Gafner Andreas · Nationalrat · 2021-12-15
Gafner Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-12-15
Wortprotokoll
In der Schweiz existiert keine Massentierhaltung. Die Massentierhaltungs-Initiative fordert, dass der Bund die Würde der Tiere in der [PAGE 2622] landwirtschaftlichen Tierhaltung schützt. "Würde" wird definiert als nicht in Massentierhaltung zu leben. In der Schweiz sind die Höchsttierbestände in der Fleisch- und Eierproduktion per Verordnung geregelt. Die Platzansprüche sind pro Tier festgelegt, und bei einer Überbelegung gibt es Sanktionen, Sanktionen, die finanziell wehtun.
Weiter heisst es im Text, dass Massentierhaltung eine technisierte Tierhaltung in Grossbetrieben zur Gewinnung möglichst vieler tierischer Produkte sei, bei der das Tierwohl systematisch verletzt werde. Die Bestandeszahlen sind, wie schon erwähnt, gegen oben begrenzt. Zu sagen, das Tierwohl werde bei hohen Tierzahlen systematisch verletzt, ist eine bösartige Unterstellung an die produzierende Landwirtschaft. Aus meiner zwanzigjährigen Erfahrung als Tierschutzkontrolleur kann ich sagen, dass das Tierwohl nichts mit der Tierzahl auf dem Betrieb zu tun hat, sondern vielmehr mit der Infrastruktur, dem Betriebsmanagement und der Eignung des Betriebsleiters. Ich kann auch bestätigen, dass z. B. ein Schweinemastbetrieb mit einer Tierzahl nahe der zulässigen Obergrenze bei einer Tierschutzkontrolle unter Umständen besser abschliesst als ein Betrieb, in dem es nur wenige Tiere sind. Ich betone es abermals: Das Tierwohl steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Anzahl Tiere auf dem Betrieb. Das sage ich Ihnen heute hier als Praktiker.
Unternehmerisches Denken und zu produzieren, was der Markt verlangt, dies wurde in der Vergangenheit von der Landwirtschaft gefordert. In der Folge fand dadurch eine Spezialisierung statt. Betriebe, die sich neu ausgerichtet haben, würden mit der Annahme dieser extremen Forderungen schwer zurückgeworfen. Dazu kommt die raumplanerische Komponente. Zahlreiche Hallen, z. B. für Pouletmast, sind auf die geltenden Höchstbestände hin geplant und gebaut worden. Es ist doch absurd, in einer Halle für 18[NB]000 Poulets nur noch 2000 und in der Ausmast sogar nur noch 500 Stück zu halten. Der Platzverschleiss wäre immens, und um unsere Bevölkerung weiterhin mit genügend Lebensmitteln aus Schweizer Produktion zu versorgen, müssten unzählige kleinere oder mobile Ställe erstellt werden. Der Druck auf den Boden dürfte zunehmen.
Zudem muss man sich bewusst sein: Jemand, der nach geltendem Recht in eine Masthalle investiert hat, kann nicht so einfach auf eine x-fach tiefere Produktion umstellen, ohne wirtschaftlich grossen Schaden zu erleiden. Schweine- und Pouletmast sowie die Eierproduktion werden dadurch in der Schweiz infrage gestellt.
In Bezug auf meine Interpellation 20.1046, "Schweizer Tierschutz im internationalen Vergleich", schrieb der Bundesrat letztes Jahr in seiner Antwort klar: "In der Schweiz werden deutlich mehr für den Tierschutz relevante Bereiche geregelt als in den angrenzenden Ländern." Betreffend ausreichendes Platzangebot schrieb der Bundesrat, dass im Gegensatz zur Schweiz in der EU detaillierte Richtlinien zur Haltung von Milch- und Mastvieh, Schafen, Ziegen und Pferden sowie von Geflügelarten weitgehend fehlen. Österreich sei auf einem ähnlichen Niveau wie die Schweiz, jedoch seien Frankreich und Italien deutlich unter dem Schweizer Niveau.
Nicht besser als die Initiative schneidet meiner Meinung nach der direkte Gegenentwurf des Bundesrates ab. Die Bewegung und das Tierwohl in Ehren, aber man kann nicht auf der einen Seite einen Nährstoffabsenkpfad vorantreiben und auf der anderen Seite bei der nächsten Gelegenheit die eingesparten Emissionen zum Teil wieder freisetzen. Der Gegenentwurf setzt vor allem auf mehr Auslauf für Nutztiere. Hier sehe ich einen Frontalangriff auf viele Anbindeställe. Gerade im Berggebiet, aber auch auf vielen kleineren Betrieben ist der Anbindestall nach wie vor weit verbreitet und eine sinnvolle Variante, die auch Vorteile haben kann, zum Beispiel emissionsmässig, aber auch vom Platzbedarf her. Zudem sind auch hier bei der Tierhaltung schon Fortschritte erzielt worden.
Beim Tierwohl sind doch in den letzten Jahren massive Fortschritte erzielt worden. Zudem gibt es einige Labels, die höhere Standards beim Tierwohl fordern und die zusätzlichen Leistungen in Form einer zusätzlichen Prämie abgelten. Leider verschlingt oft der Handel den grossen Teil der Marge, und den Produzenten bleibt am Schluss zu wenig. All das wird regelmässig kontrolliert. Ich wage hier zu sagen, dass in der Schweiz qualitativ sehr gute Kontrollarbeit geleistet wird. Die Kontrollfirmen müssen akkreditiert sein und sämtliche Vorgaben erfüllen.
Ich komme zum Schluss: Ich bitte Sie, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und den direkten Gegenentwurf des Bundesrates abzulehnen, beim Antrag auf Rückweisung an die Kommission mit der Mehrheit zu stimmen und die Rückweisung abzulehnen. Ich danke Ihnen im Namen meines Berufsstandes.