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Munz Martina · Nationalrat · 2021-09-15

Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-09-15

Wortprotokoll

Meine Motion fordert einen paritätischen Fonds, der durch Bund, Kantone und Arbeitgeber gespeist wird, um Weiterbildung und Umschulung von Menschen zu finanzieren, die aufgrund technologischer Neuerungen ihre Arbeit verlieren. 60 Prozent der Erwerbstätigen ohne Berufsabschluss bilden sich gemäss dem BFS beruflich nicht weiter. Diese Nichtteilnahme an der Weiterbildung verursacht für den Wirtschaftsstandort enorme Kosten. Diese Personen laufen Gefahr, mit den rasanten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt nicht Schritt halten zu können. Erwerbstätige, die sich nicht weiterbilden, sind stark gefährdet, arbeitslos zu werden und es auch zu bleiben.

Insbesondere die Arbeitsmarktfähigkeit geringqualifizierter Personen gilt es zu erhalten, da ihre Arbeit besonders stark durch die Digitalisierung und Automatisierung bedroht ist. Weiterbildung und Umschulung sind oft mit der Reduktion des Arbeitspensums sowie mit hohen Kosten verbunden. Für ältere Personen mit tiefem Lohnniveau, die mitten im Leben stehen und familiäre Verpflichtungen haben, sind diese Belastungen nicht finanzierbar. Mit einem Weiterbildungsfonds wird diesen Personen der Zugang zur Weiterbildung und damit zum Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit erleichtert.

Zwar ist der Stellungnahme des Bundesrates zu entnehmen, dass er die Problematik erkannt hat. Die erwähnten Massnahmen reichen allerdings nicht aus und greifen im Falle der ALV viel zu spät. In seiner Stellungnahme verweist der Bundesrat auch auf die Spitzenwerte der Schweiz bezüglich Weiterbildungsteilnahme. Dabei muss man wissen, dass es sich vor allem um Gutausgebildete handelt. Geringqualifizierte bleiben den Angeboten in der Regel fern.

Die OECD kritisiert deshalb die unzureichenden Umschulungsmassnahmen der Schweiz vor allem bei den Personen mit dem grössten Bedarf. Die Corona-Krise hat diese Problematik zusätzlich massiv verschärft. Einerseits steigt der Weiterbildungs- und Qualifizierungsbedarf stark an, weil viele Unternehmen in raschem Tempo ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen. Andererseits sinkt die Weiterbildungsteilnahme: Im Jahr 2020 ist sie um fast 20 Prozent eingebrochen. Wie eine aktuelle Umfrage des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung zeigt, reduzieren insbesondere KMU ihre Budgets für die Weiterbildung, weil sie sparen müssen. Der Handlungsbedarf ist also gross. Ohne Gegenmassnahmen wird die Schere zwischen Gutqualifizierten und Geringqualifizierten weiter aufgehen, was entsprechend negative Konsequenzen für den Arbeitsmarkt haben wird.

Es gibt noch einen weiteren Grund für die Schaffung eines Weiterbildungsfonds: Ein grosser Teil der Arbeitnehmenden in der Schweiz ist keinem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt und hat deshalb auch keinen Anspruch auf Förderung durch einen Berufsbildungsfonds. Es ist deshalb eine Realität, dass ein Grossteil der geringqualifizierten Arbeitnehmenden in der Weiterbildung weder auf die Unterstützung durch den Arbeitgeber noch auf die Unterstützung durch die Branche zählen kann. Mit dem vorgeschlagenen Weiterbildungsfonds wird diese Lücke gezielt geschlossen.

Ich bitte Sie: Unterstützen Sie den Weiterbildungsfonds für Geringqualifizierte, die sonst aufgrund des technologischen Wandels ihre Arbeitsmarktfähigkeit verlieren werden. [PAGE 1634]

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