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preparatory:AB 294476

Girod Bastien · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2021-12-15

Wortprotokoll

Mit der Initiative wollen wir ein Leben vor dem Poulet, ein Leben vor dem Schnitzel, ein Leben vor dem "Zürigschnätzlets", ein Leben, das der Tierwürde gerecht wird.

Was die Initiative fordert, sollte eigentlich selbstverständlich sein: keine Massentierhaltung. Dabei wird "Massentierhaltung" klar definiert als eine technisierte Tierhaltung in Grossbetrieben, bei der das Tierwohl systematisch - systematisch! - verletzt wird. Damit wird nichts Unmögliches gefordert, im Gegenteil: Viele Betriebe erfüllen diese Anforderung bereits heute. Dank einer Übergangsfrist von 25 Jahren ist es auch für die Betriebe, die das noch nicht erfüllen, kein Problem, den Strukturwandel zu vollziehen.

Wenn man von Massentierhaltung spricht, denken viele, es gebe in der Schweiz gar keine Massentierhaltung. Das hat natürlich mit der Werbung zu tun. Es wurde oft erwähnt, dass die Werbung, die gemacht wird, alle Anforderungen dieser Initiative erfüllt. Das Problem ist eben, dass die Massentierhaltung in der Werbung nicht gezeigt wird - und wir haben auch in der Schweiz Massentierhaltung.

Es geht nicht nur um die Bewerbung von Schweizer Fleisch, obwohl es auch diese Werbung ist, die dazu führt, dass das RAUS-Label weniger nachgefragt wird: Wenn man natürlich in der Werbung so tut, als ob alles okay sei, fragt sich der Konsument, wieso er dann noch ein Zusatzlabel braucht. Von dem her ist diese Werbung irreführend. Bei der Initiative geht es darum, die Diskrepanz zwischen Realität und Werbung zu reduzieren.

Nehmen wir die Werbung der Migros mit dem Huhn, das glücklich durch die halbe Schweiz läuft und dann ein Ei legt. Leider ist es so, dass 90 Prozent der Masthühner nicht hinauskönnen. Wir haben es mit Hühnern zu tun, die in Ställen mit über 2000 Artgenossen leben. Zuweilen leben bis zu 27[NB]000 Hühner in einem Stall auf kleinstem Raum und treiben sich gegenseitig in den Wahnsinn. Das ist eine systematische Verletzung des Tierwohls, die wir auch bei gewissen Schweinen und Rindern haben.

Herr Ritter, Sie haben gesagt, wenn wir diese Tiere hinauslassen würden, dann würde das zu Geruchsimmissionen für die Nachbarn führen, dann würde es stinken. Ich glaube, wir müssen hier gewisse Überlegungen anstellen. Ich verstehe, dass das für die Nase vielleicht nicht so angenehm ist. Es stellt sich aber die Frage nach dem Tierwohl. Wenn man die Tiere nicht hinauslässt, weil es stinkt, dann ist das Tierwohl verletzt, weil sie eben nie rausgehen können. Hier braucht es halt ein Umdenken. Man muss sich fragen, ob es Sinn macht, Tiere zu halten, die man gar nicht hinauslassen kann, weil das sonst zu Geruchsimmissionen führt. Hier braucht es ein Umdenken. Viele Betriebe zeigen, dass das möglich ist.

Ein weiteres gutes Argument für die Initiative und gegen den Gegenentwurf des Bundesrates ist, dass der Import geregelt wird, dass also gesagt wird, auch der Import müsse diese Anforderungen erfüllen. Es ist möglich, das gegenüber der WTO durchzusetzen, denn die WTO sagt einfach, es brauche eine Gleichbehandlung von Produkten. Man darf nicht für den Import etwas verlangen, was man in der Schweiz nicht verlangt. Von dem her ist das ein durchdachter, guter Ansatz.

Im Sinne eines Lebens vor dem Schnitzel, eines Lebens vor dem Poulet, eines Lebens vor dem "Zürigschnätzlets" und für die Tiere, für mehr Tierwürde und Tierwohl bitte ich Sie, diese Initiative zu unterstützen.