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Sommaruga Simonetta · Bundesrat · 2022-03-17

Sommaruga Simonetta · Bundesrat · Bern · 2022-03-17

Wortprotokoll

Das Postulat von Herrn Nationalrat Imark möchte dem Bundesrat einen Prüfungsauftrag geben: Gibt es für den Bund gesetzgeberischen oder anderen Handlungsbedarf, um an den Landesgrenzen sogenannte Phasenschieber im Hochspannungsnetz zu installieren? Mit solchen Phasenschiebern möchte Herr Imark das Schweizer Stromnetz stabilisieren und vor Überlastung aus dem Ausland schützen und damit die Versorgungssicherheit erhöhen. Namentlich, das haben Sie erwähnt, Herr Nationalrat Imark, möchten Sie den sogenannten Loop Flows, den ungeplanten Stromflüssen, entgegentreten.

Die Problematik der zunehmenden Loop Flows ist dem Bundesrat längstens und bestens bekannt. Die nationale Netzgesellschaft Swissgrid, die Elcom und das Bundesamt für Energie arbeiten gemeinsam mit den umliegenden Ländern, den Netzbetreibern und der Europäischen Kommission an betrieblich-technischen Lösungen. Diese sollen die Stromsystemrisiken reduzieren und auch eine hohe Netzstabilität gewährleisten. Ende letzten Jahres konnte Swissgrid an der Südgrenze einen Vertrag mit der [PAGE 533] Kapazitätsberechnungsregion Italy North unterzeichnen. Das ist eine technische Vereinbarung, die äusserst wichtig ist, und es ist auch sehr erfreulich, dass Swissgrid diesen Vertrag unterzeichnen konnte. Dieser umfasst die Grenzkapazitäten zwischen Italien, Österreich, Slowenien und Frankreich. Damit sinkt das Risiko ungeplanter Stromflüsse, und die Schweizer Netzsicherheit wird verbessert.

Mit diesem Vertrag ist die Situation an der Schweizer Südgrenze vorläufig entschärft. Für die Nordgrenze sind die Arbeiten mit der Kapazitätsberechnungsregion Core noch am Laufen. Diese Region umfasst Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn, Slowenien, die Slowakei, Kroatien und Rumänien. Das ist mal die Ausgangslage.

Wenn Sie diese ungeplanten Stromflüsse vermindern wollen, die für die Schweiz nicht nur unangenehm, sondern auch teuer sind, dann müssen Sie mit den benachbarten Regionen zusammenarbeiten. Die Frage ist, welchen Beitrag solche Phasenschieber-Transformatoren leisten können; darum geht es ja in diesem Vorstoss. Wegen der vielen grenzüberschreitenden Leitungen lassen sich die Stromflüsse mit der Installation solcher Phasenschieber-Transformatoren eben nur zum Teil steuern. Ich glaube, da dürfen Sie sich nicht die falsche Vorstellung machen, dass Sie dann einfach zumachen könnten und damit keinen ungeplanten Stromfluss mehr hätten - aber vielleicht machen Sie sich diese Vorstellung ja auch gar nicht.

Eine umfassende Installation solcher Transformatoren an der Landesgrenze wäre nicht nur mit hohen Kosten von mehreren hundert Millionen Franken verbunden. Der betriebliche Einsatz dieser Transformatoren bräuchte eben auch eine Koordination mit dem benachbarten Netzbetreiber, weil sich deren Wirkung sonst nämlich teilweise wieder aufheben würde. Wenn Sie diese Phasenschieber einfach so herunterlassen, dann haben Sie unter Umständen auch eine Reduktion der Übertragungskapazität an den Grenzen. Wenn Sie die Phasenschieber zumachen, dann sind die Stromflüsse nicht wie bei einer Barriere an der Grenze einfach vollständig abgestellt, sondern sie gehen einfach durch eine andere Leitung auf andere Netzelemente und können dort wieder destabilisieren.

Ich versuche nur aufzuzeigen, was der Sinn und Zweck solcher Transformatoren ist und weshalb der Bundesrat zum Schluss gekommen ist, dass man zwar durchaus zu allem einen Postulatsbericht machen kann, dass man aber die Probleme hier am richtigen Ort angehen muss. Vor diesem Hintergrund ist es eben angebracht, den eingeschlagenen Weg der technisch-betrieblichen Lösung mit den Nachbarstaaten fortzuführen. Allenfalls könnte man punktuell solche Phasenschieber-Transformatoren installieren, sofern sie zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität regional eben erforderlich sind. Das ist aber genau auch die Stossrichtung der Elcom. Und die Elcom wie auch Swissgrid, Herr Nationalrat Imark, brauchen keinen Bericht von uns, weil sie wissen, wie das funktioniert. Kurz- und mittelfristig sieht die Elcom zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit den frühzeitigen Ersatz von bestehenden Transformatoren vor. Diese Arbeiten sind also aufgegleist.

Herr Nationalrat Imark, ich würde Ihnen aber sowieso empfehlen: Gehen Sie doch einmal bei Swissgrid vorbei. Es ist sehr eindrücklich, wie dort in der Zentrale im Minutentakt die Stabilität des Hochspannungsnetzes sichergestellt wird. Und dann, spätestens dann wird Ihnen bewusst, dass die Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten und den Grenzregionen absolut entscheidend ist für unsere Netzstabilität.

Mit Swissgrid und auch mit der Elcom haben wir, denke ich, hervorragende Organisationen, die diese Zusammenarbeit auch wirklich pflegen, die technisch auf der Höhe sind und alles dafür tun, damit unser Land auch in Zukunft den Strom bekommt, den es braucht. Aber eben, das geht nur in[NB]enger[NB]Absprache und Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten.

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