Friedl Claudia · Nationalrat · 2022-03-10
Friedl Claudia · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-03-10
Wortprotokoll
Mit diesem Postulat möchte ich den Bundesrat beauftragen, eine Analyse der Partizipation von Frauen in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit und der Friedensförderung zu veranlassen und diese Erkenntnisse in eine Strategie einfliessen zu lassen. Der Vorstoss wurde von Mitgliedern verschiedener Fraktionen unterzeichnet. Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates. Das freut mich, weil es zeigt, dass die geschlechterspezifische Sicht in der Aussenpolitik ernst genommen und ihr auch ein Potenzial zugeschrieben wird.
Lassen Sie mich ein paar Überlegungen anstellen. Es ist heute anerkannt, dass die explizite Mitwirkung von Frauen in der Entwicklungszusammenarbeit und der Friedensförderung einen klaren Mehrwert schafft. Dazu ist mit der Resolution 1325 des UNO-Sicherheitsrates aus dem Jahr 2000, "Frauen, Frieden, Sicherheit", ein wichtiges Basiswerk entstanden. Aber auch nach mehr als zwanzig Jahren ist in der Entwicklungszusammenarbeit und erst recht in der[NB]Friedensförderung noch immer zu wenig davon umgesetzt.
Nur wenn Frauen aktiv in die Entwicklungszusammenarbeit und die Friedensförderung mit einbezogen werden, werden geschlechterspezifische Auswirkungen von Krisen und Konflikten sichtbar. Oft geht es dabei um das häusliche Umfeld, um Care-Arbeit, Ernährung, Gesundheit, aber auch um sexualisierte Gewalt, Unterdrückung und Ausnützung. Das sind alles Themen, die Frauen besonders betreffen, sowohl in Friedens- wie auch in Kriegszeiten.
Aus der Berücksichtigung dieser Lebensbedingungen heraus werden in der Entwicklungszusammenarbeit und vor allem auch in der Friedensförderung neue Aspekte wichtig, denn Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Waffen. Eine veränderte Sichtweise kann auch Grundlage für eine neue Verteilung der finanziellen Mittel sein, womit wir bei der gendergerechten Finanzierung wären. Das könnte auch bedeuten, dass mehr Investitionen in die soziale und nicht nur[NB]Investitionen[NB]in die physische Infrastruktur getätigt werden sollen.
Mit diesem Postulat sollen die notwendigen gesellschaftlichen Grundbedingungen für eine aktive Mitarbeit der Frauen aufgezeigt werden, und daraus soll eine Strategie entwickelt werden. Wie bereits erwähnt, beantragt der Bundesrat die Annahme dieses Postulates.
Ich bitte Sie deshalb: Stimmen Sie diesem Postulat zu!