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Gafner Andreas · Nationalrat · 2022-03-03

Gafner Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2022-03-03

Wortprotokoll

Ich kann es vorwegnehmen: Ich empfehle Ihnen, sowohl die Gletscher-Initiative zur Ablehnung zu empfehlen als auch den direkten Gegenvorschlag abzulehnen. Die von der Gletscher-Initiative und dem Gegenvorschlag vorgesehenen Massnahmen bewirken massive Einschränkungen und Verteuerungen der fossilen Energieträger und damit eine starke Verteuerung der Lebenshaltungskosten für die betroffene Bevölkerung - ohne namhafte Auswirkung auf das Klima.

Klimaveränderungen sind normal und natürlich. Es hat sie in der Erdgeschichte immer gegeben. Hier, wo wir heute sind, existierte in der Vergangenheit einmal das Jurameer oder die Gletscher der verschiedenen Eiszeiten, dies ohne Einfluss von CO2 durch die Verbrennung von fossilen Brenn- und Treibstoffen. Unser Klimamotor ist die Sonnenaktivität in ihren Zyklen.

Natürlich hat der CO2-Gehalt in der Atmosphäre seit der Industrialisierung auf etwa 0,04 Volumenprozent zugenommen. Dies hat nachweislich auch zu besserem Pflanzenwachstum geführt. Bedenken sollten wir aber auch, dass das aus der Verbrennung von fossilen Brenn- und Treibstoffen freigesetzte CO2 ursprünglich aus der Atmosphäre respektive Biosphäre stammt, worin es zirkulierte. Fossiles CO2 ist deshalb in gewissem Sinne Recycling-CO2.

Die Fixierung der aktuellen Klimapolitik auf den Gletscherstand von etwa 1850 als Ausgangs- und Vergleichsgrösse ist willkürlich und falsch, weil dies ungefähr dem Maximum der sogenannten Kleinen Eiszeit entspricht. Es ist eine Tatsache, dass es schon früher Warmzeiten gegeben hat, z. B. im Mittelalter, 800 bis 1350 nach Christus, sowie während der Römerzeit. Gemäss Chroniken und Aufzeichnungen waren diese Wärmeperioden für die betroffene Bevölkerung keine Katastrophen, sondern Zeiten erleichterter Lebensbedingungen.

Zahlreiche geologische Zeugen in unserem Land bestätigen die früheren Klimaschwankungen. Als Beispiel erwähnen möchte ich hier die von Gletschern weit oberhalb der heutigen Waldgrenze freigegebenen Baumstämme, siehe auch die Publikationen des Geologen Professor Christian Schlüchter von der Uni Bern.

Ob die Schweiz ihren CO2-Ausstoss sofort auf null reduziert oder nicht, ist für das Klima absolut belanglos. Denn erstens ist der Einfluss von CO2 auf das Klima nicht so gravierend, wie es dargestellt wird, und zweitens beträgt der Anteil der Schweiz am weltweiten CO2-Ausstoss nur circa 0,1 bis 0,2 Prozent. Die von der Gletscher-Initiative, dem Gegenvorschlag sowie dem Klimaabkommen verlangten Massnahmen sind überflüssig, weil der Energieverbrauch der Schweiz gemäss Statistiken des Bundesamtes für Statistik und des[NB]BAFU seit circa zehn Jahren stabil bis abnehmend ist, dies trotz massivem Bevölkerungswachstum und enormem Wachstum des Bruttoinlandproduktes. Bezüglich Energieeffizienz gerade auch bei den fossilen Brenn- und Treibstoffen und ebenfalls beim CO2-Ausstoss ist die Schweiz erfolgreich auf Kurs, wie Sie selber den entsprechenden Statistiken entnehmen können. Zudem ist der Treibhausgasausstoss in der Schweiz bereits heute unter dem Niveau von 1990.

Sinnvoller und effizienter sind für die Schweiz eine vollständige Abtrennung der Energie- und der Verkehrspolitik von der Klimadiskussion und eine Konzentration der verfügbaren Mittel auf die technologische Entwicklung im Energiebereich ohne Technologieverbote bezüglich Energieträger. Ein Verbot von fossilen Energieträgern ist zudem ein inakzeptabler Eingriff in die Autonomie der Länder, die selber über die Verwendung ihrer eigenen Vorkommen an fossilen Energieträgern entscheiden sollen, um ihre Wirtschaft zu entwickeln. Investitionen zur weiteren Verbesserung der Energieeffizienz und der Nutzung alternativer Energiequellen sowie nach Bedarf in Schutzeinrichtungen gegen Hochwasser, Lawinen, Erdrutsche usw. sind ebenfalls sachdienlich. Völlig unsinnig sind jedoch Teilnahmen am internationalen Handel mit Emissionszertifikaten. Dieser willkürliche und unnütze CO2-Ablasshandel ist real betrachtet ein Hohn.

Lehnen Sie darum die Gletscher-Initiative und den Gegenvorschlag ab. Wenden wir uns der Wirklichkeit, den realen Problemen zu: Förderung der Produktion von genügend gesunden Nahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser, zurückhaltender Umgang mit unseren Ressourcen, Verbesserung der Gesundheits- und Bildungssysteme für alle Menschen. Dafür müssen wir unsere verfügbaren Kräfte effizient einsetzen, nicht für Klimaprojekte.