Regazzi Fabio · Nationalrat · 2021-09-21
Regazzi Fabio · Nationalrat · Tessin · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2021-09-21
Wortprotokoll
Letzten Januar konnte man in der Presse von einem besonders krassen Fall lesen: Ein Mann aus der Romandie liess ein Kleinkind in Rumänien ab dessen erstem Lebensmonat während einem Jahr insgesamt 25 Mal vor laufender Kamera fürchterlich quälen und sah per Live-Streaming dabei zu. Aufgeflogen ist der Täter nur, weil die rumänische Polizei bei Ermittlungen gegen die Mutter des Kindes entsprechende Hinweise fand.
Schon für einen Betrag von 30 Franken werden Kinder zu Opfern schwerer sexualisierter Gewalt. Der Täter bezahlt, gibt Anweisungen und schaut zu. Die meisten Opfer leben im ostasiatischen Raum. Doch auch hierzulande werden Kinder Opfer dieses Verbrechens. Die Täterschaft ist auf der ganzen Welt und, wie wir immer wieder lesen können, auch bei uns in der Schweiz zu finden.
Die Zahl der Hinweise auf Kindesmissbrauch im Online-Bereich steigt seit Jahren immer weiter an. Die schweizerische Kriminalstatistik weist für 2020 erstmals detaillierte Zahlen zu Cyberkriminalität und auch zu Cyber-Sexualdelikten aus. Im Jahr 2020 wurden im Bereich des Live-Streamings 35 Straftaten registriert. Aus der Statistik geht nicht hervor, ob es sich dabei um von Dritten gegen Geld angebotene Missbräuche handelt oder ob diese Kinder von Erwachsenen mittels Cybergrooming zu sexuellen Handlungen überredet, gedrängt oder erpresst wurden. Unbekannt ist selbstverständlich auch die Zahl der Täter, die bisher nicht erwischt wurden. Die Verfolgung ist schwierig. Erstens sind die Live-Streams verschlüsselt und hinterlassen kaum Spuren. Zweitens bedingt die Aufklärung die internationale Zusammenarbeit mehrerer Strafverfolgungsbehörden. Drittens macht das ausgebeutete Kind keine Anzeige, und seine Angehörigen sind oft an der Tat beteiligt. [PAGE 1747]
Welche rechtlichen und welche anderen Massnahmen braucht es, damit diese Täter nicht von der Schweiz aus solche Verbrechen begehen können? Mit welchen Mitteln können jene, die es tun, gefasst werden? Wie werden digitale Avatare bei der Fahndung eingesetzt, und welche Erfahrungen werden damit gemacht? Auf diese Fragen verlangt mein Postulat eine Antwort.
Wir dürfen hier nicht wegschauen. Ich bitte Sie, dem Postulat zuzustimmen.