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Riklin Kathy · Nationalrat · 2002-12-11

Riklin Kathy · Nationalrat · Zürich · Christlichdemokratische Fraktion · 2002-12-11

Wortprotokoll

Während beim Bund und in allen Kantonen der Gürtel enger geschnallt werden muss, soll dies im Bereich des privaten Verkehrs nicht gelten. Verwechseln die Nationalräte, die das Heufuder zu einer masslosen Fuhr aufgeladen haben, ihre parlamentarische Verantwortung mit dem Weihnachtswunschzettel?

Die Avanti-Initiative und erst recht der Gegenvorschlag widersprechen all unseren Grundsätzen, die wir jahrelang verfolgt haben; der Schutz der Menschen und der Umwelt vor übermässigem Verkehr zählt nicht mehr. Wenn Sie sehen wollen, wie sich eine verfehlte Verkehrspolitik auswirkt, so können Sie dies auf der Autostrada del Sole zwischen Mailand, Bologna und Florenz oder aber auch beispielsweise im Ruhrgebiet studieren. Stauzeiten von mehreren Stunden gehören dort zum Alltag. Die Lastwagen beherrschen die Strassen - vom traurigen menschlichen Leid bei den fürchterlichen Unfällen gar nicht zu sprechen. Wenn Sie wollen, dass der Kanton Uri und die Leventina im Verkehr ersticken, sind Sie auf dem richtigen Weg. Wenn Sie wollen, dass unsere Milliardeninvestitionen für die Neat in den Sand gesetzt sein sollen, sind Sie auf dem richtigen Weg.

Wie man falsch investiert, können Sie am Zürcher Flughafen Unique heute schon studieren. Immerhin hat die Regierung des Kantons Zürich beim Gotthard Vernunft gezeigt: Sie lehnt den Bau der zweiten Gotthardröhre ab. Nicht so jedoch die SVP-Vertreter aus dem Kanton Zürich. Sie haben zwar bei der Zulassung der "40-Tönner" aufgeheult, nun spielen sie aber der EU wieder einen Ball zu. Der Druck aus Brüssel für mehr Strassenkapazitäten wird steigen.

Diesen Sommer konnte man schön beobachten, dass die Schlangen vor dem Gotthard beinahe gleich lang waren wie die Schlangen vor dem Zoll in Chiasso. Wir sind zum reinen Transitland unserer nördlichen Nachbarn geworden. Die Freizeit- und Feriengesellschaft des Nordens kann mit einer zweiten Röhre ungehinderter durch die Schweiz brausen. Das Tessin, welches schon heute mit grossen Strukturproblemen kämpft, wird im Transitverkehr ersticken.

Wenn Sie also noch mehr Durchgangsverkehr Basel-Chiasso und noch mehr Lastwagen auf den Strassen haben [PAGE 2046] wollen, dann stimmen Sie Ja. Ich meine aber: Avanti popolo, no grazie!