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Rüegger Monika · Nationalrat · 2021-12-15

Rüegger Monika · Nationalrat · Obwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-12-15

Wortprotokoll

Wer ist schon gegen eine Massentierhaltungs-Initiative? Es handelt sich wieder mal um eine Initiative, die verfänglich gut tönt und trotzdem nicht ganz ehrlich ist. Wir kennen die Bilder aus dem Ausland, wo Tiere in Käfigen eng zusammengerückt leben oder keinen Auslauf haben. Das trifft in der Schweiz nicht zu! Denn wir haben eben keine Massentierhaltung, gerade weil wir das strengste Tierschutzgesetz der Welt haben.

Die Initiative verfolgt ein ganz anderes Ziel, wir haben das vorhin auch schon gehört: Der Konsum von Fleisch soll reduziert werden. Die Leute sollen umerzogen werden, sie sollen weniger Fleisch essen. Wie macht man das? Man schränkt die Produktion ein, und man macht das Produkt teurer. Damit fördert man einzig den Import und bestraft das Inland. Den Import von Fleisch- und Geflügelprodukten zieht man der einheimischen Produktion mit Tieren vor, die notabene nach den Richtlinien des strengsten Tierschutzgesetzes aufgezogen werden. [PAGE 2626]

Meine Region, die Alpen- und Voralpenregion, wäre genauso betroffen. In der Kleinräumigkeit unserer Region können die Bauern nicht auf Getreide- oder Gemüseanbau umstellen, weil das weder das hügelige Terrain noch die Bodenbeschaffenheit noch die alpine Lage zulässt. Wir sind auf Graswirtschaft, auf Milchwirtschaft und Fleischproduktion, angewiesen. Ja, wir Menschen können nun mal nicht Gras fressen!

Die Konsumenten profitieren nicht nur von einheimischen, gesunden Produkten - Fleisch, Milch und Eier -, sondern all diese Tiere düngen auch die Landschaft auf natürliche Weise. Die Landschaft wird gepflegt und die Biodiversität gefördert. Das geht nicht mehr, wenn die für Schweizer Verhältnisse kleinen Betriebe in den Alpenregionen mit Kleinstrukturen und mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 30[NB]000 Franken pro Familie ihren Tierbestand noch reduzieren müssen.

Einmal soll der Bauer wirtschaftlicher produzieren und den Betrieb vergrössern, und jetzt soll der Viehbestand wieder reduziert und die Produktion verringert werden.

Regelmässiger Auslauf im Freien tönt genauso gut. Jedem Tier gönnen wir das Tageslicht. Ist Ihnen aber auch bewusst, wie solche Vorgaben zu einer Herausforderung werden, wenn im Alpenbereich während vier bis fünf Monaten über ein Meter Schnee liegt, der Platz vor dem Stall vereist ist und der Bauer erstens in Sorge darüber ist, dass seine Kühe nicht die "Scheichen" brechen, und er zweitens die Kühe buchstäblich rausprügeln und hinter sich die Stalltüre verriegeln muss, weil das Vieh sonst freiwillig sofort wieder in den Stall läuft? Sind solche Initiativen und der Gegenentwurf nicht gerade gegen das Tierwohl?

Mit der Massentierhaltungs-Initiative entscheiden wir uns für unkontrollierte Importfleischprodukte und gegen unser einheimisches Fleisch. Wenn schon, dann seien Sie doch bitte so ehrlich und sagen Sie den Leuten, dass Sie mit solchen Initiativen weniger Nutztiere und weniger Bauern in der Schweiz wollen!

Ich vertraue auf Schweizer Fleisch, denn ich weiss nicht, was im importierten Fleisch drin ist und wie diese Tiere gehalten wurden. Ich will wissen, was auf meinem Teller landet.

Darum: Schaden wir uns in der Schweiz doch nicht selber, empfehlen wir eine solche Initiative zusammen mit dem Gegenentwurf zur Ablehnung!