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Humbel Ruth · Nationalrat · 2021-09-22

Humbel Ruth · Nationalrat · Aargau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2021-09-22

Wortprotokoll

Wie so oft zeigt der Bundesrat in seiner Stellungnahme Verständnis für das Anliegen, beantragt aber dann doch die Ablehnung des Postulates, was enttäuschend ist.

In der Stellungnahme schreibt der Bundesrat, dass einiges zur Verbesserung der Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen laufe. Er verweist einerseits auf den Nationalen Gesundheitsbericht 2020, "Gesundheit in der Schweiz - [PAGE 1775] Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene". Dieser Bericht liegt inzwischen vor. Die Zahl der im Bericht vorgeschlagenen Massnahmen und der angesprochenen Bereiche ist gross. Das beginnt mit neuen Familienmodellen, geht über die psychische Gesundheit bis zur Gesundheitsförderung und Prävention, insbesondere auch im Umgang mit digitalen Medien. Andererseits schreibt der Bundesrat in seiner Antwort, dass der nationale Gesundheitsbericht sowie die Modelle zum Bestand und Bedarf an Ärztinnen und Ärzten in der Pädiatrie es erlauben werden, die Situation erneut zu beurteilen und über allfällige weitere Schritte zu entscheiden.

Der Zeitpunkt ist jetzt da, diesen Schritt zu machen. Dieses Postulat wurde vor zwei Jahren eingereicht. In der "NZZ" vom 10. September ist ein Artikel mit dem alarmierenden Titel "Nur noch ein Hausarzt für 5800 Personen? Berner Studie prognostiziert dramatische Versorgungslücken für einzelne Regionen" erschienen. Bis im Jahr 2025 müssen alleine im Kanton Bern mindestens 270 neue Haus- und Kinderärztinnen bzw. Haus- und Kinderärzte einsteigen.

Wir müssen uns in diesem Zusammenhang die Frage stellen, wie die Versorgung in den Bereichen der Kindermedizin bei einer Unterversorgung auch mit den verschärften Regelungen für die Zulassungssteuerung von ambulant tätigen Ärzten durch die Kantone sichergestellt werden kann. Dazu schreibt der Bundesrat in seiner Antwort auf die Interpellation Moser 21.3340, "Versorgungssicherheit in der Kindermedizin sicherstellen", dass es weder möglich noch nötig sei, Ausnahmebestimmungen bei Versorgungsengpässen vorzusehen. Er verweist auf einen Konsens, der an einem Workshop im Jahr 2016 gefunden wurde, wonach es in der Zuständigkeit und der Verantwortung der Kantone liegt, die Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Das stimmt, die Kantone sind verantwortlich für die Gesundheitsversorgung. Wie die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, muss es aber eine Verbundaufgabe von Bund und Kantonen sein, die Versorgungssicherheit in den verschiedensten Bereichen, in denen wir einen Mangel an Gesundheitspersonal haben, sicherzustellen.

Der Obsan-Bericht "Gesundheit in der Schweiz - Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene" und die Studie aus dem Kanton Bern belegen, dass viele Fragen zu klären sind und die drohende Unterversorgung in der Kinder- und Jugendmedizin angegangen werden muss, insbesondere in den vom Postulat erwähnten Bereichen. Ich möchte jetzt nicht mehr näher darauf eingehen. Die zunehmende Versorgungsproblematik in der Kinder- und Jugendmedizin hat sich in der Corona-Krise akzentuiert und bedarf umso mehr einer nationalen Strategie zur Stärkung der Kinder- und Jugendmedizin.

In diesem Sinne bitte ich Sie, das Postulat anzunehmen.