Munz Martina · Nationalrat · 2021-06-17
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-06-17
Wortprotokoll
Zur Erfüllung der Klimaziele muss auch der Bereich der Digitalisierung CO2-neutral werden. Die digitale Transformation stellt für die Schweiz bezüglich Energieverbrauch sowohl eine Chance als auch ein Risiko dar. Der Stromverbrauch der digitalen Technik hat Dimensionen angenommen, die relevant sind. Zudem wächst der Energieverbrauch exponentiell.
Die heute favorisierten Technologien lassen das Datenvolumen explodieren. Früher ging das TV-Programm an alle Empfänger gleichzeitig. Das brauchte weniger Strom. Heute werden die Sendungen per Streaming-Dienst an jeden Empfänger einzeln versendet. Das ist praktisch, braucht aber zusätzlichen Strom. Grosszügige Datenpakete der Telekomanbieter oder Flatrates bieten Fehlanreize, um noch mehr Streaming-Angebote zu nutzen. Dies verursacht zusätzlichen Stromverbrauch, sowohl für das Endgerät und für die Übertragung als auch für die beteiligten Server, die auch in Übersee stehen können.
Beim Streamen müssen Unmengen an Daten transportiert werden. Aber auch die Verarbeitung und Speicherung braucht Energie. Datencenter schiessen wie Pilze aus dem Boden, und sie sind energiehungrig. In unserem Kanton ist ein solches Datencenter geplant. Es ist ein ungeheurer Stromfresser. Es braucht so viel Strom wie drei Viertel der Schaffhauser Bevölkerung - wie 60[NB]000 Personen! Würden wir die Wasserkraft des Rheinfalls nutzen, so wie es angedacht ist, wäre das einzig und allein, um dieses Datencenter zu speisen.
Auflagen für Energieeffizienz, SIA-Normen, Abwärmenutzung oder Nutzung von erneuerbaren Energien gibt es für solche Datencenter noch nicht. Das wäre nach dem Verursacherprinzip aber dringend nötig. Rechenzentren müssen bei der Erreichung der Klimaziele einbezogen werden.
Das deutsche Umweltbundesamt fordert für Rechenzentren einen verbindlichen Energieausweis. Cloud-Dienstleistungen sollen mit einem CO2-Fussabdruck pro Serviceeinheit Auskunft über ihre Umweltwirkungen geben, und die Betreiber von Telekommunikationsnetzen sollen ihr Angebot mit einem CO2-Fussabdruck pro Übertragungseinheit kennzeichnen.
Es ist Zeit, dass auch wir in der Schweiz uns mit dem Ressourcenhunger der Digitalisierung und der neuen Technologien auseinandersetzen. Es braucht bei der Digitalisierung Regulierungen, damit wir die Klimaziele erreichen können. Auch bei der Mobilfunktechnologie sollten wir genau hinschauen. Heute wollen Kommunikationsunternehmen ihren Kundinnen und Kunden möglichst rasch und zu möglichst tiefen Investitionskosten 5G anbieten. Für die Energieeffizienz und auch für die Intensität der Strahlung ist es entscheidend, ob eine kabellose oder kabelgebundene Datenübertragung eingesetzt wird. Was wann wo sinnvoll ist, kann der Postulatbericht klären. Wir brauchen bei der digitalen Transformation eine Strategie für Energie- und Ressourceneffizienz, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. Der Postulatsbericht soll auch Massnahmen und Handlungsempfehlungen aufzeigen, wie die digitale Transformation möglichst im Einklang mit den Klimazielen erreicht werden kann.
Ich danke Ihnen für die Annahme des Postulates.