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Glättli Balthasar · Nationalrat · 2022-03-03

Glättli Balthasar · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2022-03-03

Wortprotokoll

Wir haben jetzt zwei Tage lang über den Klimaschutz diskutiert. Wir haben zwei Tage lang darüber diskutiert, dass es beim Klimaschutz nicht nur darum geht, entschieden vorzugehen, sondern auch darum, schnell vorzugehen. Wenn wir schnell vorgehen wollen, dann heisst das auch, dass wir die Klimaschutzmassnahmen, die wir vornehmen, danach beurteilen müssen, wie schnell es wirklich zu einem positiven Effekt kommt. Es reicht also nicht mehr, einfach z. B. im Gebäudebereich zu schauen, wie eine Massnahme über die ganze Lebensdauer hinweg am Schluss in der Klimabilanz abschneidet, sondern wir müssen auch verhindern, dass eine langfristige Klimaschutzmassnahme in der Klimabilanz im kurzfristigen Bereich plötzlich negativ abschneidet.

Bei den Gebäuden gibt es zwei Möglichkeiten: Existierende Gebäude können saniert werden, oder sie können abgebrochen und durch Neubauten ersetzt werden. Natürlich ist es so, dass Ersatzneubauten, wenn man die Gesamtbelastung [PAGE 155] über die Lebensdauer von einem halben Jahrhundert oder länger betrachtet, dann unter dem Strich noch etwas klimafreundlicher sind. Aber wenn man schaut, was kurzfristig passiert, dann sieht man, dass zuerst ganz viel graue Energie bzw. graue Klimagase verursacht werden. Abriss und Neubau haben also zuerst eine deutlich negative Klimabilanz. Entsprechend möchte ich, dass der Bundesrat genauer anschaut, wo sich in diesem Bereich das Optimum befindet und wie man das Optimum erreichen kann, dort, wo es - aus meiner Sicht - eben schnell eine Wirkung bringt, nämlich indem man stärker auf Gebäudesanierungen statt auf Ersatzneubauten setzt.

Das hätte auch eine sozial positive Nebenwirkung: Es wäre klimagerechter. Denn heute haben Ersatzneubauten meistens zur Folge, dass natürlich allen Mietenden gekündigt wird und dass am Schluss im Neubau die Mietpreise nach oben an den Markt angepasst werden. Sanierungen, auch Gesamtsanierungen, können hingegen entweder im teilbewohnten Zustand durchgeführt werden, oder sie gehen schneller, womit die Mietenden dann wieder ins Haus zurückkehren können.

Das führt dazu, dass Menschen im Mietverhältnis auch geschützt sind, dass nicht übertriebene Kostenüberwälzungen auf sie zukommen. Das ist es ja, was wir wollen, was wir hier alle zusammen wollen müssen, nämlich den Klimaschutz mit sozialer Verantwortung zusammenzubringen. Die Stadt Zürich hat das in einem Bericht ganz genau auf die städtischen Verhältnisse bezogen angeschaut. Im Bericht gibt es erste Indikatoren, dass es auch aus Klimaschutzgründen ganz klar sinnvoll sein kann, dass man stärker auf die Sanierungsquote setzt und weniger stark auf Abriss und Neubau.

Mit meinem Postulat - ich danke dem Bundesrat, dass er bereit ist, dieses entgegenzunehmen - beantrage ich jetzt, dass wir hier noch etwas genauer hinschauen. Ich beantrage, dass wir nicht nur schauen, was die Bilanz ist, sondern auch prüfen, welche Massnahmen wir ergreifen können, damit die Entwicklung in die richtige Richtung schneller vorangeht, im Sinne von: Wie können wir den Klimaschutz im Gebäudebereich rascher vorantreiben unter Berücksichtigung der Klimagesamtbilanz?

Danke für Ihre Unterstützung.