Lexipedia

Egger Mike · Nationalrat · 2021-12-14

Egger Mike · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-12-14

Wortprotokoll

Bei dieser Initiative ist schon der Titel verfehlt und grenzt an Irreführung der Schweizer Stimmbevölkerung. Gemäss der Initiative sprechen wir von einer Massentierhaltung, wenn das Tierwohl systematisch verletzt wird. Eine systematische Verletzung des Tierwohls ist in der Schweiz aufgrund des Gesetzes gar nicht möglich. Um eines in diesem Saal klarzustellen: In der Schweiz gibt es keine Massentierhaltung. Ganz im Gegenteil: Die Schweiz ist in Bezug auf Tierwohl weltmeisterlich unterwegs. Wissen Sie, warum? Weil unsere Schweizer Landwirte, weil unsere Schweizer Fleischfachleute täglich mit viel Leidenschaft und Begeisterung frühmorgens - ja, Herr Wermuth, vor acht Uhr morgens - zur Arbeit gehen.

Diese Initiative ist nichts anderes als ein Kreuzzug gegen die Schweizer Fleisch- und Landwirtschaft. Als gelernter Fleischfachmann kann und will ich eine solche Unterstellung, eine solche Schmutzkampagne gegen meine Branche nicht akzeptieren. Die Gegner der Fleisch- und Landwirtschaft haben ein 3-Phasen-Angriffsmodell entwickelt, um die Fleischproduktion sowie den Fleischkonsum schlechtzureden:

1. Fleisch ist nicht nachhaltig und klimaschädlich.

2. Der Fleischkonsum verursacht Tierleid.

3. Der Fleischkonsum ist ungesund.

Zur ersten Behauptung: Fakt ist, die Schweizer Landwirtschaft hat ihre Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2016 bereits um 11,4 Prozent reduziert. Fakt ist, die Schweiz ist ein Grasland mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von einer Million Hektaren, und davon sind 600[NB]000 Hektaren Wiesen und Weiden. Da ist eine Nutztierhaltung extrem wichtig, denn ansonsten würden diese 600[NB]000 Hektaren verbuschen, zu Wald oder im schlimmsten Fall zu Bauland werden. Von 1960 bis 2008 hat sich die Ackerfläche weltweit pro Kopf halbiert. Ergo: Grünfläche nicht zur Ernährung zu nutzen, ist riskant und führt am Schluss zu Mehrimporten.

Zur zweiten Behauptung, "Fleischkonsum verursacht Tierleid": Global hat die Schweiz eines der strengsten Tierschutzgesetze überhaupt. Zudem dürften die Höchstbestände einzigartig sein. Bei den Legehennen sprechen wir von 18[NB]000 Tieren, bei den Mastschweinen von 1500 Tieren, bei den Mastkälbern von 300 Tieren. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es Betriebe mit 600[NB]000 Tieren!

In der Schweiz fördert der Staat die verantwortungsvolle Tierhaltung beispielsweise mit dem freiwilligen BTS-Programm, bei dem 57,2 Prozent aller Landwirte mitmachen, sowie mit dem RAUS-Programm, an dem sich 85,6 Prozent aller Landwirte beteiligen. In der Unternehmung, in der ich neben meinem Mandat als Nationalrat arbeite, verarbeiten wir zu 70 Prozent Label-Tiere. Bereits in den Neunzigerjahren hat die Schweiz die Verfütterung von Antibiotika sowie den Einsatz von Hormonen als Leistungsförderer verboten. Auch beim Tiertransport ist die Schweiz vorbildlich unterwegs: In der Schweiz gilt eine reine Fahrzeit von 6 Stunden, die Europäische Union hat Fahrzeiten von bis zu 24 Stunden am Stück. Auch das Mindestplatzangebot für die Tiere beim Transport oder in den Wartebuchten im Schlachthof ist streng geregelt.

Ebenfalls besteht für Transporteure und Fleischfachleute eine Weiterbildungspflicht. In den Schlachthöfen, vor allem in den grösseren, werden die Prozesse permanent weiterentwickelt. So haben wir Tierschutzbeauftragte, wir haben Musik für die Tiere, wir haben Licht, wir haben Sprühregen, wir haben eine konstante Wasserversorgung. Ich frage mich schon: Was sollen wir noch alles tun, um den Initiantinnen und Initianten gerecht zu werden?

Zur dritten Behauptung, "Fleischkonsum ist ungesund": Auch hier muss ich widersprechen. Fleisch enthält hochwertiges Eiweiss, Eisen, Zink, Vitamin A, Vitamin B - das sind alles wichtige Nährstoffe für die Entwicklung des menschlichen Körpers.

Als gelernter Fleischfachmann kann ich Ihnen versichern, dass wir täglich alles daransetzen, Tierwohl, Nachhaltigkeit und Gesundheit zu gewährleisten und entsprechend weiterzuentwickeln. Das wollen wir weiterhin tun - aber am runden Tisch mit allen Anspruchsgruppen der Branche. Anstatt unsere Branche permanent zu verunglimpfen, würden viele in diesem Rat gut daran tun, für einmal Danke zu sagen für die weltweit beste Lebensmittelproduktion überhaupt.

Die vorliegende Initiative sowie der direkte als auch der indirekte Gegenentwurf bringen keinen Mehrwert. Sie verteuern die Lebensmittel massiv, fördern den Import und schwächen die Schweizer Lebensmittelproduktion zum Nachteil einer gesicherten Landesversorgung grundlegend.

Ich bitte Sie aus tiefster Überzeugung, diese weltfremden, überflüssigen und rufschädigenden Forderungen entsprechend abzulehnen. Herzlichen Dank! Ich freue mich auf die Fragen.