznasenschafe. Es sind sehr schöne, äusserst liebenswürdige Tiere. Wir haben die schwarze Eringerkuh mit ihrer traditionellen Kampfeslust und ihrer Stärke und Zufriedenheit. Mit ihrem muskulösen Erscheinungsbild ist diese Kuh ein Prachtexemplar, eine würdige Vertreterin des Kantons Wallis. Im Kanton Graubünden haben Sie die schlanke, elegante, wendige Strahlenziege. Sie erinnert stark an Kantonsvertreter der Bergkantone. Im Kanton Appenzell haben wir das Appenzeller Spitzhaubenhuhn mit seinem grazilen und vornehmen Erscheinungsbild. Es erinnert weniger stark an Politikerinnen und Politiker. (Heiterkeit)

Kurzum: Die seltenen Rassen gehören zur Schweiz. Sie sorgen für die vielgerühmte Biodiversität, und sie werden von vielen Bauern und Hobbyzüchtern gehegt und gepflegt. Es [PAGE 463] gibt einige Ständeräte, die darin Erfahrung haben. Insbesondere haben wir auch einen Spezialisten für das Appenzeller Spitzhaubenhuhn unter uns.

Diese Züchter leben die Biodiversität und sorgen für den Erhalt von genetischen Ressourcen, die selbst von Forschern der EPFL als äusserst wichtig erachtet werden. Es sind unsere die Landschaft und unser Land prägenden Nutztiere, die erhaltenswert sind. Aus rein wirtschaftlichen Aspekten könnten sie aber eben nicht mehr überleben.

Daher sind diese Fördermittel, wenn sie denn gesprochen werden, gut angelegt und unterstützen Züchterinnen und Züchter, die aus reiner Begeisterung und als Hobby zu diesen Tieren schauen, diese Tiere züchten und hier viel Zeit und viel Arbeit investieren. Sie können sich als Laie gar nicht vorstellen, wie intensiv solche Tiere behandelt werden. Beim Schwarznasenschaf geht das so weit, dass man es vor jeder Ausstellung gehörig föhnt und pflegt - die Frisur der Schwarznasenschafe ist regelmässig besser als die meine.

Daher entsprechen diese Tiere den Vorstellungen einer diversifizierten, naturnahen Landwirtschaft. Wenn Sie von Biodiversität nicht genug haben, dann haben Sie hier jetzt die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen und dieser Motion zuzustimmen. Die Eringerkühe, Herr Kollege Zanetti, hätten übrigens sogar Hörner. Ich gehe also davon aus, dass auch Sie diese Motion unterstützen. Das ist ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Behandlung Ihrer Motion.

In diesem Sinne danke ich Ihnen dafür, Herr Bundespräsident, dass Sie die Motion ebenfalls unterstützen. Ich hoffe, dass Sie schnellstmöglich die notwendigen Fördermittel sprechen. Die Züchterinnen und Züchter verdienen das.