Schneider Schüttel Ursula · Nationalrat · 2021-12-15
Schneider Schüttel Ursula · Nationalrat · Freiburg · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-12-15
Wortprotokoll
Ich komme auch gerade auf die Poulets zu sprechen. Eine Arbeitskollegin von mir hat im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens - das ist einige Jahre her - eine Pouletmasthalle besucht. Sie kam von diesem Augenschein zurück und sagte, sie würde nächstens sicher keine Poulets mehr essen. Sie war dermassen entsetzt über die Masse an Tieren, die in dieser Halle zusammengepfercht waren, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes keinen Appetit mehr hatte.
Die Initiative "Keine Massentierhaltung in der Schweiz" rückt die Würde der Nutztiere in den Vordergrund. Sie thematisiert die schleichende Industrialisierung der landwirtschaftlichen Produktion. Die landwirtschaftliche Tierhaltung - ich spreche hier weder von Biolabeln noch von anderen Labeln, nach denen Tiere gehalten werden, noch von kleinen Bauernbetrieben - hat je länger, je mehr nichts mehr mit dem landläufigen und verklärten Bild eines Bauernbetriebs mit freilaufenden Hühnern und Kälbern oder horntragenden Kühen auf Blumenwiesen zu tun, wie es uns die Werbung vermitteln will. Um die heutigen Mengen an Fleisch zu produzieren, sind viele Tonnen importiertes Kraftfutter notwendig. Das führt in der Folge zu entsprechenden Umweltschäden. Die gesetzlich festgelegten Umweltziele werden von der Schweizer Landwirtschaft nicht eingehalten. Die Stickstoffemissionen sind hoch und gefährden die Biodiversität. Die grosse Zahl von gehaltenen Tieren führt zu hohen Treibhausgasemissionen.
Die Initiative wirft nicht nur die Frage der Tierwürde auf. Ich finde, diese Initiative bietet auch die Gelegenheit, die negativen ökologischen Auswirkungen einer zu intensiven Tierproduktion in der Schweiz zu thematisieren: die Ammoniak- und Phosphorbelastungen, die Treibhausgasemissionen, den Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung, die Futtermittelimporte. Die Initiative bietet ausserdem die Gelegenheit, die Höhe des Fleischkonsums zu hinterfragen. Ich bin überzeugt, dass viele Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landes ähnlich wie meine frühere Arbeitskollegin reagieren würden, wenn sie sich der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft und der damit verbundenen negativen Auswirkungen bewusst würden.
Zugunsten einer gesunden Umwelt und damit der kommenden Generationen ist ein Umdenken in der Landwirtschaft zur Tierhaltung und letztlich in unserem Konsumverhalten notwendig. Ich möchte eine standortgerechte, umweltfreundliche Landwirtschaft. Ich möchte gesunde Produkte konsumieren, die von Tieren stammen, die tierfreundlich gehalten wurden. Ich möchte mit dem Konsum von tierischen Produkten nicht dazu beitragen, die Umwelt weiter zu belasten. Die Umwelt wird dann profitieren, wenn die Tierbestände zurückgehen. Wie hoch der Rückgang sein wird, wird von der Umsetzung der Initiative auf Gesetzes- und Verordnungsstufe abhängen. Der Bundesrat wird mit einer entsprechenden Vorlage kommen, und letztlich werden wir, das Parlament, noch einiges zu sagen und zu diskutieren haben. [PAGE 2620]
Die Landwirtschaft profitiert von Milliarden von Franken in Form von Direktzahlungen. Diese Steuergelder sollen in eine Landwirtschaft fliessen, die bezüglich Tierwohl vorbildlich ist, die Umwelt schont beziehungsweise eine intakte Umwelt anstrebt und die Umweltbelastungen reduziert. Ich werde diese Initiative jedenfalls unterstützen, um meiner Forderung nach einer umweltfreundlicheren Tierhaltung und einer standortgerechteren und ökologischeren Landwirtschaft Nachdruck zu verleihen.