Widrig Hans Werner · Nationalrat · 2002-12-10
Widrig Hans Werner · Nationalrat · St. Gallen · Christlichdemokratische Fraktion · 2002-12-10
Wortprotokoll
Ich bin Mitglied des Initiativkomitees der Avanti-Initiative. Drei Gründe sind es, weshalb ich auch heute, also drei Jahre nach der Einreichung der Initiative, mit Überzeugung hinter der Initiative stehe:
1. Das Verhältnis der Kosten zur Sicherheit: Jeder Tunnel muss nach einer Generation, also nach dreissig Jahren, gesamtsaniert werden. Ist bei einer Sanierung nur eine Röhre vorhanden, werden die Kosten hoch ausfallen. Wenn bei Aufrechterhaltung des Verkehrs gleichzeitig gebaut werden muss, kommen Etappierungen, Unterbrüche, komplizierte, aufwendige Bauabläufe dazu, ausserdem volkswirtschaftliche Kosten für Wartezeiten, Zusatzkilometer usw. Das muss alles addiert werden. Die Kosten für die zweite Röhre werden durch das Nichtvorhandensein zweier Röhren während der Sanierungsarbeiten glatt wieder aufgehoben, oder ausgedeutscht: Zwei Röhren sind nicht teurer als eine Röhre, aber sicherer.
2. Das demokratische Verfahren: Der Souverän hat seinerzeit den Alpenschutz-Artikel angenommen; das ist zu respektieren. Aber auch Volksentscheide müssen aufgrund neuer Erkenntnisse, neuer Entwicklungen angepasst werden können. Die Initianten sind Demokraten und wollen diese Anpassung dem Souverän vorlegen.
3. Die Gesamtschau: Die Avanti-Initiative betrifft auch die Strecke Bern-Zürich, also die A1. Die Bahn absorbiert hier bereits heute 70 Prozent des Reiseverkehrs, was einen Transfer von der Strasse auf die Schiene schon etwas fragwürdig macht. Nicht genügend dimensionierte Autobahnen haben zur Folge, dass der Verkehr in die Dörfer ausweicht und diese verstopft; nicht zufällig ist die Unterstützung für die Avanti-Initiative im Kanton Aargau besonders gross. Hier sind doch Kapazitätslösungen gefragt, wie auch in der Romandie auf der Strecke zwischen Genf und Lausanne.
Fazit: Entgegen allen Behauptungen gehen die Schadstoffemissionen aus dem Verkehr laufend zurück. Auch der vielen lieb gewordene Satz, die Verbesserungen würden durch die Verkehrszunahme wieder aufgehoben, entbehrt jeder Grundlage. Die Initiative ist aktueller denn je, deshalb folgende Schlussbemerkung seitens des Initiativkomitees: Wir werden dem Gegenvorschlag der Kommissionsmehrheit zustimmen, wobei natürlich unser endgültiger Beschluss zur Avanti-Initiative vom Ausgang dieser Beratungen abhängt. Wir sind also in einer recht komfortablen Lage.