Wasserfallen Christian · Nationalrat · 2022-03-02
Wasserfallen Christian · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion · 2022-03-02
Wortprotokoll
Endlich, kann man sagen, bewegt sich im Bereich der neuen Züchtungstechnologien etwas. Es ist das erste Mal seit der Moratoriumsabstimmung im Jahr 2005, dass sich das Parlament in Bezug auf neue gentechnische Verfahren und allgemein in Bezug auf gentechnische Verfahren zu einem Ablauf bekennt und sagt: Ja, wir wollen in eine Richtung gehen, in der wir die neuen Technologien nutzen. Ich danke an dieser Stelle allen beteiligten Organisationen und Kräften, die den Antrag, wie er Ihnen jetzt in der Mehrheitsfassung vorliegt, auf Berndeutsch gesagt, "zusammengestiefelt" haben. Es war wirklich ein hartes Ringen. Ich danke all diesen Organisationen und auch der Wissenschaft, die uns auf dem Weg, einen solchen Antrag zu zimmern, begleitet haben.
Es ist so, dass die Wissenschaft eigentlich schon seit Jahren immer wieder gesagt hat: Macht einen mutigen Schritt, wir sind bereit dazu. Die Wissenschaft hat nicht zuletzt auch im Nationalen Forschungsprogramm 59 lang und breit darüber diskutiert, wie es in Bezug auf Risiken und Koexistenzproblematiken bei gentechnologisch veränderten Pflanzen aussieht. Es ist eigentlich bis heute unbestritten, dass Pflanzen, die durch solche Methoden gezüchtet werden, vor allem eines sind: normale Pflanzen. Es gibt keine besonderen Risiken, die von diesen Pflanzen ausgehen, Koexistenzen sind möglich; das der im Nationalen Forschungsprogramm 59 enthaltenen langen Rede kurzer Sinn.
Deshalb kann heute der grosse Tag sein, an dem wir uns wieder einen Schritt weiter befinden als das Nationale Forschungsprogramm 59. Wir befinden uns nämlich bei den neuen Züchtungstechnologien und Züchtungsmethoden, wo es eben darum geht, eine gezielte Mutagenese machen zu können. Das ist ja genau die grosse Chance.
Apropos Mutagenese: Diese Züchtungsmethode existiert schon seit Jahrzehnten. Der Unterschied ist einfach, dass man das Saatgut zum Beispiel mit Bestrahlungstherapien verändert hat, um irgendwelche Veränderungen zu bewirken. Die Mutagenese ist übrigens vom Europäischen Gerichtshof als Gentechnik klassifiziert worden, hat aber im Gegensatz zu den neuen Züchtungsmethoden eine Ausnahmeregelung erhalten.
Sie müssen heute Folgendes für sich entscheiden: Ist es logisch und sinnvoll, dass diejenigen Züchtungsmethoden, bei welchen man nicht genau weiss, was man tut, also die traditionelle Mutagenese, die sogar im Biolandbau eingesetzt wird, heute erlaubt sind - Sie alle konsumieren Produkte aus diesen Züchtungsmethoden -, wenn gleichzeitig die Mutagenese, bei welcher man ganz gezielt mit der Genschere ansetzt und genau und nachvollziehbar weiss, was man gemacht hat, nicht erlaubt sein soll? Das ist im Prinzip die einfache Frage, die Sie heute beantworten müssen. Es ist ja logisch und liegt auf der Hand: Es macht keinen Sinn, wenn man die zufälligen Entwicklungen einer Mutagenese erlaubt, aber die gezielte, nachvollziehbare, wissenschaftlich viel stärker erklärbare Mutagenese nicht erlaubt ist. Das ist unsinnig. Machen wir hier also einen Schritt weiter.
Wie gesagt, im Biolandbau existieren heute schon Produkte, die mit der klassischen Mutagenese hergestellt wurden. Sie konsumieren die Produkte schon heute. Wo ist dann also genau das Problem? Wenn wir uns in der Landwirtschaft mit Blick auf die künftige Ernährungssicherheit, den Klimawandel, neue Krankheiten und auf weniger Wasser möglichst rasch und gezielt einstellen wollen, dann sind gerade die neuen Züchtungsmethoden sehr wertvoll. So kann man schnell, gezielt und nachvollziehbar neue Produkte kreieren, die nicht auf Zufall beruhen und die dann eben nicht irgendwelche unerklärbaren Mutationen ergeben. Sie alle wollen ja, dass man sauberes Trinkwasser hat; Sie alle wollen, dass man zum Beispiel Pflanzenschutzmittel reduziert; Sie alle wollen Resistenzen gegenüber Mehltau, Pilzkrankheiten usw. fördern. Aber dann machen Sie auch den Schritt in Richtung der neuen Züchtungsmethoden, damit man dort einen Schritt weiterkommt.
Zum Schluss kann ich sagen, dass die Wissenschaft diesen Antrag vollständig unterstützt: ETH, Swissuniversities, Akademien usw. - alle sind dafür. Der Verein "Sorten für morgen" ist dafür, und auch der Schweizerische Bauernverband ist dafür. An all jene, die jetzt noch nicht überzeugt sind: Wenn all diese Kreise sich für die Gentechnik von morgen einsetzen, dann ist der Antrag gut. Machen Sie diesen mutigen Schritt. An Tagen wie diesen haben wir hier drin echt die Möglichkeit, etwas zu verändern.