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Schneider Meret · Nationalrat · 2021-09-23

Schneider Meret · Nationalrat · Zürich · 2021-09-23

Wortprotokoll

Beim Thema der Verlängerung des Gentech-Moratoriums besteht die Gefahr, dass die Debatte als eine Dichotomie zwischen sogenannt forschungsfreundlichen, wissenschaftsaffinen Gentech-Befürworterinnen und -Befürwortern und forschungsfeindlichen, konservativen Naturfreundinnen und Naturfreunden missverstanden wird. Ich teile die Begeisterung für die Wissenschaft von Herrn Wasserfallen absolut, doch warne ich davor, die Genom-Editierung auf die Komplexität eines Scherenschnitts herunterzubrechen. Tatsächlich handeln wir nämlich im Sinne wissenschaftlicher Prinzipien, wenn wir vor der Einführung von Produkten eine sorgfältige Risikoanalyse[NB]durchführen[NB]und[NB]eine belastbare Datengrundlage erarbeiten.

Aus folgenden Gründen befürworten wir Grünen daher die Verlängerung des Gentech-Moratoriums um vier Jahre: Zum einen geht es hier um Lebensmittel. Es geht um eine Landwirtschaft, die frei ist von gentechnisch modifizierten Organismen (GMO), und nicht - eben nicht, wie oft fälschlicherweise behauptet wird - um die Forschung oder um den medizinischen Teil. Es geht nur um die Landwirtschaft. Die Gentechnologie und insbesondere neue Verfahren wie Crispr/Cas sind absolute Plattformtechnologien und können in diversen Bereichen mit Sicherheit noch wertvolle Dienste leisten. Es gilt, hier weiterzuforschen und Möglichkeiten der Anwendung zu prüfen. All dies kann und soll trotz des Moratoriums weiterhin geschehen.

Zum andern spricht auch die schnelle Weiterentwicklung gentechnischer Verfahren für eine weitere Verlängerung des Moratoriums. Diese neuen Technologien ermöglichen eine gezielte Veränderung des Erbgutes, was bisher mit den herkömmlichen Methoden und in dieser Präzision nicht möglich war. Mit den neuen gentechnischen Verfahren lassen sich Eigenschaften erzeugen, die in konventionellen Pflanzen vorkommen oder die wir, wie die Herbizidtoleranz, von gentechnisch veränderten Pflanzen bereits kennen.

Es herrscht die Ansicht vor, dass diese neuen Verfahren ein Innovationspotenzial bergen und neue Möglichkeiten und Chancen eröffnen. Die Eingriffe werden damit aber auch komplexer. Wenn Sie wollen, dass sich die Fruchtgrösse, der Nährstoffgehalt, die Lagerfähigkeit, die Trockentoleranz oder die Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel einer Pflanze verändert, müssen erhebliche Veränderungen in den Zellen der Pflanzen vorgenommen werden. Das kann Auswirkungen auf die Ökosysteme und auf die Biodiversität haben, die wir aktuell schlicht noch nicht verstehen.

Zu guter Letzt bestehen bezüglich neuer Verfahren wie Crispr/Cas geringe Kenntnisse, und es liegen auch nur wenig belastbare Daten vor. Es geht bei diesen Entwicklungen mit neuen gentechnischen Verfahren um Chancen und Risiken. Daher gilt es, beides im wissenschaftlichen Sinne zu gewichten. Zu den Risiken gehören beispielsweise unerwünschte oder nicht identifizierbare Änderungen des Erbgutes mit unter Umständen unerwünschten Folgen für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. Für eine Risikoanalyse fehlen derzeit ausreichende wissenschaftliche Daten und Erfahrungswerte. Es gibt ausserdem offene Fragen, gerade zur Anwendung des geltenden Rechts, zum Vollzug bei der Anwendung dieser Verfahren und zum Inverkehrbringen der daraus entstandenen GMO-Produkte. Es fehlen Regelungen der Distanz zwischen den Produktionsstandorten mit und [PAGE 1842] ohne GMO. Gerade dies sind Fragen, die für die Landwirtschaft von zentraler Bedeutung sind.

Angesichts der wenig belastbaren Datengrundlage, der potenten Risiken und des aktuell für die Schweiz nicht erwiesenen Nutzens einzelner Züchtungen fällt die Gewichtung der Chancen und Risiken leicht. Wir verlieren nichts, absolut nichts, wenn wir das Moratorium unterstützen, sondern wir gewinnen Zeit, um weiterzuforschen, und bewahren uns vor den Konsequenzen einer vorschnellen Einführung gentechnisch veränderter Lebensmittel. Mit dem Postulat der WBK erteilen wir dem Bundesrat zudem den Auftrag, wichtige Fragen zu klären, damit wir in vier Jahren eine faktenbasierte Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen können.

Wir von der grünen Fraktion bitten Sie daher, beides zu unterstützen.