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Weichelt Manuela · Nationalrat · 2022-03-03

Weichelt Manuela · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2022-03-03

Wortprotokoll

Krise um Krise - und auch die Klimakrise ist Wirklichkeit. Die medizinische Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte im Jahre 2019 einen Bericht zu den Folgen des Klimawandels. Die Autorinnen und Autoren schreiben insbesondere, dass ein heute geborenes Kind eine Welt erleben wird, die 4 Grad wärmer ist als die Durchschnittstemperatur in der vorindustriellen Zeit, wobei der Klimawandel die menschliche Gesundheit von der Kindheit und der Jugend an bis zum Erwachsenenalter und dem Alter beeinflusst. Das Horrorszenario einer um 4 Grad wärmeren Temperatur wollen wir ja gerade mit der Gletscher-Initiative verhindern.

Gemäss den Autorinnen und Autoren haben die vermehrten Hitzewellen und die erhöhte bodennahe Ozonkonzentration eine höhere Zahl von Hitzschlägen, Herzinfarkten, akutem Nierenversagen usw. zur Folge. Aufgrund des Klimawandels gefährden wir die Gesundheit unserer Bevölkerung durch Infektionskrankheiten, welche vermehrt durch Zecken und Mücken übertragen werden. Die Auswirkungen unseres menschengemachten Klimawandels sind bedrohlich. Wir wissen: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Die beste Vorsorge bei Klima und Gesundheit ist die rasche Verringerung unseres Ausstosses von Treibhausgasen. Wir wissen auch, dass die Erwärmung bereits jetzt zu einer deutlichen Zunahme extremer Wetterereignisse und zu einem starken Druck auf die Ernährungssicherheit in den südlichen Ländern führt. Eine zusätzliche globale Erwärmung von nur 0,5 Grad bedeutet unter anderem, dass durch den Anstieg des Meeresspiegels riesige Küstengebiete unbewohnbar werden oder dass es im Mittelmeerraum im Sommer zu Wasserknappheit kommen wird.

Laut Schätzungen der Weltbank wird die klimabedingte Migration in den nächsten dreissig Jahren, wenn wir so weitermachen, über 140 Millionen Menschen betreffen. Die Klimakrise führt zu umfassenden und tiefgreifenden Wirtschaftskrisen und Konflikten.

Nun noch etwas zu den fossilen Energien: Bis zu 16 Milliarden Franken gab die Schweiz in den letzten Jahren jährlich für fossile Energien aus. Die Grünen fordern, dass der Import von Strom aus fossiler Energie in die Schweiz sowie [PAGE 136] Investitionen von Schweizer Energieversorgern in Kohle- und Gaskraftwerke im Ausland gestoppt werden. Die Stromkonzerne sollen die Klimabilanz unseres Landes nicht aus Profitgier dermassen verschlechtern.

Wussten Sie, dass 47 Prozent der schweizerischen Gasimporte im Jahr 2020 aus Russland kamen? Und ich verrate Ihnen ja nichts Neues, wenn ich sage, dass die Nord Stream AG und die Nord Stream 2 AG ihren Sitz in Zug haben. Ich bin sicher, dass uns Nord Stream 2 - mit dem Konkurs oder was auch immer es ist - in diesem Saal noch weiter beschäftigen wird.

Eine Antwort an Nationalrat Glarner, der leider nicht im Saal ist: Wir hier im Saal sind nicht dumm, wir im Saal können etwas bewirken, wir können etwas machen. Die Schweiz und Zug stützen als Steuer-Zufluchtsort für russische Staatskonzerne das repressive Regime Putins - vielleicht erwachen wir jetzt. Aber nicht nur das: Auch ökologische Gründe sprechen gegen das Prestigeprojekt Nord Stream 2. Die Welt kann es sich nicht leisten, neue Pipelines für fossile Energien zu bauen, die unsere Zukunft zerstören. Die Gletscher-Initiative fordert gerade auch den Ausstieg aus fossilen Energien.

Mit der Annahme der Gletscher-Initiative verschaffen wir unserer Erde das, was sie braucht. Der direkte Gegenvorschlag bringt keinen Mehrwert. Der indirekte Gegenvorschlag ist zu unterstützen.