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Goll Christine · Nationalrat · 2002-12-03

Goll Christine · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-12-03

Wortprotokoll

Vielleicht ist es einigen von Ihnen entgangen, aber zu Beginn dieser Session, am 25. November, hat der Verfassungsauftrag für eine Mutterschaftsversicherung das Jubiläum seines 57-jährigen Bestehens gefeiert. 57 Jahre sind eine lange Zeit. Ich muss Ihnen sagen, die Notwendigkeit, in der Schweiz endlich eine Lösung für Mütter zu finden, ist unbestritten, auch wenn sich die Begeisterung, sich für eine minimalistische Vorlage einzusetzen, in Grenzen hält. Wir unterstützen deshalb den Antrag der Minderheit II (Maury Pasquier), der eine Ergänzung beantragt - eine Ergänzung, die im Rahmen dieser Vorlage durchaus verkraftbar ist. Die Minderheit II (Maury Pasquier) [PAGE 1940] beantragt anstelle von 14 Wochen eine 16-wöchige Entschädigung für erwerbstätige Mütter.

Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass wir nicht auch noch den Zusatz verlangen, dass nicht nur eine 80-prozentige, sondern eine 100-prozentige Entschädigung ausbezahlt wird. Wir akzeptieren diese 80 Prozent, aber wir möchten gerne, dass die Mutterschaftsversicherung mindestens 16 Wochen dauert - dies aus drei Gründen:

1. Mit dieser Forderung besteht eine Analogie zum Kündigungsschutz für schwangere Mütter und für Frauen nach der Niederkunft. Der Kündigungsschutz in der Schweiz dauert heute auch 16 Wochen.

2. Diese 16 Wochen sind heute in der Praxis schon weitgehend realisiert. Viele Gesamtarbeitsverträge kennen heute einen 16-wöchigen Mutterschaftsurlaub, beispielsweise auch der Kanton Genf, der erst vor kurzem eine Mutterschaftsversicherung eingeführt hat. Viele Regelungen gehen sogar noch weiter, nämlich bis zu 20 Wochen.

3. Mit dieser Vorlage werden vor allem die Arbeitgeber, wird vor allem die Wirtschaft entlastet. Deshalb ist es auch nichts anderes als sinnvoll, dass diese eingesparten Millionen für einen 16-wöchigen Mutterschaftsurlaub eingesetzt werden.

57 Jahre sind eine lange Zeit; diese Zeit braucht es offenbar, um bei manchen Menschen die Vernunft reifen zu lassen. So können wir heute mit Freude feststellen, dass sich ein Mann mutig in die Brust und ans Mikrofon wirft, der plötzlich sein Herz für Mütter, und natürlich auch für Soldaten, entdeckt hat, nachdem er uns allen noch vor drei Jahren weismachen wollte, dass Mütter für die Schweiz - übrigens das einzige Land in Europa, das keine Mutterschaftsleistung kennt - nicht tragbar seien.

Das Gewerbe braucht eben Nachwuchs, nicht wahr, Herr Triponez. Und gerade dem Gewerbe, das mit dieser Vorlage entlastet wird, kämen 16 Wochen Mutterschaftsurlaub entgegen. Für Ihren Mut, Herr Triponez, gebührt Ihnen eine Auszeichnung. Ich möchte Ihnen heute zum Schluss der Debatte die Auszeichnung "Nuggi des Jahres" verleihen, und ich kann Ihnen garantieren: Wenn Sie sich tatkräftig dafür einsetzen, dass diese Vorlage möglichst schnell in der Praxis umgesetzt wird, werden Ihnen die Frauen der Schweiz sicher die Auszeichnung "Goldener Pamper" nachreichen.