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Aebi Andreas · Nationalrat · 2021-09-13

Aebi Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-09-13

Wortprotokoll

Leider müssen wir die Session mit zwei Nachrufen beginnen.

Wir gedenken heute des ehemaligen Nationalratspräsidenten Ulrich Bremi, der am vergangenen 17. Juni im Alter von 91 Jahren verstorben ist. 1975 wählten ihn die Zürcherinnen und Zürcher in den Nationalrat, dem er bis 1991 angehörte. Schon zuvor war Ulrich Bremi politisch aktiv gewesen, so als Mitglied des Zürcher Kantonsrates, den er auch präsidierte. In seiner Zeit als Nationalrat arbeitete er in über vierzig Ad-hoc-Kommissionen mit, weiter in der Kommission für Wissenschaft und Forschung, der Wirtschaftskommission und der Finanzkommission. Zudem leitete er von 1986 bis 1989 die Fraktion der FDP, die damals grösste Fraktion der Bundesversammlung.

Sein Berufsleben begann Ulrich Bremi mit einer Mechanikerlehre, er machte dann die Matura und studierte Maschinenbau an der ETH. Mit Talent und Fleiss arbeitete er sich zum erfolgreichen Unternehmer und gefragten Wirtschaftsführer hoch. Auch als Oberstleutnant leistete er seinen Dienst für die Allgemeinheit.

Ausser in der Wirtschaftspolitik engagierte er sich im Nationalrat insbesondere in den Bereichen Finanzpolitik, Bildung, Energie und Medien. Für Ulrich Bremi war es ein wichtiges Anliegen, dass Unternehmer nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik Verantwortung übernehmen, so, wie es bereits bei der Gründung der modernen Schweiz der Fall gewesen war. Seine Forderung, dass auch alle Bürgerinnen und Bürger einen persönlichen Beitrag zugunsten der Gemeinschaft leisten sollen, lebte er in eindrücklicher Weise vor.

In der Wintersession 1990 wählte ihn der Nationalrat zu seinem Präsidenten für das Jubiläumsjahr "700 Jahre Eidgenossenschaft". Ulrich Bremi bezeichnete dies als schönsten und anspruchsvollsten Auftrag seines Lebens. Nach dem Urteil des Alterspräsidenten Helmut Hubacher im Dezember 1991 erfüllte er diese Aufgabe ausgezeichnet, auf souveräne Art und mit staatspolitischem Profil.

Die Ratsverhandlungen leitete Ulrich Bremi ruhig und überlegen. In seinem Präsidialjahr hielt er zu allen Parlamentspräsidenten der europäischen Länder engen Kontakt und förderte das Verständnis für die Schweiz in Europa. Er hatte allergrössten Respekt vor den politischen Institutionen und betrachtete es als Privileg, für die Schweiz politische Verantwortung mitzutragen.

Ulrich Bremi war eine charismatische Persönlichkeit, ein echter Freisinniger mit Bodenhaftung, umgänglich und ohne Berührungsängste. Seine liberale Haltung vertrat er glaubwürdig, klar und geradlinig. Er war ein Mann der Tat, mit grosser Schaffenskraft, weitsichtig, mit Witz und Humor. Als einer der einflussreichsten und profiliertesten Politiker seiner Zeit stellte er seine Person jedoch nie in den Vordergrund. Stets ging es ihm um die Sache. Er wollte etwas gestalten und auf pragmatische Art gemeinsame Lösungen erarbeiten. Und als gelernter Mechaniker wusste er, welche Hebel zu betätigen sind, um im politischen Getriebe etwas zu erreichen.

Ulrich Bremi war zudem ein aufmerksamer Zuhörer. Andere Meinungen und kritische Einwände interessierten ihn. Er liess die Leute ausreden und fragte nach. Überhaupt waren für ihn das Interesse am Neuen, noch Unbekannten, die Neugierde und die sorgfältige Analyse zentral. Diese Offenheit und das Interesse für das Gegenüber, seine Fähigkeit zum Diskurs und zur Vermittlung, seine Zuverlässigkeit sowie seine warmherzige und freundliche Art wurden von seinen Kolleginnen und Kollegen sehr geschätzt. Die Offenheit für eine kritische Haltung zeigte sich auch im Jubiläumsjahr 1991, als er im Nationalratssaal Friedrich Dürrenmatts Stück "Herkules und der Stall des Augias" aufführen liess.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik stellte er seine Fähigkeiten der Öffentlichkeit zur Verfügung, etwa bei der Planung der vom Bundesrat 1997 lancierten Solidaritätsstiftung zur Linderung schwerer menschlicher Not im In- und Ausland.

Wir werden Ulrich Bremi als liebenswürdigen, engagierten und hochgeachteten Menschen und Politiker in Erinnerung behalten. Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie von Herzen mein Beileid aussprechen.

Im August erreichte uns eine besonders schmerzliche Nachricht: Mit Nicole Sauvain-Weisskopf, der stellvertretenden Protokollchefin der Parlamentsdienste, ist eine langjährige, engagierte und sympathische Mitarbeiterin während ihrer [PAGE 1544] Ferien in Thailand auf tragische Weise ums Leben gekommen. Nicole Sauvain-Weisskopf war eine fröhliche, positive und liebenswürdige Mitarbeiterin. Die Mitarbeitenden der Parlamentsdienste und viele von uns werden sie so in Erinnerung behalten. Es ist für uns alle kaum fassbar, was da geschehen ist; es fehlen ganz einfach die Worte. Ihrer Familie, ihren Freunden, aber auch all ihren Kolleginnen und Kollegen in den Parlamentsdiensten gilt unser tiefes Beileid.

Ich bitte Sie und die Besucher auf der Tribüne, sich zu erheben und der beiden Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.[GZ]

[VS][GZ]

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Der Rat erhebt sich zu Ehren der Verstorbenen [GZ]

L'assistance se lève pour honorer la mémoire des défunts