Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2021-06-14
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2021-06-14
Wortprotokoll
Die Covid-19-Krise hat uns deutlich gezeigt, dass im Homeoffice nicht nebenbei Kinder betreut werden können. Es braucht ein verlässliches Betreuungssystem, sprich: Die Kinderbetreuungseinrichtungen [PAGE 1317] sind systemrelevant. Deshalb habe ich diese parlamentarische Initiative eingereicht, die für die Gleichstellung und die Förderung von Kindern ein wichtiger Schritt ist.
Ich möchte in der Verfassung einen neuen Artikel für familien- und schulergänzende Betreuung schaffen.
Erstens sollen die Kantone dafür zuständig sein. Sie sollen für ein öffentliches oder privates, gemeinnütziges, bedarfs- und altersgerechtes, qualitativ hochstehendes und dem Kindswohl verpflichtetes Angebot sorgen. Die familien- und schulergänzende Betreuung soll ab Ende des Mutterschaftsurlaubs bis Ende der Volksschulzeit zur Verfügung stehen. Wie die Volksschule soll sie unentgeltlich sein.
Zweitens soll der Bund Beiträge an die Kantone leisten, wenn sie öffentliche oder gemeinnützige Betreuungseinrichtungen einführen, die qualifiziertes Personal, fortschrittliche Arbeitsbedingungen und einen dem Kindswohl entsprechenden Betreuungsschlüssel vorweisen.
Verschiedenste Studien machen deutlich, dass eine solche Betreuung sinnvoll ist, nicht zuletzt auch in ökonomischer Hinsicht. Ich nenne drei Gründe:
Erstens sind die Kitas einer der wichtigen Schlüssel für die Gleichstellung und die Basis der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sofern sie qualitativ gut und die Tarife auch erschwinglich sind.
Zweitens lohnt sich jede Investition. Wir haben unter dem Strich keinen Verlust, sondern im Gegenteil wegen der höheren Erwerbstätigkeit - nicht zuletzt der Frauen -, wegen höheren Steuereinnahmen mehr Geld in der Kasse; und wir haben damit auch eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Familien- und schulergänzende Betreuung tragen zu einer besseren Altersvorsorge, weniger Sozialhilfeabhängigkeit und zur Armutsbekämpfung bei.
Der dritte Grund: Die familien- und schulergänzende Betreuung ist zentral für einen erfolgreichen Bildungsweg und für Chancengleichheit.
Kitas sind wichtig. Wir wissen auch da dank verschiedensten Studien, dass das soziale, kognitive und emotionale Potenzial der Kinder in den ersten Jahren sehr gross ist. Spielerisch und mit viel Freude lernen sie über die anderen Kinder und mit gut ausgebildetem Personal, das auch die nötigen Anreize bringen kann. Profitieren würden also sowohl die Kinder wie auch die Gesellschaft und die Wirtschaft.
Die Kitas als Teil des Bildungssystems und damit natürlich wie die Volksschule unentgeltlich: Das ist die Basis für gleiche Bildungschancen! Es ist unverständlich, wie wir die Kinder erst ab Kindergarten bzw. mit sechs oder sieben Jahren mit der Schule beginnen und die Jahre davor quasi brachliegen lassen, obwohl wir wissen, dass die Kinder am einfachsten lernen, wenn sie am jüngsten sind.
Der Bund hat zwar eine Anschubfinanzierung geleistet und damit über 60[NB]000 Plätze geschaffen, aber es reicht noch längst nicht. Zudem haben die Kitas grosse Probleme, viele sind finanziell am Limit. Die Löhne sind tief. Viele Arbeitnehmende sind ohne Ausbildung, weil eben das Geld für qualifiziertes Personal nicht reicht und damit auch zu wenig Förderung stattfindet. Die Tarife für die Familien sind viel zu hoch; europaweit sind wir an der Spitze. Ohne substanzielle öffentliche Finanzierung sind Kitas und Horte in guter Qualität und mit guten Arbeitsbedingungen nicht umsetzbar.
Auch gemäss der OECD-Empfehlung, wonach im Minimum je 1 Prozent des BIP in die vorschulische und in die schulische Betreuung investiert werden sollte, bitte ich Sie: Sagen Sie Ja zu dieser parlamentarischen Initiative im Sinne der Ressource für den ganzen Staat, für die Kinder, für den[NB]sozialen Frieden und als Teil des Service public! Vielen Dank!